Thomas Schaaf beim WESER-Strand-Talk

„Ich stehe für Werder Bremen“

Beim WESER-Strand-Talk hat Thomas Schaaf mit Moderatorin Bärbel Schäfer darüber gesprochen, was er als Technischer Direktor genau macht, was Werder auszeichnet und worauf es im Leben ankommt.
07.09.2019, 16:00
Lesedauer: 4 Min
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„Ich stehe für Werder Bremen“
Von Christoph Bähr
„Ich stehe für Werder Bremen“
Christina Kuhaupt

Der wichtigste Satz fällt kurz vor dem Ende des WESER-Strand-Talks, fast beiläufig. So wie es eben Thomas Schaafs Art ist. „Wenn man das Richtige gefunden hat, warum soll man das wieder abgeben?“, sagt er nüchtern, ohne eine Miene zu verziehen. Es geht um seine Frau Astrid und um die Frage, warum er so treu ist. Dieser eine Satz könnte auch Thomas Schaafs Lebensmotto sein. Er erkennt etwas Gutes, weiß es zu schätzen, wirft es nicht vorschnell weg für die vage Chance auf etwas noch Besseres. Klingt logisch, ist aber alles andere als selbstverständlich in einer Zeit, in der sich fast jeder im Internet inszeniert und der Rasen des Nachbarn immer grüner erscheint als der eigene.

Thomas Schaaf ist seit fast 30 Jahren verheiratet. „Sie hat mich in jeder Phase unterstützt, damit ich meinen Beruf so ausüben konnte, wie ich das gerne wollte. Das ist grandios“, sagt er über seine Frau. Er hat zweifellos die Richtige gefunden, warum also etwas verändern? Ganz ähnlich lief es zwischen ihm und dem Verein, dem er sogar noch länger die Treue hält als seiner Ehefrau. Als Elfjähriger kam Schaaf 1972 zu Werder. Als Profi spielte er nur für die Grün-Weißen, als Trainer blieb er 14 Jahre lang im Amt. Woanders klappte es danach nicht wie gewünscht, also kehrte er im Juli 2018 zurück in die Heimat – als Technischer Direktor. Werder – da weiß er, was er hat. „Es ist ein Riesengeschenk, dass ich mich tagtäglich mit Menschen beschäftigen kann“, betont Schaaf.

Entspannter Auftritt

Er hat jetzt eine Aufgabe, die längerfristig angelegt ist, kümmert sich um den Nachwuchsbereich und die Trainerausbildung. „Wichtig ist es, die Übergange so zu gestalten, dass möglichst viele aus dem Leistungszentrum in den Profibereich kommen“, fasst Schaaf sein großes Ziel zusammen. Im Gespräch mit Moderatorin Bärbel Schäfer im Café Sand wirkt der 58-Jährige extrem entspannt, ruht in sich, haut ab und an mal einen trockenen Spruch raus. Schaaf steht nicht mehr in vorderster Reihe, doch das gefällt ihm durchaus. „Für mich ist entscheidend, dass ich mich mit dem, was ich mache, voll identifizieren kann. So lange ich das Gefühl habe, dass die Aufgabe noch nicht beendet ist, kann ich auch bleiben“, verdeutlicht er.

Mit etwas Abstand und all seiner Erfahrung sieht er auch Entwicklungen im Fußballgeschäft, die ihm nicht gefallen. „Wir haben eines nicht mehr, und das ist Zeit. Wir wollen alles sofort haben. Genauso ist dann die Erwartungshaltung“, sagt Schaaf. „Der Fußball ist ein sehr schillernder Teil unserer Gesellschaft. Er interessiert die Leute, die Informationen müssen fließen. Jeder muss für sich entscheiden, wie weit er das mitmachen möchte.“ Wieder so ein Schaaf-Satz, nüchtern daher gesagt, auf den ersten Blick eher trocken, doch bei näherer Betrachtung tiefgründig. Miroslav Kloses Biografie ist gerade erschienen, und darin erinnert sich der frühere Werder-Torjäger daran, wie Schaaf „mit dieser eintönigen Stimme die spannendsten Dinge“ erzählte. Das bringt es auf den Punkt.

Ab und zu ruft Kohfeldt an

Thomas Schaaf, der Mann, der nach eigenen Worten „für Werder Bremen steht“, ist auch sich selbst treu geblieben. Den Fußballzirkus macht er nur zu einem gewissen Teil mit, in den sozialen Netzwerken wie Instagram, Facebook und Co. ist er nicht vertreten. Muss er auch nicht, denn als Technischer Direktor wirkt er inzwischen im Hintergrund. „Ich kann mich mit allen austauschen. Das macht einen Riesenspaß“, erzählt Schaaf und fügt hinzu: „Zwischendurch ruft Flo Kohfeldt an und will was wissen.“

Keine Frage, der Mann, der Werder im Jahr 2004 zum Double und damit zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte führte, ist als Ratgeber geschätzt. Regelmäßig spricht er mit Chefcoach Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann. Schaafs Aufgabenbereich liegt primär im Nachwuchsfußball, doch natürlich ist er auch in Sachen Bundesliga auf dem Laufenden. Er hat eine klare Meinung zum Abgang Max Kruses („Max geht seinen Weg. Das ist in Ordnung.“), zum Videobeweis („Er ist eine gute Sache, aber viele Entscheidungen dauern zu lange.“), zur nicht enden wollenden Karriere Claudio Pizarros („Er hat eine große Gabe und kann jungen Spielern viel beibringen.“) und zum geplanten Neubau des Leistungszentrums („Wenn wir das nicht realisieren können, wird einiges kaputt gehen.“).

Klar, dass Bärbel Schäfer ihn auch zur aktuellen Situation der Bremer Bundesliga-Mannschaft befragt. „Wir sind mutig und wollen etwas erreichen“, unterstreicht Schaaf. Er wisse, dass andere Vereine viel größere wirtschaftliche Möglichkeiten hätten. Die genaue Abschlussplatzierung will Schaaf lieber nicht tippen, doch er betont: „Es wäre schön, wenn wir um Platz sechs und sieben mitspielen könnten. Unter den ersten Neun zu landen wäre aber schon top.“

Langfristige Pläne

Große Stück hält Thomas Schaaf dabei auf Florian Kohfeldt, den vierten Chefcoach der Post-Schaaf-Ära: „Wir haben mit Flo einen Topmann und möchten mit ihm gerne über Jahre hinweg etwas realisieren.“ Dass Kohfeldt mit 36 Jahren einer von mehreren jungen Bundesliga-Trainern ist, spielt für Schaaf keine Rolle. „Es ist nicht wichtig, ob man jung oder alt ist. Man muss erfolgreich sein.“ Kohfeldt sei auch deswegen Cheftrainer geworden, weil er bei Werder vorher schon viele Jahre als Nachwuchscoach und Co-Trainer der Profis überzeugt habe. „Wir haben ihn in verschiedenen Positionen kennengelernt“, verdeutlicht Schaaf.

Übrigens sind sich Schaaf und Kohfeldt durchaus ähnlich. Das klassische Schaaf-System mit einer Mittelfeldraute lässt auch der aktuelle Werder-Trainer gerne spielen. Beide stehen zudem für Offensivfußball. Das sei Werders Philosophie, erklärt Schaaf. „Wir wollen alles selbst in die Hand nehmen. Wir wollen bestimmen, so gehen wir in jedes Spiel.“ In solchen Momenten klingt Thomas Schaaf noch immer wie der Trainer. Daraus macht er auch keinen Hehl. „Man erwischt sich ab und zu dabei, dass man sagt: Es wäre eine Riesennummer, wenn du jetzt da unten wärst“, gibt Schaaf zu und meint mit „da unten“ die Trainerbank. Wann er dies zuletzt gedacht habe, will Bärbel Schäfer daraufhin wissen. „Als ich das Champions-League-Finale geschaut habe“, antwortet Schaaf. Er weiß Gutes zu würdigen, schätzt das, was er hat, aber ein wenig zu träumen sollte jedem erlaubt sein.

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