Vision des Wirtschaftsressorts

Idee einer Seilbahn in Bremen polarisiert

Die Idee von einer Seilbahn in Bremen polarisiert: Manche sind davon angetan, andere halten es für eine wenig zielführende Lösung.
19.02.2019, 10:00
Lesedauer: 3 Min
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Idee einer Seilbahn in Bremen polarisiert
Von Justus Randt

Eine Seilbahn im Bremer Westen? Viele finden die Vision des Wirtschaftsressorts interessant, nicht alle. Aber inspirierend ist die Idee allemal.


Ulrike Pala, Leiterin des Ortsamtes West, ist davon angetan: „Ich persönlich finde, das ist eine ziemlich gute Idee. Es wäre wichtig, dass die Fahrten im BSAG-Netz drin sind, dass Fahrräder, Kinderwagen und Rollstühle mitgenommen werden können. Es war immer die Frage, wie bekommt man den Übergang von Gröpelingen in die Überseestadt hin. So hätte man die Anbindung an die Linie 3 am Europahafen. Und von der Waterfront zum Waller Sand rüberfahren zu können, wäre klasse. Da stellt sich gleich die Frage: Kann man das nicht auch auf die Woltmershauser Seite ausweiten? Man muss gucken, wie das mit der Fähre im Sommer ist. Das hinzubekommen, hat auch lange gedauert. Die Idee, mit der Fähre vom U-Boot-Bunker Hornisse zum Lankenauer Höft zu fahren, ist gut, der Neustädter Hafen wäre auch ein mögliches Ziel. Auf die Frage, wie man die Überseestadt entlasten kann, gibt es nun ein ganzes Bündel Antworten als Lösung. Wir müssen in alle Richtungen denken.“

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Monika Monsees, Mitinitiatorin und ehemaliges Mitglied der Bürgerinitiative Überseestadt (BÜS), hat gleich an Wirtschaftsstaatsrat Ekkehart Siering geschrieben, als sie von dem Plan hörte. „Wenig zielführende Lösung“, lautet ihr Urteil. „Der tägliche Verkehrsinfarkt“ ereigne sich zwischen Doventor, Weserbrücke und Grolland beziehungsweise Europahafen. Ehe „kostenintensiv und langwierig“ an einer Seilbahn gebaut werde, „sollten vielleicht die maroden Weserbrücken saniert werden“. Ärzte, Apotheken, Banken säßen „nicht gerade in der Waterfront“, sondern in Alt-Walle – eine Schnellbuslinie könne helfen. Und ein Wassertaxi zu Radio Bremen zur Anbindung an die Linie 3. Die bisherige Fährverbindung, beklagt sie, sei kaum nutzbar gewesen: zu teuer, zu lange Taktung. Und die Fähre verkehrte nicht am Wochenende. „Ich werde 72, das war unmöglich, da gab es nicht mal Haltegriffe.“


Wolfgang Golinski, Beiratssprecher Walle, „muss das erstmal sacken lassen“. Die Machbarkeitsstudie liege vermutlich erst in der zweiten Jahreshälfte vor. „Dann gibt es ja neue Beiräte – man muss sich neu sortieren. Meine persönliche Einschätzung lautet: Auf jeden Fall ist das eine interessante Variante, aber Fähren sind schneller und billiger zu installieren. Das ist ein Thema, das uns schon lange beschäftigt. Die Fährverbindung vom Weserstadion zum Europahafen war ja ein Flop, zu lang und zu langsam. Es wird sich zeigen, ob sich das lohnt, von Touristen will ich noch gar nicht sprechen. Es geht doch für viele erstmal darum, zum Arbeitsplatz zu kommen. Wenn man solch eine Route festlegt, würde ich sagen, nicht über Wohngebieten, sondern entlang von Straßen oder Eisenbahnschienen.“

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Barbara Wulff, Beiratssprecherin Gröpelingen, hält die Seilbahn für eine „interessante Sache, man sollte das auf jeden Fall prüfen, obwohl ich erst auf den Kalender geguckt habe, ob der 1. April ist“. Abgesehen vom touristischen Aspekt, schwebt ihr mit der Seilbahn eine bessere Anbindung zum Beispiel an den geplanten Waller Sand vor. „Da fließen ja auch Gröpelinger Mittel mit hinein. Wir fragen uns sowieso, wie man von Gröpelingen dort hinkommen soll, solange die Fähre nicht fährt. Es war ja auch schon von einer Brücke die Rede. Man muss ja den Holzhafen überwinden. Man könnte dann bei der Waterfront einsteigen. Die Seilbahn wäre nicht schlecht, wenn sie Anwohner und Firmen nicht stört. Langfristig fordern wir aber die Verstärkung der Weserfähre, die zum Lankenauer Höft fährt. Die Beiräte sind sich einig, dass das in den VBN-Tarif aufgenommen werden soll – das wäre auch ein Thema für die Seilbahn. Viele, die in der Überseestadt arbeiten, kommen ja aus Bremen-Nord. Man müsste dann natürlich für Parkplätze sorgen.“


Kirsten Jackenkroll, hat in Koblenz gearbeitet, ehe sie Centermanagerin der Waterfront wurde. „Koblenz ist das Paradebeispiel für eine gelungene Seilbahnnutzung. Ich verbinde damit Freizeitvergnügen, aber auch kurze Wege. Insofern ist das attraktiv, sie in Bremen am Wasser entlangzuführen, das wäre ein touristisches Highlight. Persönlich finde ich den Ansatz toll, das ist umweltfreundlich und führt weg vom Auto.“ Dass die Fahrgäste ja die 4000 Waterfront-Parkplätze nutzen könnten, wie es bei der Präsentation angeklungen war, lässt die Centermanagerin allerdings aufhorchen: „Wir haben durchschnittlich 25 000 Kunden am Tag, die Parkplätze sind nicht dazu da, um Fehlplanungen des Wirtschaftsressorts aufzufangen. Auf jeden Fall gibt es Bedarf, sich darüber auszutauschen.“

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