Einbahnstraße favorisiert Ideen der WESER-KURIER-Leser für den Wall

Wie wäre es, wenn die Straße Am Wall eine Einbahnstraße würde? Die Meinungen darüber, wie und ob der Wall als Teil der Innenstadt umgestaltet werden sollte, gehen auseinander.
12.06.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Ideen der WESER-KURIER-Leser für den Wall
Von Frauke Fischer

Wie wäre es, wenn die Straße Am Wall eine Einbahnstraße würde? Gäbe das tägliche Staus? Oder würde es die Aufenthalts- und Lebensqualität am Boulevard verbessern? Sollte gar eine Bus- oder Straßenbahnlinie dort durchführen? Oder wäre es im Gegenteil sinnvoll, die Straßenbahnschienen aus der Obernstraße in die Martinistraße oder unterirdisch zu verlegen, damit sich neue Rundläufe zwischen Schlachte und Wall entwickeln? Die Meinungen darüber, wie und ob der Wall als Teil der Innenstadt umgestaltet werden sollte, gehen auseinander. Eines zeigt sich deutlich: Die Möglichkeiten und Notwendigkeiten an dieser Stelle im Herzen Bremens beschäftigen viele Menschen. Und die Sperrung nach dem Brand im Harms-Gebäude beflügelt die Fantasie von Leserinnen und Lesern des WESER-KURIER.

Auf unsere Bitte um Vorschläge haben Leser prompt reagiert. Unter Facebook-Nutzern hat sich zudem eine lebhafte Debatte entwickelt. Ein Favorit unter den genannten Ideen: Macht aus dem Wall eine Einbahnstraße vom Ostertor Richtung Herdentor. Allerdings: Das Ergebnis einer Umfrage auf unserer Internetseite ergab, dass nur gut 30 Prozent der Teilnehmer für, fast 70 Prozent gegen eine komplett autofreie Flaniermeile zwischen Ostertor und Herdentor sind.

Die Möglichkeiten dazwischen sind vielfältig. Eine Einbahnstraßenregelung vom alten Polizeihaus Richtung Doventor hätte aus Sicht der Befürworter Vorteile. So könnte die frei werdende Fahrbahn dem Bürgersteig zugeordnet, mit Bänken, Außengastronomie und Blumenkübeln als Boulevard neu gestaltet werden. Leser schlugen auch vor, dass Autos auf der anderen Straßenseite, also an den Wallanlagen geparkt werden könnten. Um den Wall nicht komplett für Autos zu sperren, aber verkehrsberuhigter zu gestalten, könnte es auch eine Tempo-30-Einrichtung geben, so mehrere Vorschläge. Diese könnte auch befristet auf die Sommermonate gelten. Aus Sicht anderer Leser würde schon eine andere Fahrbahnfarbe in Verbindung mit Tempo drosselnden Inseln zur Verlangsamung führen. Einige Absender appellierten jedoch auch an die Verkehrsplaner: Lasst die Straße den Autos. Der Wall habe eine „Verkehrs- und Erschließungsfunktion als wichtige innerörtliche Achse“. Bremen brauche keine „Inflation der Fußgängerbereiche“.

Tempo 30, eine Einbahnstraßenregelung, Cafés und mehr Belebung – was der Zukunft der Straße Am Wall guttun würde, soll so schnell wie möglich zu einem Konzept führen, das eine gemeinsame Arbeitsgruppe der beiden Senatsressorts Bau/Verkehr und Wirtschaft erarbeitet. Das bestätigte ein Behördensprecher.

Außerdem haben sich Vertreter von SPD und Grünen in ihren Koalitionsgesprächen darauf geeinigt, eine Umgestaltung des Walls in den Koalitionsvertrag aufzunehmen. Der Wunsch dazu kam bereits aus der Wirtschaftsbehörde. Wie berichtet, sollen unter Einbindung der Kaufleute und anderer Anrainer mit zunächst 60 000 Euro aus dem Wirtschaftsressort Sofortmaßnahmen überlegt und finanziert werden, die dem Wall Perspektiven ermöglichen.

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Aus Sicht von Robert Bücking und Ralph Saxe biete die Verkehrssperrung bei aller Tragik Chancen für den Standort. Saxe, bislang verkehrspolitischer Sprecher der grünen Bürgerschaftsfraktion, und Bürgerschaftsneuling Bücking, ehemaliger Ortsamtsleiter Mitte/Östliche Vorstadt, wünschen sich, dass Verkehrs- und Stadtplaner „neues Denken“ zulassen. Sie sind für das Ausprobieren in diesem Sommer. „Der Wall ist die andere Schmuckkante der Stadt, ihr Diadem“, vergleicht Bücking ihn mit der Schlachte. Er und Saxe appellieren an Akteure auf privater und behördlicher Seite, beispielsweise ein temporäres Café, Open-Air-Kino, Lesungen und Konzerte zuzulassen. 150 Liegestühle müssten ganz schnell her, um Menschen bei gutem Wetter anzulocken und zum Bleiben zu bewegen, so Bücking. In der Testphase könne beobachtet werden, wie sich die Eingriffe auf den innerstädtischen Verkehr auswirkten und ob sie dauerhaft umsetzbar wären.

In ihrer Vorstandssitzung am Donnerstagnachmittag hat sich auch die City-Initiative mit dem Thema beschäftigt und fünf Eckpunkte formuliert: 1. Autos fahren weiter am Wall. 2. Weniger Parkplätze, Temporeduzierung, Gestaltungs- und Möblierungsmaßnahmen verbessern die Aufenthaltsqualität. 3. Attraktive Eingangssituationen schaffen. 4. Verbindungen über Sögestraße, Museumstraße und Bischofsnadel sicher und bequem gestalten. 5. Wallanlagen angemessen bespielen.

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Man müsse Anrainer und Planer aus Behörden schnell zusammenbringen, Varianten durchspielen und Machbarkeiten prüfen, sagt Harm Hesterberg, Vorsitzender der City-Initiative. Konkretere Handlungsempfehlungen wolle man indes noch nicht geben.

Fest steht: Am verkaufsoffenen Sonntag in der City und im Ostertorviertel, 14. Juni, öffnen auch die Geschäfte am Wall. Das eigentliche Wall-Fest soll zu einem späteren Termin nachgeholt werden. Die Kaufleute müssen sich auf weitere Wochen der Straßensperrung einrichten. Noch laufen Abbruch- und Sicherungsarbeiten an drei Dachstühlen, die am 6. Mai zerstört wurden. Das bestätigt Klaus Barth, Anwalt des Hauseigentümers Marco Bremermann. Es zeichne sich ab, dass die Gebäudefassade vermutlich nicht zu retten ist. Das Hintermauerwerk sei zu stark beschädigt.

Der Inhaber des ausgebrannten Modehauses Harms, Hans Eulenbruch, hat nach eigenen Angaben einen neuen Standort Am Wall für seinen Betrieb, wolle aber noch keine genaue Adresse nennen. „Im Juli machen wir weiter.“ Eulenbruch hatte Ende Mai Insolvenz beantragt.

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