Werftquartier Ideen für Bremerhavens größtes Stadtentwicklungsprojekt

Das Werftquartier ist Bremerhavens spannendstes und größtes Stadtentwicklungsprojekt. Nun werden die ersten Entwürfe präsentiert.
15.03.2020, 07:51
Lesedauer: 4 Min
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Von Thomas Walbröhl

Ein „hipper Stadtteil“ soll es werden, CO2-neutral etwa. Auch das Wort „Kiez“ taucht auf, wenn es um die Zukunft des Werftquartiers geht. So steht es in der Auslobung der Bremerhavener Stadtplanung zum Werftquartier. Der Wettbewerb, an dem anfangs sechs Architekturbüros beteiligt waren, geht nun mit drei Entwürfen in die nächste Runde. Darunter sind die dänischen Büros COBE und Adept, beide aus Kopenhagen, und das deutsch-niederländische Büro De Zwarte Hond, aus Köln.

Die Fläche, auf der das Werftquartier geplant werden soll, liegt am westlichen Rand des Stadtteils Geestemünde, etwa einen Kilometer vom Bremerhavener Hauptbahnhof entfernt, südlich der Innenstadt. Das Planungsareal umfasst 140 Hektar. Das ist knapp die Hälfte der Fläche des Bremer Ortsteils Überseestadt und nach Angaben der Stadt vergleichbar mit der Hamburger Hafencity. Hier sollen 3500 bis 4000 Wohneinheiten entstehen sowie 2000 bis 2500 Arbeitsplätze.

Was die Entwicklung des Areals kosten wird, ist nach Angaben der Stadt Bremerhaven noch nicht abzusehen. die Mittel werden hauptsächlich von privaten Investoren um den Bremerhavener Unternehmer und Investor Dieter Petram aufgebracht. Bis auf die Infrastruktur der Hafenflächen soll das Projekt durch private Investition getragen werden. „Wir erhoffen uns wichtige Impulse für die weitere Entwicklung der Stadt Bremerhaven“, sagte Melf Grantz, Oberbürgermeister der Seestadt und Leiter der Lenkungsgruppe Werftquartier, anlässlich der Präsentation der Entwürfe am Sonnabend. Zugegen waren auch die Leiterin des Stadtplanungsamtes, Carolin Kountchev, und der Vorsitzende des Preisgerichts Jörn Walter.

Das Gelände soll der Wirtschaft, der Forschungslandschaft, dem Image und nicht zuletzt der Arbeits- und Wohnbevölkerung nützen. Die Stadt Bremerhaven setzt auf Partizipation und bezog die Bürger bereits früh mit ein, zuletzt im März des vergangenen Jahres bei einem Impulsabend eine Zukunftswerkstatt.

Entwürfe bis 23. März ausgestellt

Die für Sonnabend angesetzte Diskussion hatte der Veranstalter nun allerdings wegen der Coronakrise abgesagt. Ein neuer Termin wurde nicht festgelegt. Die Entwürfe sind nun lediglich wie geplant acht Tage lang im Technischen Rathaus in Bremerhaven zu sehen. Interessierte sind eingeladen, dort Anregungen, Kritik und Ideen einzubringen. Die Ausstellung werde auch nicht verschoben, da man noch im Juli zu einer Entscheidung kommen wolle, teilte ein Sprecher der Stadt am Sonnabend mit.

Die Öffnung des Stadtteils Geestemünde hin zum Wasser und die Weiterentwicklung des Wissenschaftscampus, dessen Kern bereits mit Hauptgebäude und Technikum-Neubau des Alfred-Wegener-Instituts existiert, sind zwei der Kernziele des Vorhabens aus stadtplanerischer Sicht. Das Quartier soll, so heißt es in der Auslobung, „der erste Schritt sein für ein neues städtebauliches Leitbild der Stadt, das sich deutlicher am Menschen und der Nachhaltigkeit orientiert.“ Urban soll das Stadtviertel werden und vielfältig, was Nutzer und Nutzung angeht. Verschiedene Alters- und Einkommensgruppen sollen es nutzen: zum Arbeiten, Wohnen, Forschen oder um dort Freizeit zu verbringen. Ein lebendiges Werftquartier soll dem Stadtteil ein attraktiveres Antlitz geben, Impulse für die angrenzenden Stadtteile, die City und ganz Bremerhaven setzen. Nach Angaben der Stadt ist bei Angestellten und Studierenden in Bremerhaven jeder zweite Pendler. Mit dem Werftquartier sollen nicht zuletzt auch die angesprochen werden, die nach Bremerhaven einpendeln, etwa weil sie keinen attraktiven Wohnraum finden.

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Die Zielvorgaben für das Großprojekt sollen dem Rahmenplan zur Stadtentwicklung folgen. Der Stadtteil soll künftig eine starke Aufenthaltsqualität bieten, sich mit einem Mix aus Gewerbe, Wohnen, Aufenthalt und Standort für Forschung und Entwicklung zum Wasser hin öffnen. Das soll durch Umgestaltung und Neubau von Wohn- und anderen Gebäuden sowie Brücken funktionieren. Gemäß einer „Stadt der kurzen Wege“, wie es in der Auslobung heißt, geht es um zeitgemäße und zukunftsfähige Mobilität.

Gleichzeitig soll der alte Charme des Gebiets bewahrt werden, der durch Werft und Hafen geprägt war. So soll auch der Helgen der vor über zehn Jahren geschlossenen Schichau-Seebeck-Werft erhalten bleiben, auf dem früher einmal Schiffe gebaut wurden. Er soll öffentlich zugänglich werden.

„Die vorliegenden Arbeiten sind ermutigend, dass ein Wandel am Standort funktionieren kann“, befand Oberbürgermeister Grantz am Sonnabend. Nachzubessern sei bei den Entwürfen unter anderem die Platzierung eingeplanter Brücken, die sich nicht nur dem Freizeithafen, sondern auch der Berufsschifffahrt vor Ort Rechnung tragen müssten. Letztlich wird sich der Entwurf durchsetzen, der die vorgegebenen Kriterien am besten erfüllt: Zu 50 Prozent sind dabei architektonische und städtebauliche Umsetzung entscheidend, zu 20 Prozent zählen „Nachhaltigkeit, Ökologie und Umgang mit Freiräumen“. „Wirtschaftlichkeit“, „Mobilität“ und „Soziales“ fließen je zu 10 Prozent mit ein in die Bewertung durch die 16 Preisrichterinnen und Preisrichter. Die Präsentation der überarbeiteten Entwürfe ist für Juli geplant. Die ersten Bauarbeiten sollen dann im Jahr 2022 beginnen.

Weitere Informationen

Die Entwürfe der Architekturbüros können von Montag, 16. März bis Montag 23. März im Foyer des Technischen Rathauses, Fährstraße 20 besichtigt werden. Zusätzlich werden die Arbeiten am 17. März 16 bis 17 Uhr und am 19. März von 17 bis 18 Uhr vom Stadtplanungsamt im Technischen Rathaus vorgestellt. Anregungen können bis 23. März per Mail an werftquartier@magistrat.bremerhaven.de geschickt oder im Stadtplanungsamt abgegeben werden.

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