Bürgerbeteiligung in Vegesack Ideen für das Bad gesucht

Per Postkarte, im Internet und auf fünf Veranstaltungen: Die Vegesacker Bürger sollen sich ab sofort in die Neuplanung für das Freizeitbad einmischen. Wie erklären, wie es geht...
22.08.2018, 17:56
Lesedauer: 3 Min
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Von Volker Kölling

Vegesack. Die Wünsche der Vegesacker Badnutzer sollen in den Komplettumbau des Freizeitbades eingehen. Die Bürgerbeteiligung startet in wenigen Tagen. Mit gleich fünf Veranstaltungen schon ab dem 30. August will die Bremer Bäder GmbH dafür sorgen, dass die Identifikation der Vegesacker mit ihrem Bad wieder steigt. Nötig wird die Komplettsanierung, weil ein Gutachten im Frühjahr an Becken und Technik schwere Mängel festgestellt hatte, deren Behebung allein sechs Millionen Euro kosten würde.

26 Grad, die Sonne knallt, es ist still im Freibad. Bauzäune trennen die leeren Außenbecken vom kleinen, noch betretbaren Teil des Vegesacker Freizeitbades. Kein Mensch ist draußen, und drinnen im Bad sind gegen Mittag zumeist ältere Badnutzer unterwegs. Kein Kinderlachen, keine lärmenden Jugendlichen. Martina Baden hat als Geschäftsführerin der Bremer Bäder auch Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt zum Pressegespräch in das kleine Büro des Badleiters Jochen Ralle eingeladen. Dornstedt macht keinen Hehl daraus, dass der Beirat wenig begeistert war, als er im Frühjahr davon hörte, dass das Freibad bis auf Weiteres geschlossen wird: „Nun reden wir aber von Fluch und Segen gleichzeitig. Der Fluch ist dieser Bombensommer. Ein Segen ist es deshalb, weil sich nun die Chance ergibt, das Bad zukunftsfähig zu machen.“

Dornstedt erinnert sich noch an die eigene Kinderzeit: In der habe das Freibad im Grunde schon genauso ausgesehen wie heute. Tatsächlich wurde das Bad 1963 erbaut, 1989 grundlegend saniert, 2006 modernisiert und die Gebäude gerade erst 2016 energetisch saniert – verbunden mit Einschränkungen für den Badbetrieb draußen. Ein Schelm, wer fragt, warum man zu dem Zeitpunkt bei den Bremer Bädern nicht schon von den Beckenschäden wusste, um in einem Rutsch zu bauen und so nötige Schließzeiten zu minimieren.

Nun sollen jedenfalls die Bürger, die Badnutzer und die, die es wieder werden wollen, sich mit ihrer Sachkenntnis und Kreativität Gedanken über die Gestaltung des neuen Freizeitbades Vegesack machen. In gewissen Grenzen: Man könne nicht alles abreißen. Die Beckentiefen heute seien eine Begrenzung so wie die Hallenbreiten und Hallenhöhen, sagt Martina Baden. Und natürlich gebe es am Ende ein Budget: „Aber die Leute sollen sich das ganze Bad ansehen. Es gibt keine Denkverbote. Und wir versprechen, so viel wie irgend möglich umzusetzen.“

Für das Beteiligungsverfahren haben die Bremer Bäder Jürgen Brodbeck als Moderator gewinnen können. Brodbeck hat schon Bürgerbeteiligungen etwa für das Freibad Blumenthal, das Stadionbad und auch das Horner Bad organisiert. Er betont die Stellung, welche die Ergebnisse aus dem Verfahren haben werden: „Man muss sich klar sein, dass wir hier zusammen nicht nur Maßnahmenvorschläge entwickeln werden. Was da am Ende steht, ist ein echter Forderungskatalog.“ Aus der Erfahrung denkt er, dass man sich vielleicht auf zehn Punkte einigen kann, die am Ende aus dem Beteiligungsverfahren in die tatsächliche Bauplanung einfließen können. Und das sei nicht wenig und lohne den Aufwand.

Die Bürgerbeteiligung läuft auf drei Schienen. Der einfachste Weg für Bürger, sich in den Planungsprozess einzumischen, sind Karten. Auf den Vordrucken kann jeder knapp mitteilen, was einem am Bad gefällt und erhalten bleiben soll, was bei der Neugestaltung das Wichtigste ist und welche Wünsche man hat. Noch ein Kreuzchen hinter Mädchen/Frau oder Junge/Mann und eine Altersangabe – und die Karte kann im Bad in den roten Briefkasten im Foyer geworfen werden.

Ein weiterer Weg ist der Klick ins Internet unter www.bb-bauen.de/vegesack. Dort wird das ganze Beteiligungsverfahren im Detail erläutert. Darüber hinaus findet sich hier eine Grafik mit einem Grundriss der ganzen Anlage. Aus dieser Grafik lässt sich entnehmen, wo im Bestand nur kleine Arbeiten erfolgen sollen – etwa beim Solebecken, dem Lernbecken und dem Bereich unter dem Foliendach sowie beim Fitnessklub. Blau unterlegt ist der gesamte Freibadbereich bis nördlich hinter das Solebecken für die komplette Neuplanung. Grün unterlegt sind die Bereiche für eine Sanierung. Das betrifft den hinteren Eingangsbereich, das große Hallenbecken und den Büro- und Techniktrakt. Lila steht für Neugestaltung und da sollen die Gastronomie, der Saunabereich und das Foyer unter die Lupe genommen werden. Alle Ideen und Anregungen lassen sich dann online abschicken.

Der dritte Weg läuft über insgesamt fünf Veranstaltungen: Los geht es mit einem offenen Auftakttreffen am Donnerstag, 30. August, ab 18.30 Uhr im Ortsamt Vegesack und einer ebenfalls offenen Schwimmbad-Planungsparty am Sonntag, 9. September, von 13 bis 18 Uhr im Bad. Die Party soll besonders Kinder und Jugendliche anlocken. Dann ist ein Workshop für Senioren und Menschen mit Beeinträchtigungen am Dienstag, 11. September, von 11 bis 13 Uhr im Bad geplant. Einen Workshop für Kursteilnehmer soll es am 12. September von 10 bis 12 Uhr im Bad geben.

Die Onlinebefragung endet am 30. September. Danach wertet Moderator Jürgen Brodbeck die Vorschläge aus. Am Tag des Votums am Sonnabend, 20. Oktober, haben dann alle im Ortsamt die Möglichkeit für eine letzte Bewertung der Ideen. Dann müssen ganz schnell Architekten ran. Das ehrgeizige Ziel ist, noch vor der Wahl in 2019 politische Beschlüsse für die Neubauplanung zu haben. Heiko Dornstedt: „Wir müssen da in Vegesack einen gewissen Druck ausüben.“

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