IG Metall plant Aktionen

Bremer Industrie unter Druck

Die IG Metall sorgt sich um die Arbeitsplätze in der Industrie. In Bremen wird eine Aktionswoche für die Mitarbeiter von Mercedes, Airbus, Thyssen-Krupp, dem Stahlwerk und von den Zulieferern veranstaltet.
22.06.2020, 05:00
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Bremer Industrie unter Druck
Von Lisa Boekhoff
Bremer Industrie unter Druck

An diesem Montag ist der Auftakt der Aktionswoche der IG Metall bei Mercedes. Hier gibt es eine gute Nachricht: Die Kurzarbeit im Werk soll Ende des Monats enden.

Mercedes-Benz AG

Die IG Metall Bremen blickt angesichts der Auswirkungen der Krise besorgt auf die hiesige Industrie. Schon jetzt gebe es weitreichende Umstrukturierungsprogramme in den Konzernen, die weit über Corona hinausgehen. „Diese Entwicklung wird auch Bremer Betriebe betreffen“, teilte die Gewerkschaft mit. In den kommenden Wochen und Monaten seien Konflikte um Einkommenseinbußen, Verlagerungen und Personalabbau bis hin zu Standortschließungen zu erwarten.

Generell sei es nun wichtig, die Unternehmen in der Krise zu unterstützen, um Arbeitsplätze sowie Standorte zu sichern und für die Zukunft aufzustellen, sagt IG-Metall-Geschäftsführerin Ute Buggeln. Dafür gebe es viele Möglichkeiten und auch Fördertöpfe. „Das ist immer unser Fokus: Wir wollen Beschäftigung erhalten.“ Es sei aber zu befürchten, dass Unternehmen die Gelegenheit nutzten, um Personal abzubauen und Kosten zu sparen.

Bis zu 20.000 Arbeitsplätze gefährdet

Die IG Metall Küste plant in Bremen und den anderen Küstenländern in diesen Tagen Aktionen in den Betrieben. Zwar sei es bisher gelungen, den massiven Einbrüchen in der Wirtschaft wegen der Pandemie zu begegnen. Die Gewerkschaft rechnet dennoch mit Folgen: Wegen der Krise wackelten etwa 15.000 bis 20.000 Arbeitsplätze in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie.

Der Auftakt der Aktionswoche in Bremen findet im Werk von Mercedes statt. Am Standort gibt es derzeit Unmut. Engpässe in der Verwaltung und Kurzarbeit führten dazu, dass die Belegschaft in den vergangenen Monaten bei Fragen nicht immer direkt Hilfe bekam. „In der Zeit der Krise war es sehr schwer, jemanden zu erreichen“, sagt Betriebsratschef Michael Peters. Eine Hotline habe nicht zuverlässig funktioniert. „Dann wird es irgendwo schräg.“ Die Kollegen wollten mit Menschen vor Ort über Altersteilzeit oder Entgeltabrechnungen sprechen. Dafür sei immer weniger Personal vorgesehen. „Es gibt die Ansprechpartner nicht mehr“, sagt auch Marcus Keunecke, der Vertrauenskörperleiter der IG Metall im Werk. Schon vor Corona hatte Daimler einen Stellenabbau in Bereichen wie der Verwaltung angekündigt. „Wir vermuten, dass der Druck auf die Belegschaft durch Corona größer werden wird“, sagt Peters dazu. Die Position des Betriebsrats sei klar: „Wir brauchen hier jeden Menschen.“

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Das „Handelsblatt“ berichtet, dass der Betriebsrat von Daimler vor Einschnitten auch in der Produktion warnt – je nach Entwicklung der Nachfrage – und beruft sich auf ein entsprechendes Flugblatt an die Belegschaft. Peters geht mit Blick auf neue Modelle wie die C-Klasse davon aus, dass sein Werk nicht betroffen sein kann: „Ausgeschlossen. Ein Abbauprogramm in der Bremer Produktion ist für mich nicht vorstellbar.“ Im Flugblatt soll es zudem um Pläne des Vorstands gehen, Strukturen zu verschlanken. Daimler teilt auf Anfrage mit, Ziel sei es, mit zukunftsfähigen Produkten die Wettbewerbsfähigkeit weiter zu steigern. „Daher prüfen wir kontinuierlich, wie wir Kosten sparen, Synergien nutzen und noch effizienter werden können.“ Die Mitarbeiter sind bis Ende 2029 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt.

Wenngleich die Arbeitszeiten in Bremen noch nicht dem vorherigen Niveau entsprechen, kehrt Normalität ins Werk zurück: „Am 28. Juni ist der letzte Tag der Kurzarbeit“, so Peters. „Dann sind hier wieder alle Menschen an Bord.“ Im Bremer Stahlwerk von Arcelor-Mittal soll dagegen, wie berichtet, in dieser Woche die Verlängerung der Kurzarbeit bis Ende des Jahres beschlossen werden.

Krisenmodus bei Thyssen Krupp System Engineering

Ein Aktion der IG Metall ist auch bei Thyssen-Krupp System Engineering in Bremen-Nord geplant. Im vergangenen November hatte man sich hier auf ein Restrukturierungsprogramm und einen Stellenabbau geeinigt. Der Konzern will sich jetzt aber vom Standort trennen, erwägt eine Partnerschaft oder den Verkauf. Die Pläne für die Produktion in Farge sahen vor, sich auf die Montage von Antriebssystemen für E-Motoren zu spezialisieren. Wie im Stahlwerk verschärft bei Thyssen-Krupp System Engineering die Krise die Probleme für das Unternehmen: durch den Einbruch der Automobilindustrie.

Am Dienstag steht in der Aktionswoche unter dem Motto „Wenn wir zusammenhalten, ist alles möglich“ Flugzeugbauer Airbus im Fokus. Der Konzern habe bereits weitere Stellenstreichungen angekündigt, sagt die Bremer IG-Metall-Chefin Buggeln. Es sei europaweit von mindestens 10 000 Arbeitsplätzen die Rede, konkrete Zahlen sollen Ende des Monats vorliegen. „Es ist jetzt die Frage: Welchen Standort trifft es wie hart?“ Im Juni verloren 1100 Leiharbeiter von Airbus in Hamburg, Buxtehude, Stade und Bremen ihre Stellen.

Die IG Metall Küste sorgen neben Flugzeugbau und Autoherstellung auch die Werften sowie die vielen Zulieferbetriebe. Nach einer Umfrage der Gewerkschaft bei 650 Betrieben hätten rund 70 Prozent Kurzarbeit beantragt oder planten dies demnächst.

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