Helgard Warns leitet seit 30 Jahren die Galerie Brunnenhof im St.-Joseph-Stift

Ihr zweites Zuhause

Helgard Warns leitet seit 30 Jahren die Galerie Brunnenhof im St.-Joseph-Stift. In dieser Zeit organisierte die Obervielanderin bis heute 150 Ausstellungen.
22.03.2018, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Kerstin Thompson
Ihr zweites Zuhause

Die Obervielanderin Helgard Warns hat ein Faible für Kunst und Kinder und engagiert sich seit Jahren dafür im St.-Joseph-Stift.

PETRA STUBBE

Obervieland/Schwachhausen. Weil sich Helgard Warns 1988 darüber geärgert hatte, dass der Gang vor der Augenklinik im Erdgeschoss im St.-Joseph-Stift gar nicht genutzt wurde und so „trostlos aussah“, hat sie sich ans Herz gefasst und Jürgen Scholz darauf angesprochen. Und der damalige Krankenhausdirektor war offen für ihre Ideen. Das war der Anfang für die Galerie im Brunnenhof, für die Helgard Warns inzwischen seit 30 Jahren als Kuratorin wirkt. Seit 38 Jahren ist Warns, die in Obervieland lebt, schon im St.-Joseph-Stift tätig, zuerst als Bibliothekarin für Medizin – und so eine der Mitarbeiterin, die am längsten dabei ist.

Als erstes Ausstellungsprojekt verschönerten Bilder des Bremer Bürgerparks die kahlen Wände des Ganges, wo einstmals der historische Brunnen stand und somit Namenspate für die Galerie Brunnenhof geworden ist. Helgard Warns war auf diesen Gedanken seinerzeit anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Bürgerparks gekommen. Sie wollte nach eigenen Worten gerne auch im St.-Joseph-Stift einen Ableger haben. Parallel zu den Jubiläumsfeierlichkeiten der Grünanlage stellte Warns in der Galerie Brunnenhof eine Fotoausstellung mit alten Plänen und Fotos zusammen, die sie im Archiv des Bürgerparks herausgesucht hatte. Die Schau wurde ein großer Erfolg.

Bald darauf präsentierte Helgard Warns die nächste Ausstellung, diesmal über die Wümme-Niederungen. Denn dort ist sie auch privat gerne unterwegs. „Ich liebe die Wiesen rund um Bremen in Richtung Fischerhude“, erzählt sie.

Begegnung mit Drehbuchautor

Auf die ersten Foto-Ausstellungen folgten dann 1990 Skulpturen und Zeichnungen von Susanne Pikullik-Bastian. Danach präsentierte die Obervielanderin „Die seltsame Reise des Seglers „Herbert“ von 1914 bis 1921. Diese Ausstellung bestand aus Fotos ihres 1899 geborenen Schwiegervaters Hans Warns, der als Seemann seine Erlebnisse an exotischen Plätzen der Welt bis zu seinem Tod 1993 in Fotos und Schmalfilmen festgehalten hatte. „Er hat sich als Teenager für fünf Goldmark eine Kamera auf der Reise gekauft und sich das Fotografieren auf hoher See selbst beigebracht“, berichtet Helgard Warns. Diesen Fundus entdeckte sie aber erst zwei Jahre vor dessen Tod. Diese Bilderausstellung war ein so großer Erfolg, dass sie durch andere Städte wanderte, unter anderem auch Hamburg. Dort sah sie 1994 zufällig der Film-Regisseur und Drehbuchautor Gordian Maugg. Die Bilder und Filmaufnahmen begeisterten ihn so sehr, dass er einen Kinofilm über den Segler herausbrachte. „Der Film wurde sogar auf der Berlinale gezeigt“, erzählt Helgard Warns.

Familie ist der Obervielanderin besonders wichtig. Helgard Warns hat selbst zwei erwachsene Töchter und einen Sohn sowie sechs Enkelkinder im Alter von neun bis 20 Jahren, die ihr sehr am Herzen liegen. Aber sie denkt nicht nur an die eigenen Kinder. Warns hat zur Weihnachtszeit im St.-Joseph-Stift 2013 in Kooperation mit der Caritas den Wunschbaum für benachteiligte Kinder eingeführt. „An ihm baumeln 100 Postkarten“, erzählt sie, „die wir dort anbringen.“ Darauf notieren die Kinder einen Weihnachtswunsch. Engagierte Mitarbeiter des Krankenhauses und Besucher nähmen die Karten ab, um anonym die Wünsche zu erfüllen. Diese Aktion mache sie glücklich, sagt Helgard Warns.

Was hat sie besonders berührt in ihrer langen Zeit als Ausstellungskuratorin und Angestellte im St.-Joseph-Stift? Eine Ausstellung 1993 mit dem Titel „Leuchtspuren“ von Rotraud Keuneke (1923-2001). Ein Kunstpädagoge wies sie auf die behinderte Künstlerin hin, erzählt Helgard Warns, die er gefördert hatte, nachdem er ihre bunten Filzstiftzeichnungen an Haltestellen entdeckte. Deren abstrakte und verträumte Arbeiten auf Papier, von denen heute noch zwei im St.-Joseph-Stift zu finden sind, kamen beim Publikum sehr gut an.

Bis heute ist Warns von den „Leuchtspuren“ der Künstlerin berührt. Wenn sie davon spricht, wird das spürbar. Während der Ausstellung gab es zwei bewegende Vorfälle: „Zum einen das Verschwinden des Gästebuchs, das gut verkettet an dem Brunnen befestigt war, und nach dem Eröffnungswochenende spurlos verschwand. Bis heute ist es nicht wieder aufgetaucht.“ Selbst ein Aufruf im WESER-KURIER hatte nicht geholfen. Seitdem gibt es im St.-Joseph-Stift kein Gästebuch mehr.

Und der zweite Schreck: „Wie versteinert war ich, als ich in der Halbzeit der Ausstellung nach dem Wochenende plötzlich sah, dass all ihre Bilder zerschmettert am Boden lagen“, hat Helgard Warns sofort wieder das Bild vor dem inneren Auge, das sich vor ihr damals auftat. „So was hatte ich dort noch nie erlebt! Wir haben die Bilder mit Handwerkern erneut aufgehängt, zum Glück waren diese unbeschädigt“, berichtet die Ausstellungskuratorin. Das sei für alle im St.-Joseph-Stift ein Schock gewesen.

Die Kunst der „Makonde“

Besonders erwähnenswert ist für Helgard Warns auch die Kunst der „Makonde“, an die sie Ende der 90er-Jahre durch Zufall geriet. Eigentlich wollte sie nur ein paar dieser eindrucksvollen Skulpturen aus Holz ausstellen, sagt sie, hätte aber plötzlich die gesamten 2000 „Makonde“-Exponate der Pfarrgemeinde Sorsum an der Backe gehabt. Diese hätte ihre das Bistum Hildesheim überantwortet mit der Bitte, sie zu verkaufen und den Reinerlös nach Tansania zu überweisen. Auch das managte die dreifache Mutter: Die Ausstellung von November 1996 bis Februar 1997 erbrachte 80 000 Deutsche Mark für ein Krankenhaus, einen Krankenwagen sowie Unterricht für Frauen in Tansania.

Seit Jahrzehnten wird Warns künstlerisch von Ralf Schneider beraten, ehemaliger Sprecher der Kunsthochschule Bremen. Beide haben 1994 zusammen das Buch „Das St.-Joseph-Stift in Bremen – von der Privatheilanstalt zum leistungsfähigen Krankenhaus der Gegenwart“ zum 125-jährigen Bestehen der Klinik herausgebracht. Auch dazu gab es Ausstellung. Die historischen Ansichten aus den Anfängen der Klinik sind noch heute auf einigen Fluren zu sehen. Außerdem hat die Obervielanderin vor 29 Jahren die Mitarbeiterzeitung „St. Joseph“ gegründet, die dreimal im Jahr erscheint. Helgard Warns freut sich, dass sie nach ihrer Pensionierung und als ihr Mann vor acht Jahren verstarb, vom Geschäftsführer Torsten Jarchow gesagt bekommen hat, dass sie im St.-Joseph-Stift bleiben könne, bis Sie hundert sei. Sie habe dort immer ein Zuhause. „Das ist auch wie mein zweites Zuhause!“, sagt sie.

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