Erfolgreiche Frauen an der Schule

Ihre Beispiele machen Mut

Sechs beruflich erfolgreiche Frauen sind beim Projekt „Klasse-Frauen: Lernen mal anders“ in der Aula der Oberschule Eggestedter Straße dabei – und faszinieren Mädchen wie Jungen.
08.03.2018, 17:53
Lesedauer: 3 Min
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Von Volker Kölling
Ihre Beispiele machen Mut

In den Klassen sprechen die Frauen mit Schülerinnen und Schülern.

Volker Kölling

Blumenthal. Dreißig im Beruf erfolgreiche Frauen besuchen in ganz Bremen 38 Klassen. Ihr Auftrag: Erstens, von ihren Lebenswegen hinein in spannende Berufe erzählen. Und zweitens Mädchen dazu motivieren, sich ihren Traumjob auch zuzutrauen. Sechs solcher Frauen sind beim Projekt „Klasse-Frauen: Lernen mal anders“ in der Aula der Oberschule Eggestedter Straße dabei – und faszinieren auch die Jungen.

Schulleiter Andreas Kraatz-Röper ist zunächst sichtlich stolz auf die Arbeit von Ruben Wiesner und Yunus Dikici aus der neunten Jahrgangsstufe. Die beiden Techniktüftler haben in recht kurzer Zeit einen ziemlich beeindruckenden Film zum Weltfrauentag hinbekommen, in dem sie Pia und Jana aus der 12. Klasse zu Themen wie gleicher Bezahlung bei gleicher Arbeit interviewen. Auch alle Teilnehmerinnen am Podium werden schon mit kurzen Steckbriefen vorgestellt.

Bremens Frauenbeauftragte Bettina Wilhelm ist begeistert über die perfekte Vorlage für das Klasse-Frauen-Projekt. Schon vorher im Schulleiterbüro hat sie erklärt, warum es so wichtig ist, Mädchen Mut zu machen aus den scheinbar vorgegebenen Grenzen bei der Berufswahl auszubrechen: „Ein Drittel aller Mädchen geht immer noch in nur zehn Berufe – und lässt sich so in der Berufswahl total beschränken.“ Mit dem Format „Klasse-Frauen“ will die Bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau – ZGF - Barrieren in den Köpfen der Mädchen kippen, indem sie starke Frauen als Vorbilder in den Klassenraum bringt.

Bettina Wilhelm weiß dabei, dass sie es im Kampf gegen Fernsehen à la „Germany's Next Top Model“ oder „Bachelor“ schwer hat: „Wir reden in Deutschland inzwischen von 700 000 Fällen von Essstörungen als ernst zu nehmende Krankheit, durch die es zu Todesfällen kommt. Und man kann diese Fälle inzwischen in direkte Verbindung mit der „Topmodel“-Sendung bringen.“

Wie das es funktioniert, sich selbst anzunehmen, zeigen die Frauen vorne am Podium in der Aula ziemlich lebhaft: Weltraumexpertin Christiane Heinicke hat mit einer Crew abgeschirmt wie echte Astronauten auf einer Marsmission gelebt und schaut in große Augen der Jugendlichen, als sie über Konfliktbewältigung im Mars-Stil erzählt: „Auf dem Mars kommt man nicht voneinander weg und kann sich aus dem Weg gehen. Da muss man seinen Streit grundsätzlich friedlich lösen.“

Rubina Ordemann plädiert dafür, nicht automatisch auf hohe Studientitel zu schielen, um etwas zu erreichen und gutes Geld zu verdienen. Die Geschäftsführerin des Fortbildungsinstitutes der Zahnärztekammer Bremen hat selbst Zahnarzthelferin gelernt und sich nach ein paar Jahren in der Praxis Stück für Stück bis zur Chefin weiterentwickelt: „Jeder kann alles schaffen und erreichen“, lautet ihr Mutmacher-Satz des Vormittages.

Bei Miriam Rudnitzki fällt auf, was für eine gute Ansprache sie gegenüber den Jugendlichen findet. Die heutige Geschäftsführerin von Aljo Aluminium-Bau in Berne hatte selbst sogar schon eine Tochter an der Egge und erzählt von ihrer High-School-Zeit in den USA nach der Realschule in Deutschland. Danach machte es bei ihr irgendwie Klick und sie startete durch bis in die Vorstandsetagen von Konzernen wie Daimler-Chrysler. Sie lobt die Kids dafür, wie reflektiert viele von ihnen heute seien: „So weit war ich in eurem Alter noch nicht.“ In den USA, weiß sie heute, wurde sie aus ihrer „Komfortzone“ gerissen und musste selbst klarkommen: „Ich habe gelernt, dass man eine echte schlechte Zeit im Leben haben kann. Aber ich habe auch gelernt: Man kommt da wieder heraus.“ Über einhundert Schüler spenden den Frauen immer wieder echten Applaus.

Dann geht es in die Klassen: Die Luft- und Raumfahrtingenieurin Anna Metz erzählt von ihrem Berufswunsch Astronautin und wie sie beim Satellitenbauer OHB schon als Studentin beschäftigt war. Annabel Oelmann von der Bremer Verbraucherzentrale hat dagegen nur Jungs in ihre Runde gelockt. Dabei geht es gar nicht um Finanzthemen, Handyverträge oder Tests der Stiftung Warentest. Stattdessen erzählt Annabel Oelmann von ihrer Arbeit vor Kameras und Mikros als menschliches Aushängeschild der Verbraucherzentralen in den Medien: „Ich bin in meinem Traumjob gelandet. Nirgendwo sonst hätte ich mit der mir angeborenen großen Klappe so viel erreichen können für eine gute Sache. Und auch ihr könnt etwas erreichen, wenn ihr euch nur traut.“ Und das Versprechen finden dann eben auch Jungs genauso gut wie Mädchen.

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