Verwandte und Freunde eingespannt

Der Bremer Verein Iktib hilft Notleidenden im Irak

Der Bremer Verein Iktib organisiert medizinische Hilfe für Kriegsopfer aus dem Irak und setzt damit das Wirken des Orthopäden Suham Abid fort. Die Aktiven wollen künftig auch Bildungsprojekte unterstützen.
11.05.2020, 20:10
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Der Bremer Verein Iktib hilft Notleidenden im Irak
Von Frauke Fischer
Der Bremer Verein Iktib hilft Notleidenden im Irak

Kinder in einer Notunterkunft in der Nähe von Ramadi, wo die Organisation Qalam Schulmaterialien an die Mädchen und Jungen verteilt.

Privat

Vor allem ihre Verwandten und Freunde im Irak haben die bei ­Iktib aktiven Bremerinnen und Bremer mit irakischen Wurzeln in ihre Vereinsarbeit eingebunden. Das gilt in der durch Corona weltweit noch schwieriger werdenden Situation auch in dem Herkunftsland ihrer Familien. Das gemeinsame Engagement in diesem Verein für humanitäre Hilfe und Kulturaustausch geht auf die private Initiative eines einzelnen Menschen zurück: das Wirken des Arztes Suham Abid.

Dieser studierte zunächst bis Mitte der 1970er-Jahre in Hamburg Medizin. Später praktizierte er viele Jahre in einer orthopädischen Praxis in Weyhe. Bereits dort kümmerte sich Suham Abid ehrenamtlich um Kriegsopfer aus seinem Geburtsland und anderen Staaten des Nahen Ostens, die für eine bessere medizinische Versorgung nach Deutschland kamen. All das berichtet seine Tochter Dalia Abid. Sie hat zur besseren Organisation der verschiedenen Hilfen im September 2018 den Verein Iktib gemeinsam mit anderen Bremerinnen und Bremern an den Start geschickt.

Lesen Sie auch

Viele seiner hiesigen Arztkollegen und Freunde engagieren sich lange schon mit ­Suham Abid vor allem für jene Irakerinnen und Iraker, die in ihrer Heimat immer wieder unter Kriegen und anderen großen Krisen leiden. So hat der Facharzt für Orthopädie bis 2011 in der Weyher Gemeinschaftspraxis Kriegsopfer behandelt und auch in anderer Weise unterstützt. Von 2015 bis 2019 führte er die Hilfe in seiner Privatpraxis in der Bremer Innenstadt fort, erzählt seine Tochter.

Die Unterstützer aus Bremen und der Umgebung sollen zukünftig vor allem Menschen im Zentral- und Südirak helfen, informiert Dalia Abid. Dort sehen die Iktib-Aktiven derzeit ihren Aufgabenschwerpunkt. Vielen Menschen dort gehe es sehr schlecht, sagt sie. „Der Nordirak hat eine bessere Infrastruktur und bekommt auch schon anderweitig Hilfe.“

Die Menschen im Zentral- und Südirak zu unterstützen, würde durch den Verein erleichtert, sagt die Bremerin mit irakischen Wurzeln, die eine deutsche Mutter hat, die Heimat ihres Vaters von Familienbesuchen kennt und das Werk ihres Vaters gern fortführen möchte. Doch auch ihr Vorhaben wird durch die Corona-Pandemie blockiert. Es könnten nun beispielsweise keine Spenden von medizinischen Hilfsgütern in den Irak ermöglicht werden, berichtet sie.

Spendenwunsch für Orthopädische Hilfsmittel

Orthopädische Hilfsmittel würden aber im Irak dringend gebraucht, weiß Dalia Abid. Damit sie solche Hilfen nach der Krise so schnell wie möglich wieder voranbringen kann, wünschen sie und ihre Mitstreiter sich weiterhin Spenden. Iktib möchte weiter als kleiner Kooperationspartner der in Bagdad beheimateten Nichtregierungsorganisation Qalam tätig sein, betont Dalia Abid. Denn die würde mit Unterstützung aus Norddeutschland dafür sorgen, dass irakische Kriegsopfer, gerade Kinder, in hiesigen Krankenhäusern operiert oder auf andere Weise versorgt werden könnten. Vieles sei im Irak nicht möglich.

Das Engagement von Iktib bezieht sich nicht nur auf den Gesundheitsbereich, erläutert die Deutsch-Irakerin. So wolle man zudem eine mobile Schule im Irak ermöglichen, damit Kinder gerade in kleinen Städten und Dörfern regelmäßig unterrichtet werden. Durch das Lernen von Lesen und Schreiben soll Kindern eine bessere Bildung und berufliches Weiterkommen erleichtert werden. Das hat, so die Bremerin, einen hohen Stellenwert für Iktib und Qalam, die irakische Organisation For Sustainable Development“, also für nachhaltige Entwicklung.

Chancengleichheit durch Bildung

Das Lernen und die Weiterbildung seien auch Möglichkeiten gegen die Hoffnungslosigkeit und die Ängste vieler Iraker. „Positiv motivierte Zukunftsgedanken wollen wir fördern“, erklärt Dalia Abid, indem Chancengleichheit durch Bildung ermöglicht werde. Dafür müssten aber lokale Gegebenheiten und kulturelle Unterschiede im Land ihrer Vorfahren berücksichtigt werden. So hat ­Iktib nach den Erzählungen der engagierten Frau ein funktionierendes Netzwerk mit NGOs, Menschenrechtlern, aber auch mit Journalisten, Autoren und Künstlern im Irak geschaffen.

„Darauf können wir bauen“, sagt sie. In Bremen gibt es ihren Berichten nach außerdem das Angebot, vielen arabischen Flüchtlingen beim Ankommen in Europa zu helfen, wenn es etwa um Bürokratie und ­Integration geht. In Deutschland würden Workshops ermöglicht, damit die Neubürger die Sprache lernen können. Auch Musik zu machen und anderweitig kreativ zu werden, halten die Bremerinnen und Bremer um ­Dalia Abid für förderlich – und zwar für beide Seiten.

Weitere Informationen

Wer den Verein Iktib personell oder finanziell unterstützen möchte, kann sich an Dalia Abid wenden, die per E-Mail an kontakt@iktib.de ­erreichbar ist. Mehr Informationen gibt es ­online unter www.iktib.de.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+