Soziale Initiative Bremen Ost bietet seit 35 Jahren benachteiligten Jugendlichen wertvolle Erfahrungen beim Wassersport Im Boot wird Solidarität gelernt

Wer mit einem Boot vorankommen möchte, muss im Team arbeiten, sonst dreht man sich unwillkürlich im Kreis herum. Die Soziale Initiative Bremen Ost verbindet seit 35 Jahren verschiedene Einrichtungen der Jugendhilfe, Jugendförderung und Bildung und geht mit ihnen auf große Paddeltouren durch die Natur. Nun haben die Vereinsmitglieder ihr erstes Aluboot getauft.
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Von Ina Schulze

Wer mit einem Boot vorankommen möchte, muss im Team arbeiten, sonst dreht man sich unwillkürlich im Kreis herum. Die Soziale Initiative Bremen Ost verbindet seit 35 Jahren verschiedene Einrichtungen der Jugendhilfe, Jugendförderung und Bildung und geht mit ihnen auf große Paddeltouren durch die Natur. Nun haben die Vereinsmitglieder ihr erstes Aluboot getauft.

Die Sozialpädagogische Initiative Bremen Ost hat seit 35 Jahren Vereinsgeschichte nun ihr erstes Aluboot auf den Namen „John Silver“ getauft. Den Namen durfte man standesgemäß vor der Taufe nicht sehen und musste daher erst einmal enthüllt werden. „Mögest du immer eine Handvoll Wasser unterm Kiel haben“, sagt Holger Rexin, erster Vorsitzende des Vereins, und verschüttet ordentlich Sekt über das Boot.

Ende der 70er-Jahre haben einige Engagierte versucht, einen Platz im Bremer Osten zu finden, wo sie die vielen jungen Arbeitslosen einbinden konnten. Der Verein wurde zunächst als Förderkreis „Modellvorhaben Jugendwassersport“ von interessierten und engagierten pädagogischen Mitarbeitern verschiedener Einrichtungen der Jugendhilfe, Jugendförderung und Bildung gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern des Förderkreises gehörten damals das Jugendamt Bremen, Jugendschutz/Soziale Gruppenarbeit, Jugendhütte Osterholz, Kinderheim St. Petri, Gesamtschule Bremen-Ost, Kinder- und Jugendpsychiatrie Krankenhaus Bremen-Ost, Bürgerzentrum Neue Vahr, Christus Gemeinde, Bremer Werkgemeinschaft, Bürgerhaus Weserterrassen und die Bremer Sportjugend.

„Wir sind aus dem Bremer Osten heraus gestartet, lassen inzwischen aber auch andere teilhaben“, sagt Klaus Schalow aus Syke. Der Sozialpädagogischen Initiative Bremen Ost, kurz SIBO, gehören aktuell rund 22 soziale Institutionen, Vereine und Schulen aus ganz Bremen an. Laut Torsten Diekmann ist es erstaunlich, wie diese kleine Einrichtung so viele verschiedene Partner und Menschen verbindet. „Der Vernetzungsgedanke ist bei uns groß. Durch die Angebote entstehen einfach andere Kontakte“, sagt Klaus Schalow.

Der Verein wollte über das Medium Bootsbau und Wassersport körperlichen oder psycho-sozial behinderten sowie

sozio-ökonomisch benachteiligten Kindern und Jugendlichen die Eingliederung in einer Gruppengemeinschaft ermöglichen. Damals wollte man vor allem auch handwerklich aktiv werden und Boote selbst bauen.

In den ersten Jahren konnten die Pädagogen der Mitgliedsorganisationen Segelboote und Kanus für eine spannende und pädagogisch wertvolle Arbeit nutzen. Allerdings war die finanzielle Projektförderung zeitlich begrenzt und eine Anschlussfinanzierung war nicht möglich. Daher mussten die kostenintensiven Bereiche wie Bootsbau und die Segelboote eingestellt werden.

Die Mitgliedsorganisationen und deren im Projekt tätigen Mitarbeiter haben sich darauf geeinigt das Projekt auf der Basis einer reinen ehrenamtlichen Tätigkeit und mit geringem finanziellen Aufwand für die Kinder und Jugendlichen weiter zu führen. Der Bootsbestand wurde auf den Besitz von Kanus beschränkt.

Der Verein stellt den Mitarbeitern seine Boote für die pädagogische Arbeit und Freizeitgestaltung zur Verfügung. Gemeinsam mit den Jugendlichen oder Familien gehen sie dann auf die großen Paddeltouren durch Schweden, der Mecklenburgischen Seeplatte oder einfach nur im Bremer Umland.

Die Initiatoren sind der Überzeugung, dass der Wassersport in der freien Natur und das Gruppenerlebnis wertvolle Erfahrungen ermöglichen und wichtige pädagogische Erlebnisfelder bereitstellen. Sie lernen Verantwortung für sich, ihre Gruppe und das Boot zu übernehmen. Darüber hinaus ist Solidarität in einer Gruppe wichtig. „Sie sitzen ja im selben Boot. Ohne Teamarbeit kommen sie nicht ans Ziel“, sagt der Bootswart Klaus Schalow.

Natürlich kommt es schon mal vor, dass übermütige Paddler ihre Grenzen austesten und ordentlich mit den Booten kibbeln, bis sie schließlich im Wasser landen. Das passiert den meisten allerdings nur einmal. Als Paddelanfänger kann es aber auch schon mal sein, dass man von links nach rechts immer in die Böschung fährt. Denn das Lenken will geübt sein. Aus diesem Grund sind die Vereinsmitglieder froh darüber, nun ein stabileres Aluboot in ihrer Ausstattung zu haben. „Aluboote halten eigentlich ewig, wenn man sie gut pflegt“, sagt Klaus Schalow.

Das neue Boot haben sie sich über Jahre hinweg selbst zusammen gespart. Inzwischen stehen den Vereinsmitgliedern zehn Boote überwiegend aus Kunststoff zur Verfügung.

Bei den verschiedenen Touren steht neben dem sorgsamen Umgang miteinander und mit den Booten, natürlich auch die Natur im Vordergrund. „Sie lernen, sich sozial zu verhalten. Jeder hat seine Aufgabe“, sagt Hannes-Werner Voss aus Horn-Lehe. Denn in Schweden gibt es beispielsweise keine festen Campingplätze. Die Jugendlichen müssen selbst ihr Lager aufbauen, Essen zubereiten und sich mit Spezialseife im See waschen. „Die Erlebnisse in der Natur wirken positiv und motivierend“, sagt Voss.

Der Reiz am Wassersport liegt laut den Vereinsmitgliedern vor allem auch in der Besonderheit, dass man das nicht jeden Tag macht. Das jährliche Budget des Vereins beläuft sich auf gerade einmal 2000 Euro, finanziert durch die Mitgliedsbeiträge, Nutzungsgebühr bei Fremdnutzung und einem Zuschuss der Stadt Bremen.

Für die Zukunft wünscht sich der Verein weitere Aluboote – und dass sie sich keine Sorgen über die Kosten machen müssen. Daher sind Spenden willkommen. Spendenkonto der SIBO Bremen bei der Sparkasse Bremen, IBAN: DE0829050101001012681.

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