Konzept der Bremer Stadtreinigung

Pläne für Recyclinghöfe stoßen auf geteiltes Echo

Nun hat die Bremer Stadtreinigung ihre Pläne für die Zukunft der Recyclingstationen vorgestellt. Die Pläne für die Umstrukturierung der Abfallhöfe stoßen im Südosten auf ein geteiltes Echo.
30.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Pläne für Recyclinghöfe stoßen auf geteiltes Echo
Von Christian Hasemann

Nun ist die Katze aus dem Sack: In der vergangenen Woche hat die Bremer Stadtreinigung (DBS) ihre Pläne für die Zukunft der Recyclingstationen in Bremen vorgestellt. Im Bremer Südosten bedeutet das in weiten Teilen einen Ausbau, aber in einigen Bereichen auch eine Einschränkung.

In den vergangenen Monaten ist viel über die Pläne der Bremer Stadtreinigung spekuliert worden. Von einer Reduzierung der Anzahl der Recyclingstationen bis zu modernen Neubauten reichten die Vermutungen, die sich nun mit dem veröffentlichten Plänen in gewisser Weise bestätigen. Schon länger bekannt ist, dass es einen Neubau einer modernen Recyclingstation in Osterholz geben wird. Dieser ersetzt die geschlossene Station am Weserpark. Schon angegangen ist der Umbau des Recyclinghofes in der Bennigsenstraße, später soll ein Neubau folgen. Damit liegen künftig die größten und modernsten Wertstoffhöfe Bremens im Stadtbezirk Ost. Dazu soll noch eine modernisierte Station in Oberneuland mit erweiterten Öffnungszeiten kommen.

Reduzierte Zeiten in Hemelingen

Die Neu- und Ausbauten sind aber nur eine Seite der Medaille, auf dem Revers steht allerdings auch, dass einige Stationen ihr Angebot und ihre Öffnungszeiten einschränken werden – im Sprachduktus des derzeitigen verlängerten „Lockdowns light“ sozusagen ein „Geschlossen light“.

Zu diesen Stationen gehört auch die Recyclingstation Hemelingen. Künftig, wenn die Pläne so umgesetzt werden, wie sie nun bekannt wurden, soll diese Station, wie auch sieben weiteren Stationen in Bremen, vornehmlich der Annahme von Grünabfällen dienen, auch wenn die DBS betont, dass auch andere Dinge, zum Beispiel Kleinelektrogeräte und Textilien, dort weiter abgegeben werden können. Nur: Im Winter fällt kaum Gartenabfall an, daher möchte die DBS die Öffnungszeiten auf die Zeit zwischen März und November begrenzen, in den Wintermonaten dagegen sollen sie geschlossen bleiben. Bis es so weit ist, wird es allerdings noch dauern: Erst Ende 2022 soll die Station zu einer sogenannten Grün-Station umgewandelt werden.

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An der Hemelinger Recyclingstation, die zu den kleineren Wertstoffhöfen Bremens gehört, sind diese Pläne bei den Kunden noch nicht im Detail bekannt. Viele Kunden kommen an diesem Morgen aus entfernteren Ortsteilen Hemelingens. Darunter ist auch Brunhilde Kolf aus Arbergen. Sie sei mit der jetzigen Situation in Hemelingen ganz zufrieden. Über die Pläne, das Angebot einzuschränken, sagt sie: „Gut finde ich das nicht, denn wir sind fast jede Woche hier.“ Nach der Schließung der Recyclingstation am Weserpark sei einzig der Wertstoffhof in Oberneuland eine Alternative für sie. „Aber in Oberneuland ist es zurzeit schlimm“, sagt Kolf, während sie Pappe und Abfall für den Gelben Sack aus ihrem Kombi räumt. Sie spielt damit darauf an, dass seit der Schließung der Anlage im Weserpark, viele Kunden die Station in der Rockwinkeler Landstraße anfahren.

Ähnlich geht es Familie Hübner. Diese entsorgt einen großen Berg alter CDs und DVDs in einem bereitgestellten Container. Für die Familie ist klar, dass die Recyclingstationen weiter wohnortnah mit einem umfassenden Angebot aufgestellt sein sollten. „Es ist schön, wenn es kleine Stationen gibt, denn wir haben kein Auto“, sagt die Familie aus Mahndorf.

Umweltschützer gegen Pläne

Der BUND Bremen hat in einer Pressemitteilung die geplanten Änderungen kritisiert. Zwar begrüßt der BUND Erweiterungen und Modernisierungsmaßnahmen an einem Teil der Anlage, fordert aber, dass die Bremer Stadtreinigung das Angebot an anderen Standorten nicht einschränkt. „Wertstoffrecycling gewinnt eine immer größere Bedeutung in der Abfallwirtschaft“, sagt BUND-Geschäftsführer Martin Rode. Die wochenlange Schließung von Stationen in der Corona-Zeit habe das Problem der illegalen Müllablagerung verstärkt. Tatsächlich gab es auch in Hemelingen massive Beschwerden über illegale Müllentsorgung an Container-Stationen, insbesondere nicht geleerte Textilcontainer sorgten bei Bevölkerung und Beirat für Unmut.

Die massive Ausdünnung von Öffnungszeiten an knapp der Hälfte der Stationen und winterliche Vollschließungen würden das Anfahren mit Autos an anderen Stationen begünstigen, so der BUND in der Presseerklärung. Die Nahversorgung für Radfahrer und Fußgänger würde darunter leiden. Damit deckt sich die Einschätzung des BUND mit der von Familie Hübner.

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Positiv bewertet der BUND, dass mit der Rekommunalisierung die sozialen Standards der Beschäftigten verbessert worden seien und Gebührenstabilität versprochen worden sei. „Und das geht nur, wenn ökologische Leistungen abgebaut werden?“, fragt Rode. In Zeiten von Klimawandel und Rohstoffknappheit müsse es vorbei sein, ökologische Standards herunterzuschrauben. „Da müssen sich die Verantwortlichen andere Lösungen einfallen lassen“, fordert Rode.

Für Ralf Bohr (Grüne), Sprecher des Umweltausschusses im Beirat Hemelingen, stellen sich die Pläne für den Stadtteil als durchwachsen dar. „Wir kriegen in Osterholz und in Hastedt neue Anlagen, das ist eine Entlastung, insbesondere für Mahndorfer und Arberger Bürger.“ Auf der anderen Seite stehe eine Reduzierung im Zentrum des Stadtteils. „Es wäre schön, wenn das Angebot in Hemelingen bestehen bleiben würde.“

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