Fachleute gegen Nager Im Einsatz gegen Ratten

Bremen-Nord. Ratten vermehren sich besonders gut, wenn sie leicht Zugang zu Nahrungsmitteln haben. Deshalb sind sie grundsätzlich dort, wo Müll herumliegt. An 20 Schwerpunktorten in Bremen-Nord bekämpfen Fachleute die Tiere.
25.01.2014, 00:00
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Im Einsatz gegen Ratten
Von Julia Ladebeck

Ratten vermehren sich besonders gut, wenn sie leicht Zugang zu Nahrungsmitteln haben. Deshalb sind sie grundsätzlich dort, wo Müll herumliegt. An 20 Schwerpunktorten in Bremen-Nord bekämpfen Fachleute die Tiere das ganze Jahr über.

Ratten – mit ihren spitzen Schnauzen und langen, nackten Schwänzen sind sie für viele Menschen ein Graus. Dazu gelten sie als Schädlinge und Krankheitsüberträger. Deshalb ist die Aufregung oft groß, wenn die Nager irgendwo gesichtet werden.

Auf privaten Grundstücken ist der Eigentümer für die Bekämpfung zuständig. Betrifft der Rattenbefall öffentliche Flächen, können Bürger sich an das Gesundheitsamt wenden. Mitarbeiter von Fachfirmen stellen dann sogenannte Rattenköder-Stationen auf: Zum Beispiel am Grambker See und im Vegesacker Stadtgarten.

Für öffentliche Flächen ist die städtische Liegenschaftsverwaltung Immobilien Bremen verantwortlich. Hansewasser ist bei der Rattenbekämpfung in Bremen zuständig für den öffentlichen Kanal. „Im Bremer Kanalnetz, speziell in Bremen-Nord, gibt es kein Rattenproblem“, betont Oliver Ladeur, Pressesprecher von Hansewasser, und klärt über einen häufigen Irrtum auf: „Im Volksmund werden die Ratten gern als Kanalratte bezeichnet. Doch diese Spezies gibt es nicht. Bei den sogenannten Kanalratten handelt es sich um Wanderratten.“

Das Unternehmen gehe bei der Rattenbekämpfung punktuell vor. Werde ein Rattenbefall nach einer Kanalinspektion oder durch einen Bürger gemeldet, erkunde ein Mitarbeiter die Situation vor Ort. „Er prüft, ob sich in den Schächten und im Kanal Kot oder angenagte Essensreste befinden. Liegt ein Befund vor, beauftragt Hansewasser eine Spezialfirma“, erläutert Ladeur.

160 Stellen in Bremen

Ausschließlich sachkundige Personen mit spezieller Ausbildung dürfen Rattengifte auslegen. Dadurch sollen negative Auswirkungen auf Menschen, andere Tiere und die Umwelt vermieden werden. „Die Spezialisten legen in den Schächten Giftköder aus, die einen nach dem Tierschutzgesetz zugelassenen Wirkstoff enthalten, der die Blutgerinnung herabsetzt und zeitlich verzögert wirkt.“ Durch die zeitlich verzögerte Wirkung soll verhindert werden, dass die Ratten den Zusammenhang zwischen Nahrungsaufnahme und Tod eines Tieres herstellen können. Die intelligenten Tiere schicken nämlich einen Vorkoster voraus. Würde dieses Tier direkt am Futterplatz verenden, würde keine weitere Ratte von dem Köder fressen.

Ladeur: „Leider ist die Bekämpfung nicht effektiv, wenn den Ratten andere Nahrungsquellen und Unterschlüpfe angeboten werden.“ Zu den Nahrungsquellen gehörten beispielsweise die Speisen-Entsorgung über die Toilette oder den Komposthaufen, aber auch Entenfütterungen und im Freien stehende Haustier-Fressnäpfe. „Ratten bekommen sehr schnell mit, wo es etwas zu fressen gibt“, sagt Ladeur.

An 20 Schwerpunktorten in Bremen-Nord gehen professionelle Schädlingsbekämpfer im Auftrag von Immobilien Bremen das ganze Jahr über gegen Ratten vor. In ganz Bremen sind es 160 Stellen.

Acht Mitarbeiter der Fachfirma Protectis verteilen in den Nordbremer Stadtteilen Rattenköder-Stationen; beispielsweise am Grambker See, im Stadtgarten Vegesack, in der Nähe des Schulschiffs und am Kulturbahnhof in Vegesack sowie an Schulgrundstücken und Kindertagesheimen. Regelmäßig werden die Stationen kontrolliert. „Jetzt im Winter gibt es wieder mehr Ratten, weil die Leute die Vögel füttern“, weiß Protectis-Mitarbeiter Michael Assmann.

Und Protectis-Geschäftsführer Ullrich Limberts erläutert: „Ratten sind grundsätzlich dort, wo viel Müll herumliegt.“ Er versichert, dass die Köder-Stationen so aufgebaut sind, dass beispielsweise Hinde nicht an die Giftköder herankommen können. „An Kindergärten und Schulen verwenden wir Stationen mit einem zwei-Kammer-System, die noch eine zusätzliche Sicherheitsstufe haben. Selbst wenn jemand versuchen würde, den Köder mit einem Stock herauszuangeln, kommt er nicht heran.“

Rattenbefall auf öffentlichen Flächen, kann an das Gesundheitsamt gemeldet werden, Telefon 0421/36115551.

Tipps zur Vermeidung von Rattenbefall

  • Küchenabfälle nicht über die Kanalisation entsorgen.
  • Lebensmittel nur über den Hausmüll entsorgen, nicht in offenen Komposthaufen.
    • Gelbe Säcke erst zum Abholtermin rausstellen.
  • Lagerung von Abfall und Sperrmüll über längere Zeit vermeiden (Nistmöglichkeit).
  • Füttern von Tauben und Enten unterlassen, da Futterreste Ratten anziehen.
  • Baumängel wie Türspalten beseitigen, Kellerfenster und Schächte vergittern.
  • Rückschlagklappen in Abflusssysteme einbauen.
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