IM GRÜNEN BEREICH

Als Sabine unseren Strandkorb zerlegte

Vier Jahre lang ist die Kolumne „Im grünen Bereich“ im WESER-KURIER erschienen. Nun gibt es neue Folgen. Im dritten Teil fegt Sturmtief Sabine durch den Garten.
03.05.2020, 09:00
Lesedauer: 2 Min
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Als Sabine unseren Strandkorb zerlegte
Von Patricia Brandt
Als Sabine unseren Strandkorb zerlegte

Der Strandkorb, das mondäne Urlaubsmöbel, das inzwischen auf vielen Terrassen zu finden ist, hat seit jeher die Vorstellungswelt der Menschen beflügelt. Adolf Moritz zum Beispiel stellte 1905 in Lübeck einen Sitzkorb vor, der durch den Anbau von Türen auch als Koffer genutzt werden konnte. Spektakulärer noch die Idee des Lübeckers Wilhelm Schulze: „Will man den Korb als Boot benutzen, so genügt es, ihn einfach umzulegen und zu Wasser zu bringen.“

Ich muss nicht unbedingt mit meinem Strandkorb verreisen, weder zu Land noch zu Wasser. Mir genügt es, wenn ich drin sitzen und mich sonnen kann, ohne dass mir der Wind den Krimi aus der Hand schlägt.

Michael, mein Mann, sitzt nie im Strandkorb, was ich seltsam finde: „Du wolltest doch früher immer einen Strandkorb haben“, sage ich. Aber Michael meint, das stimme nicht: „Das machst Du übrigens immer so: Du kaufst Strandkörbe, Rosenkissen und anderes Zeug und behauptest hinterher, ich hätte unbedingt eine Lavendelduftkerze haben wollen.“ Das ist natürlich ungerecht. Ich weiß genau, wie er damals „sehr schön“ gesagt hat, als ich ihm den Strandkorb-Prospekt gezeigt habe. Jedenfalls hat sich Michael aus Trotz hinterm Haus einen Pavillon aufgebaut. Mit LED-Lichtern für abendliche Spielerunden.

Nun sitzt er unter dem Pavillondach hinten am Teich und ich im Strandkorb vorn am Haus. Jedenfalls saßen wir hinten und vorn – bis „Sabine“ kam. Nach Sturmtief „Kyrill“ einer der folgenreichsten Winterstürme. Der Orkan fegte mit 120 Stundenkilometern heran und legte bundesweit erst Flug- und Zugverkehr lahm und dann in unserem Garten Pavillon und Strandkorb flach. Übrigens musste auch das Bundesligaspiel Mönchengladbach gegen Köln sturmbedingt verschoben werden.

Die Versicherungen zahlten 675 Millionen Euro unter anderem für Hausratschäden. Aber nicht für den Pavillon: Er stand zu weit weg vom Haus. „Aber Ihren Strandkorb können wir ersetzen“, versprach der Vertreter.

Michael muss die Nachricht noch ein wenig sacken lassen. Aber ich bin sicher, wenn der neue Strandkorb erst mal da ist, wird er sich freuen. Ohne ist die Terrasse so leer und er ­wollte ja immer einen Strandkorb haben.

Info

Zur Person

Patricia Brandt

ist Redakteurin beim WESER-KURIER. Vier Jahre hat sie unter dem Titel „Im grünen Bereich“ eine wöchentliche Kolumne veröffentlicht, aus denen nun ein Buch entstanden ist. Zum Start der Freiluftsaison gibt es nun fünf neue Folgen – Beetgeflüster frisch aus dem Garten unserer Autorin. Dies ist die dritte Folge.

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