Beirat Woltmershausen beschäftigt sich mit Müll

Im Herbst kommen die Laubcontainer

Woltmershausen. Hartmut Wöhltjen läuft auf dem Weg zur Sitzung des Beirats Woltmershausen über den Woltmershauser Markt und zückt gleich seinen Notizzettel: Ein Anruf beim Entsorger Eno ist fällig, denn das Pflaster ist von Scherben übersät. „Ich kümmere mich um Müll.
12.09.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Reiner Haase

Woltmershausen. Hartmut Wöhltjen läuft auf dem Weg zur Sitzung des Beirats Woltmershausen über den Woltmershauser Markt und zückt gleich seinen Notizzettel: Ein Anruf beim Entsorger Eno ist fällig, denn das Pflaster ist von Scherben übersät. „Ich kümmere mich um Müll. Das heißt, ich hole die zuständigen Akteure ran“, sagt er über sich. Wöhltjen ist die personifizierte „Leitstelle saubere Stadt“ im Umweltressort und kümmert sich um Dreck, wo immer er ihm oder noch viel häufiger Bremer Bürgern auffällt. Sei es in Huchting, im Viertel oder in Farge-Rekum.

Saubermann Wöhltjen stellte sich den Woltmershausern in der Beiratssitzung in der evangelischen Freikirche als kommunikativer Mensch vor. „Viele Anrufe? – Gerne doch, das ist mein Job“, betonte er, und wer kein Mobilfunkgerät zum direkten Einspeichern zur Hand hatte, ließ den Stift über das Papier sausen, als er seine Telefonnummer deutlich sichtbar platzierte: 36 11 58 50 lautet die Durchwahl zum Kümmerer.

Ortsamts-Mitarbeiter Michael Radolla schrieb sich die Finger wund, als er die Vielzahl der verdreckten Stellen im Stadtteil notierte, die die Besucher der Beiratssitzung und auch Mitglieder des Beirats selber benannten. So betonte Thomas Plönnigs (CDU), er kenne mindestens 20 Orte, die regelmäßig in Müll untergehen. Wöhltjen stellte mehrfach unter Beweis, dass er sich bei guter Beschreibung in den Örtlichkeiten auskennt und weiß, wer zuständig ist: Eno, Umweltbetrieb Bremen oder ein privater Eigentümer? Gerade auf Privatgrund kann es knifflig werden. So erfuhr Holger Saathoff, sachkundiger Bürger der CDU in Beiratsgremien, dass es von Rechts wegen Diebstahl wäre, wenn die Eno Unrat abholen würde, der bei Nacht neben den Müllbehältern auf Saathoffs Grundstück abgestellt worden ist. „Mit dem Ablagern ist der Unrat in Ihr Eigentum übergegangen“, belehrte Wöhltjen ihn, und Revierleiter Werner Oltmanns nickte. Jedenfalls wird Wöhltjen wohl tagelang damit beschäftigt sein, die Liste mit Unrat-Ecken im Stadtteil abzuarbeiten, die ihm das Ortsamt zustellt.

Tim Tebbe von der Immobilien-Service-Gesellschaft stellte in der Beiratssitzung klar, dass Großvermieter wie die Vonovia der Vermüllung ihrer Grundstücke nicht tatenlos zusehen. Vor Ort gebe es Bewirtschafter und Objektbetreuer. Mieter würden beim Einzug über die in Deutschland übliche Mülltrennung informiert, und es stünden Informationsblätter in mehreren Sprachen zur Verfügung. Vonovia sorge dafür, dass ihre Grünflächen und gepflasterten Bereiche regelmäßig gereinigt und abgemeldete Fahrzeuge von Parkplätzen entfernt würden. Wie auch die behördlichen Entsorger schaue der Vermieter nach, ob in wild abgelegtem Müll Hinweise auf den Verursacher zu entdecken sind. Gegebenenfalls werde der Verursacher direkt angesprochen.

Das Thema Müll im Stadtteil werde noch einmal im Bauausschuss behandelt, kündigte Beiratssprecherin Edith Wangenheim (SPD) an. Dann soll auch eine Liste an die Behörden mit Anregungen für Verbesserungen formuliert werden. Dazu zählt unter anderem, dass im Herbst im Stadtteil Laubcontainer aufgestellt werden. Geprüft werden soll auch, ob vor dem Ausrücken von Kehrmaschinen in den betroffenen Straßen Halteverbotsschilder aufgestellt werden können, damit die Saubermänner nicht nur die Straßenmitte reinigen können, weil die Straßenränder zugeparkt sind. Wöhltjen stufte das als wirkungsvoll, aber problematisch ein. „Das muss mit der Polizei abgestimmt werden, denn das Halteverbot muss auch durchgesetzt werden, was Abschleppen der Falschparker bedeutet“, so Wöhltjen. Das Abschleppen schlage schnell mal mit 250 Euro zu Buche. „Wenn wir so verfahren, werde ich hier im Beirat nicht noch einmal so freundlich begrüßt wie heute“, schwante ihm. Ein Alternativvorschlag wurde auch zur Debatte gestellt: Die Touren der Kehrmaschine so planen, dass sie mal am Vormittag, mal am Nachmittag durch Woltmershausen kommen. Nachmittags seien viel mehr Parkplätze frei.

Viel Beifall erntete eine Woltmershauserin. Sie berichtete, dass sie bei Spaziergängen Mülltüte und Grillzange dabei hat und aufsammelt, was sie stört. Es wurde auch von Straßengemeinschaften berichtet, die ihr Umfeld in Eigenregie sauber halten. Den Beifall der Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon sicherte sich Thomas Plönnigs (CDU), der eine Smartphone-App anregte, über die Bilder über das Ausmaß von Verschmutzungen an die Leitstelle saubere Stadt geschickt werde können. Dann bliebe der Posteingang für E-Mails an das Ortsamt frei für Dinge, für das das Ortsamt wirklich zuständig sei. Czichon appellierte an mehr Eigeninitiative: „Wenn die 20 Leute, die uns Fotos von einem und demselben Haufen zugeschickt haben, selber aufräumen würden, hätten sie vielleicht Zeit gespart.“

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