Karl-Josef Krötz hütet seit 25 Jahren das wertvolle Weinlager unter dem Rathaus Im Keller der König

Bremen. Zuletzt war es ein Chinese, der ihn in die Schlagzeilen brachte. Der Milliardär aus Fernost wollte Karl-Josef Krötz etwas Wein abkaufen. Eine Flasche für 150.000 Euro. Aus dem Geschäft ist zwar nichts geworden, von Vorteil war es aber allemal. Bremens Wein sozusagen in aller Munde, und der Ratskellermeister obenauf. Heute feiert Krötz sein 25-jähriges Dienstjubiläum.
01.04.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Im Keller der König
Von Jürgen Hinrichs

Zuletzt war es ein Chinese, der ihn in die Schlagzeilen brachte. Der Milliardär aus Fernost wollte Karl-Josef Krötz etwas Wein abkaufen. Eine Flasche vom Tropfen aus dem berühmten Rosefass. Der Preis: 150 000 Euro. Aus dem Geschäft ist zwar nichts geworden, von Vorteil war es aber allemal. Bremens Wein sozusagen in aller Munde, und der Ratskellermeister obenauf. Heute feiert Krötz sein 25-jähriges Dienstjubiläum.

Sollte man ihm eine Flüssigkeit zuordnen, wäre es dann Wein, weil er doch Ratskellermeister ist? Nein, es wäre Quecksilber. Karl-Josef Krötz ist das, was man einen quecksilbrigen Menschen nennt. Immer unter Dampf, sehr lebendig, und fängt er mal das Reden an, über den Wein und seine Wahrheiten, ist da kein Punkt mehr und kein Komma.

Am Montag gab es aber kurz ein Innehalten für den Mann von der Mosel. Der Bürgermeister kam in den Keller hinunter – Krötz zu Ehren, ein Jubiläum, er hat in Bremen an diesem 1. April die 25 Jahre voll.

Jens Böhrnsen war beteiligt, als man sich wegen des Chinesen und seiner ungewöhnlichen Offerte beraten musste. Damals hatte der Bürgermeister im Grunde bereits alles gesagt, was der Ratskellermeister sich jetzt während der Viertelstunde im Keller noch einmal anhören durfte. „Mit Karl-Josef Krötz haben wir einen allseits anerkannten Fachmann, er wird am besten wissen, wie in diesem Fall zu verfahren ist“, sagte Böhrnsen zur Causa des kaufwilligen Chinesen.

Eine Lebensaufgabe

Ein Blankoscheck und Beweis von Vertrauen, das am Montag noch einmal bekräftigt wurde. „Dieser Posten ist eine Lebensaufgabe, der Sie, verehrter Herr Krötz, stets in vollem Maße gerecht werden“, erklärte der Bürgermeister.

Krötz war 32 Jahre alt, als er in Bremen verpflichtet wurde. Viel Hoffnung hatte er sich damals mit seiner Bewerbung nicht gemacht. „Ich dachte, die Sache ist längst ausgekungelt“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Als es anders kam und die Wahl auf ihn fiel, sei das wie ein Adelsschlag gewesen.

Krötz ist in den 600 Jahren, seitdem es den Ratskeller mit seinem Schatz an deutschen Weißweinen gibt, erst der 19. Kellermeister. Der 57-Jährige führt ein Erbe fort, das er kennenlernte, als er noch ein junger Mann war und zu Hause auf dem Weingut seiner Eltern lebte. „Bei mir im Dorf erzählte man sich von einem ,Herrn aus Bremen’, der früher zu uns kam und die Hälfte der Weinernte aufkaufte. Der war wie von einem anderen Stern – und bezahlte mit Gold!“

Heute kommt er nicht nur und kauft, der Ratskellermeister lässt auch anbauen, er betreibt für Bremen seit 13 Jahren einen Weinberg an der Mosel. Aus dem „Erdener Treppchen“, wie der Tropfen heißt, wird der Bremer Senatswein. Eine Sorte von rund 1200, die sechs Meter tief im Ratskeller lagern. Gerade mal ein Zehntel davon wird für den Verzehr freigegeben und in den Gasträumen ausgeschenkt.

Für den großen Rest ist der Keller ein Ort, um so alt und erlesen zu werden wie zum Beispiel der Rüdesheimer Apostelwein. Krötz hat kürzlich eine Flasche davon verkauft. Wein aus dem Jahr 1727, der jetzt einem Geschäftsmann aus Rio de Janeiro gehört. Er kam eigens mit dem Privatjet eingeflogen und hatte 6000 Euro auf den Tisch gelegt, bevor er mit der Flasche Apostelwein den Ratskeller wieder verließ.

Solche Geschichten, der Ratskellermeister läuft über davon. 25 Jahre und noch einige mehr, bevor Krötz in den Ruhestand geht – so viel Zeit für den Wein, für Bremen und seinen berühmten Keller. Der Bürgermeister hat schon mal Danke gesagt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+