Felicitas Butt aus Schwachhausen zeigt im Haus Paula Becker ihre Serie von Porträts Bremer Flüchtlinge

Im Lichtschein zum Leben erweckt

Schwachhausen. Eine künstlerische Begegnung auf Augenhöhe mit Flüchtlingen in Bremen will Felicitas Butt mit ihrer Ausstellung „Hello, my name is“ möglich machen. Noch bis zum 15.
25.04.2016, 00:00
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Von FRANZISKA RENTZSCH
Im Lichtschein zum Leben erweckt

In transparente Rhenalonplatten hat Felicitas Butt Porträts von Menschen geritzt, die sich im Schattenspiel auf den dahinterliegenden Wänden frei bewegen.

Petra Stubbe

Eine künstlerische Begegnung auf Augenhöhe mit Flüchtlingen in Bremen will Felicitas Butt mit ihrer Ausstellung „Hello, my name is“ möglich machen. Noch bis zum 15. Mai sind ihre Arbeiten der jungen Künstlerin aus Schwachhausen im Haus Paula Becker, Schwachhauser Heerstraße 23, zu sehen.

Ohne Ansprache, aber mit kleinen Taschenlampen ausgerüstet, schickt Felicitas Butt ihre Besucher auf eine Entdeckungsreise in den abgedunkelten Ausstellungsraum. Zunächst kaum sichtbar hängen hier kleine transparente Platten von der Decke, die erst im Lichtschein von Lampen und Smartphones zum Leben erweckt werden. Mit dem Titel „Hello, my name is“ hat Felicitas Butt eine Installation geschaffen, bei der der Betrachter aktiv werden muss, um einen Einblick in die Geschichte geflüchteter Menschen zu erhalten. „Ich wollte, dass die Besucher das Bild mit erzeugen können“, erklärt die 23-Jährige. Sie wolle mit ihrer Arbeit die Trennung von Zuschauer, Subjekt und Künstler aufheben, um eine Begegnung auf Augenhöhe möglich zu machen.

In transparente Rhenalonplatten hat Felicitas Butt Porträts von Menschen geritzt, die sich erst im Lichtschein zu erkennen geben und sich so im Schattenspiel auf den dahinterliegenden Wänden frei bewegen. Auf der Suche nach Modellen ist sie in Flüchtlingsheime gegangen und hat dort versucht, sich trotz Sprachbarrieren über das Medium der Kunst mit ihrem Gegenüber zu verständigen. „Am Anfang war es gar nicht so einfach, Modelle zu finden“, sagt Butt, die seit Oktober an ihrem Projekt gearbeitet hat. Aber dann habe sich alles wie von selbst entwickelt. „Ich habe so viele spannende Menschen getroffen, ganz neue Erfahrungen gesammelt, und auch die syrische Küche durfte ich kennenlernen“, berichtet Butt über ihre zahlreichen Treffen zur Entwicklung ihres Projekts. Herausgekommen ist eine Porträtserie, die Flüchtlinge in ihrem jeweiligen Umfeld und somit in ganz unterschiedlichen Stadien der Integration zeigt.

Die Thematik von Vertreibung, Flucht und Ankunft liegt der jungen Künstlerin schon seit Langem am Herzen. „Ich habe selbst einen Migrationshintergrund und beschäftige mich schon länger mit der Frage, wie Menschen es schaffen, sich in zunächst fremde Kulturen zu integrieren“, sagt Butt, die an der Universität Bremen das Fach „Kunst – Medien – Ästhetische-Bildung“ und Kulturwissenschaften studiert. Mit dem Projekt, das sie neben dem Studium entwickelt und umgesetzt hat, will sie sich auch in ihrer Examensarbeit noch einmal auseinandersetzen. Nach dem Studium plant Felicitas Butt auch weiter als freie Künstlerin in Bremen zu arbeiten. Sie ist sich sicher, dass der Bedarf nach Kunst immer bleiben wird. „Kunst kann so vieles. Mit meinen Arbeiten möchte ich Menschen den Alltag vergessen lassen“, erklärt sie. Hierfür habe sie in ihrer aktuellen Arbeit auch ganz bewusst auf Fotografien verzichtet und sich mit ihren Radierungen auf das Wesentliche in den Gesichtern der Menschen konzentriert. „Ich arbeite gerne mit alten Medien, um gegen die heutige Reizüberflutung anzukommen“, sagt Butt, die ursprünglich aus Oldenburg kommt. Gleichzeitig könne der Betrachter mit seinem Smartphone die traditionelle Kunst der Radierung in einem Spiel aus LED-Licht und Schatten erfahren.

Ihr Ziel, mit ihrer Kunst auch einen kulturellen Austausch zu schaffen, hat Felicitas Butt nicht nur auf der Ebene des Kunstwerkes erreicht. Auch die Vernissage im Haus Paula Becker wurde zu einem Ort kultureller Begegnungen. Unter den Gästen waren etwa der syrische Künstler Naser Nassan Agha, der seit einigen Monaten in Bremen lebt und arbeitet, aber auch einige der Menschen, die Butt bei ihren Besuchen in den Flüchtlingsheimen kennengelernt hat.

Über den weitreichenden Austausch und das große Interesse an dem Projekt freuen sich auch Betty und Heinz Thies, die dem gemeinnützigen Verein Haus Paula Becker vorsitzen. „Wir wollen jungen Künstlern wie Felicitas Butt die Gelegenheit geben, sich frei zu präsentierten“, erklärt Betty Thies. Dass die Ausstellung in der Auseinandersetzung mit der Kunst dabei auch zu einem kulturellen Treffpunkt vieler junger Menschen geworden sei, freue sie besonders. Der Verein Haus Paula Becker wurde 2007 gegründet und setzt es sich zum Ziel, Kultur in den Bereichen Literatur, darstellende und bildende Kunst zu fördern. Hierfür finden regelmäßig Veranstaltungen wie Vorträge, Ausstellungen und Lesungen statt. Am Sonntag, 5. Juni, wird auch Felicitas Butt noch einmal mit einer Erweiterung ihres Projekts im Haus Paula Becker zu Besuch sein.

Die Ausstellung läuft noch bis Sonntag, 15. Mai. Für Besichtigungen ist das Kunstkabinett im Haus Paula Becker donnerstags zwischen 18 und 21 Uhr sowie sonnabends zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet. Vereinbarung weiterer Termine und Führungen unter Telefon 841 39 57.

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