Neue Bildungsmonitor-Studie

Bremen im Ländervergleich auf Platz 15 abgerutscht

In der Wissenschaft top, in der Bildung flop: Bremen landet in der neuen Ausgabe der Studie „Bildungsmonitor“ im Ländervergleich auf Platz 15. Im Vorjahr hatte sich Bremen vom letzten auf Platz 14 verbessert.
15.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremen im Ländervergleich auf Platz 15 abgerutscht
Von Nina Willborn
Bremen im Ländervergleich auf Platz 15 abgerutscht

Der Weg nach oben im Länderranking ist für Bremen ziemlich weit. Nur die Bildungslandschaft von Sachsen-Anhalt bekommt noch schlechtere Bewertungen.

Marijan Murat /dpa

Bremen und sein Bildungssystem: seit Jahren ein wunder Punkt des kleinsten Bundeslandes. Einmal mehr bestätigt der soeben erschienene Bildungsmonitor das Bild, das sich in vielen Köpfen auch außerhalb Bremens festgesetzt hat – dass Bremer Schüler weniger und schlechter lernen als etwa bayerische oder inzwischen auch als die aus Hamburg. Im Vergleich der Bundesländer landet Bremen auf dem vorletzten Platz, schlechtere Bewertungen bekommt in der Studie nur Sachsen-Anhalt. Im Vorjahr hatte sich Bremen von Platz 16 auf 14 verbessert.

Sächsische Schulen und Universitäten tragen am meisten zu „Wachstum und Wohlstand der Wirtschaft“ des Bundeslandes bei – so beschreibt die arbeitgebernahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), die den Bildungsreport seit 2004 jährlich zusammen mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft herausgibt, die inhaltliche Ausrichtung der Untersuchung. Finanziert wird die INSM nach eigenen Angaben von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektro-Industrie.

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Was man zu der Studie auch wissen muss: Sie ist ein Blick in die Vergangenheit. Die Daten von verschiedenen statistischen Einrichtungen, die die INSM untersuchen ließ, stammen – zumindest für Bremen – überwiegend aus dem Jahr 2018, teilweise auch aus 2019. Die Autoren bewerten und vergleichen die Bildungslandschaften der Länder nach einem Punktesystem anhand verschiedener Themenfelder und Indikatoren, etwa, wie viel Geld ein Land pro Schüler ausgibt, das Zahlenverhältnis von Lehrern und Schülern und die Abschluss-Quoten von Auszubildenden.

Weit unter dem Durchschnitt liegt Bremen dem Bildungsmonitor zufolge bei den öffentlichen Pro-Kopf-Ausgaben für diesen Politikbereich. Sie seien sowohl an Grund-, allgemeinbildenden und Berufsschulen „äußerst gering“, heißt es. Allerdings werden die wenigen Mittel laut den Autoren „relativ effizient eingesetzt“: In der Relation der Sach- zu den Personalausgaben schneidet Bremen mit einer Quote von 20 Prozent besser als der Durchschnitt (15,4 Prozent) ab.

Qualität des Unterrichts bleibt mangelhaft

Weitere Ergebnisse der Untersuchung: Lehrer in Bremen halten länger durch als anderswo, in anderen Ländern lassen sich mehr Fachkräfte für dienstunfähig erklären. Allerdings bleibt die Qualität des Unterrichts mangelhaft. Den letzten Platz im Ranking belegt Bremen unter anderem bei Überprüfungen der Standards für Lese- und Rechenfähigkeit von Neuntklässlern. Auch die Schulabbrecherquote war mit 7,9 Prozent im Jahr 2018 höher als der Schnitt (6,6 Prozent).

Der Bildungsmonitor bescheinigt aber auch, dass Bremen spitze ist, und zwar im Wissenschaftsbereich. Durchschnittlich knapp 248.000 Euro: Nirgendwo anders werben Professorinnen und Professoren pro Kopf mehr Drittmittel ein und nirgendwo verlassen prozentual gesehen mehr Studenten die Hochschulen mit einem Abschluss (6500 im Jahr 2018). Damit trage Bremen „in großem Umfang“ zur Verringerung von Fachkräfteengpässen bei, heißt es in der Studie. Auch bei der beruflichen Bildung erreicht Bremen gute Werte, etwa für die vergleichsweise hohe Zahl der Ausbildungsstellen (Quote Bremen 80,2 Prozent, Durchschnitt 68,1 Prozent).

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Letzteres freut auch Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD). Im Schulbereich, sagte sie, „ist noch sehr viel zu tun. Die uns allen bekannten Ergebnisse des IQB-Trends, die auch hier verwendet worden sind, treiben uns weiter.“ Der Bildungshaushalt, der für 2020 insgesamt um 21,7 Prozent auf erstmals mehr als eine Milliarde gestiegen ist, sei ein weiterer Schritt. „Hinzukommen zusätzliche immense Investitionen, beispielsweise mit den 52 Millionen Euro für Tablets“, sagt Bogedan. Der Blick auf das Covid-19-Geschehen zeige, dass Bremen bei der Digitalisierung an Schulen im Bundesvergleich sehr weit sei.

Qualitätsinstitut IQHB wird um zehn Stellen erweitert

Ähnlich äußerte sich Mustafa Güngör, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. „Wir stellen mehr Geld für Bildung zur Verfügung, das wird sich auch in der Qualität niederschlagen.“ So werde das Qualitätsinstitut IQHB nach Hamburger Vorbild um zehn Stellen erweitert. Christopher Hupe (Grüne) verwies auf Investitionen, die die Studie nicht abbilde. „Es sind viele gute Schritte dabei, die sich aber nicht sofort im Ranking zeigen.“

Miriam Strunge (Linke) kritisierte die Methodik der Studie, bewertete das gute Abschneiden der Hochschulen aber als positiv. „Niederschmetternd“ nannte Yvonne Averwerser (CDU) die Schul-Ergebnisse. „Wenn der Senat nicht endlich anpackt, werden wir in der schulischen Bildung auch in den nächsten Jahren auf dem gleichen schlechten Niveau bleiben.“ Auch Birgit Bergmann (FDP) kritisierte eine „angekündigte und nicht eingetretene Trendwende“. Bremen bleibt das Land, in dem das Elternhaus den größten Einfluss auf die Bildungschancen der Kinder hat.“

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