Finanzsenatorin Karoline Linnert lässt sich von der Wirtschaftsförderung die Fortschritte im BWK-Gebiet zeigen Im Schnelldurchgang

Blumenthal. Zum Besuch der Bürgermeisterin präsentiert sich die Hauptstraße der Bremer Wollkämmerei wie eine Flaniermeile. Der Straßenzug steckt voller backsteinbarocker Erinnerungen an die Zeit, als hier noch über 4000 Menschen gearbeitet haben.
04.02.2017, 00:00
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Von Volker Kölling

Blumenthal. Zum Besuch der Bürgermeisterin präsentiert sich die Hauptstraße der Bremer Wollkämmerei wie eine Flaniermeile. Der Straßenzug steckt voller backsteinbarocker Erinnerungen an die Zeit, als hier noch über 4000 Menschen gearbeitet haben. Karoline Linnert ist aber eher gekommen, um sich von Andreas Heyer und Volker Ballhausen von der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) die Firmenansiedlungen vor Ort anzuschauen.

„Als ich hier zu Beginn meiner Arbeit in Bremen vor sieben Jahren mit unserem Prokuristen Heiko Fischer am Tor ankam, war das fest verschlossen und dahinter sah es zum Fürchten aus,“ erinnert sich WFB-Geschäftsführer Andreas Heyer am ehemaligen BWK-Torhaus. Dazwischen liegen bis heute zwei Baustufen und fast 28 Millionen Euro an Investitionen – über 23 Millionen kamen praktischerweise aus EU-Töpfen. Heute ist es hier fast schön: Linkerhand hat sich eine Kfz-Werkstatt angesiedelt, rechts durchs Tor wird weiße Ware für große Elektronikketten gelagert. Die Querstraße runter ist vor dem Metallhandel eine schicke Kantine entstanden. Und in den denkmalgeschützten Backsteinhallen links auf der ­sogenannten historischen Achse stehen ­Oldtimer.

Der Backstein trägt volles Rot in der tief stehenden Wintersonne. Volker Ballhausen geht Gebäude für Gebäude durch, nennt Nutzungsmöglichkeiten und auch die Nutzungswünsche aus dem Stadtteil. Kultur hier rein? Dort vielleicht aus einer alten geschützten Halle ein Veranstaltungszentrum machen? Heyer sagt, dass es immer wieder Anfragen in solche Richtungen gibt: „Aber da fehlt es dann immer an Finanzierungsmöglichkeiten für den Unterhalt.“ Linnert sagt klar: „Dafür ist das Kulturressort zuständig. Das vermischen wir hier nicht. Das ist lange genug in Bremen so gelaufen.“

Dann geht die Gruppe weiter bis zur Spundwand und die Finanzsenatorin lässt sich mit etwas Sicherheitsabstand zu den Journalisten kurz erklären, welches Grundstück ein Jachtzulieferer aus Schwanewede eigentlich kaufen möchte. So richtig frei sind auf dem riesigen Gelände von 32,2 Hektar gerade noch 2,5 Hektar, also 25 000 Quadratmeter. Wobei nach WFB-Angaben von den 23,5 Hektar erschlossenen Nettoflächen ohne Straßen und Nebenanlagen 8,7 Hektar verkauft und 8,9 Hektar vermietet sind. Der Preis pro Quadratmeter? Der werde individuell bei jedem Grundstück je nach Lage und Zuschnitt neu bewertet, erläutert Projektleiter Volker Ballhausen.

Offen spricht WFB-Chef Heyer an, dass es nun mit dem erschlossenen Gebiet viel leichter sei, die Flächen an die Kunden zu bringen. Und jede angesiedelte Firma trägt nach außen, was von dem Standort zu halten ist. Bei der Firma BWK-Chemiefaser spricht Geschäftsführer Matthias Mantwill in den höchsten Tönen von der guten Anbindung des Gewerbegebietes an die Autobahn: „Ich wohne in Schwachhausen und brauche morgens mit dem Wagen 20 bis 25 Minuten zur Arbeit. Kein Thema.“ Alle Gastgeber an diesem Tag loben die WFB und ihre Arbeit in den höchsten Tönen, oft ist das mit der Person des verstorbenen WFB-Prokuristen Heiko Fischer verknüpft.

Im Konferenzraum von BWK-Chemiefaser ist eine Wand mit einem Luftbild aus den 1980-er Jahren tapeziert. Was von den damaligen Nutzungen noch existiert ist die Firma, die Mantwill und sein Kollege 2008 übernommen haben, das Heizkraftwerk und die Flüssigmüllverbrennungsanlage der Brewa. Karoline Linnert horcht auf und erinnert sich an den langen Kampf der Blumenthaler Bürgerinitiativen für eine Abschaltung der Müllverbrennungsanlage wenige hundert Meter von den Wohngebieten entfernt: „Wenn wir Geld gehabt hätten, hätte Bremen das sofort gekauft und dicht gemacht.“

Chemiefaser-Mann Mantwill bring ein anderes Problem zur Sprache: Raser hätten schon wiederholt extrem gefährliche Situationen für seine Mitarbeiter erzeugt. Und die müssten sich nun einmal von Halle zu Halle über die Straße bewegen können. Karoline Linnert hört sich die Schilderungen an. Dazu zählt auch ein Vorstoß des Beirates in Richtung des Amtes für Straßen und Verkehr, hier eine Tempo-30-Zone einzurichten. Matthias Mantwill: „Das wurde abgelehnt nach dem Motto: So lange keiner zu Schaden kommt, machen wir da nichts.“ Kurioserweise sei gleichzeitig die schick neu gepflasterte historische Achse zur Spielstraße erklärt worden. Karoline Linnert verspricht dem Firmenchef, sich um die Verkehrsprobleme zu kümmern.

Wo die Senatorin für Finanzen auftaucht, erlebt sie immer auch ein bisschen „Wünsch-Dir-Was“. Das ist normal. Aber auch der zweite Wunsch des Tages ist nicht mit Geldausgaben für Bremen verbunden, im Gegenteil: Gerrit Meyer möchte als geschäftsführender Gesellschafter des Lackierzentrums Nord gerne noch Fläche dazu kaufen: „Da müssen wir mal über die Größe sprechen. Aber wir brauchen für die Industrieaufträge mehr Lagerkapazitäten.“

Erfreut hören die WFB-Männer, dass sich das Lackierzentrum Nord schon auf Aufträge vorbereitet, die durch die Neuansiedlung eines anderen Unternehmens entstehen. Andreas Heyer: „So ein Zusammenspiel ist dann natürlich optimal.“ Nach einem Crash-Kursus rund um das Thema „Lackarbeiten heute“ weiß Karoline Linnert auch, wohin sie muss, wenn sie mit dem Privatwagen mal eine Beule produzieren würde. Aber heute geht es mit dem schwarzen Dienst-Mercedes zurück in die City – und der ist natürlich beulenfrei.

„Vor sieben Jahren sah es zum Fürchten aus." WFB-Chef Andreas Heyer
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