Bremer Schüler infomieren sich über Berufe bei Werder

Im Stadion arbeiten nicht nur Fußballer

Bremen. Nicht nur Profifußballer haben ihren Arbeitsplatz im Stadion. Dort arbeiten auch Elektriker oder Sicherheitsleute. Die Bandbreite der beruflichen Möglichkeiten im Fußballstadion haben jetzt 13 Bremer Schüler kennengelernt.
29.06.2011, 20:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulrike Bendrat
Im Stadion arbeiten nicht nur Fußballer

Wer bei der Polizei arbeiten will, muss auch einen sportlichen Test bestehen. Während der Stadionschule konnten Neuntklä

Frank Thomas Koch

Bremen. Nicht nur Profifußballer haben ihren Arbeitsplatz im Stadion. Dort arbeiten auch Elektriker oder Sicherheitsleute. Die ganze Bandbreite der beruflichen Möglichkeiten im Fußballstadion lernten jetzt 13 Schüler der Klasse 9a der Wilhelm-Kaisen-Schule aus Huckelriede kennen – in der Stadionschule im Weserstadion.

 

Kürzlich erkundeten die Neuntklässler das Weserstadion und trafen sich dann im Ostkurvensaal mit Gesa Mann vom Fanprojekt Bremen und Guido Finkenstedt von der swb AG. Finkenstedt ist einer von zehn Ausbildern bei der swb und hatte den Jugendlichen einiges zu erzählen. Es war der erste Tag des zweitägigen Projekts „Stadionschule“, an dem die 15- und 16-Jährigen teilnahmen.

Gesa Mann hat die Stadionschule organisiert. „Ziel ist es, dass sich die Schüler mit ihrer beruflichen Zukunft auseinandersetzen und dieses Projekt ihnen Berufsmöglichkeiten zeigt, mit denen sie sich eventuell noch nicht befasst haben“, erläutert die Koordinatorin.

So hatten vermutlich noch nicht alle der Neuntklässler von Berufsbildern wie Mechatroniker oder Industriekaufmann gehört, die ihnen swb-Ausbilder Finkenstedt vorstellte. Zum Einstieg erklärte er, was die swb mit dem Weserstadion zu tun hat: „Ohne uns würde hier kein Licht brennen, und auch die Anzeigetafel würde aus bleiben.“

Tipps für die Bewerbung

Finkenstedts eigentliche Aufgabe an diesem Tag war es aber, den Schülern von den verschiedenen Ausbildungsberufen bei der swb zu erzählen und ihnen Tipps für Berufswahl und Bewerbung zu geben. „Wenn ihr in einem Bewerbungsgespräch sitzt, ist es ganz wichtig, dass ihr etwas über den Betrieb wisst und warum ihr dahin wollt“, ermahnte er die Jugendlichen freundlich.

Die Faszination von Werder Bremen und des Weserstadions sollte die Schüler motivieren. Entsprechend standen Berufsbilder rund um das Stadion und Werder im Zentrum der zwei Tage: Die Jugendlichen bekamen Informationen über Ausbildungswege beim Umweltbetrieb Bremen, bei Radio Bremen und bei der Sicherheitsfirma elko& Werder Security GmbH. Eingeteilt in Kleingruppen, befragten die Mädchen und Jungen die Vertreter der Firmen. Außerdem berichteten Praktikanten und Auszubildende der Betriebe von ihrem Arbeitsalltag.

Sportlicher Eignungstest

 

Zum Abschluss der zwei Projekttage sammelten die Jugendlichen erste Erfahrungen mit dem sportlichen Eignungstest für eine Ausbildung bei der Polizei: Sie mussten Teile des Original-Testparcours durchlaufen und konnten so feststellen, ob sie die Anforderungen schaffen. Der 16-jährige Tobias wollte eigentlich gerne zur Polizei, „aber ich hab zu schlechte Augen“, sagte er. „Vielleicht könnte ich einen Büro-Job machen“, meinte er, eventuell eine kaufmännische Ausbildung absolvieren.

Neben der Berufsorientierung steht die Stadionschule auch für Unterricht an einem anderen Ort – im Stadion eben. Die 9a hat beispielsweise im Mathematikunterricht Strecken- und Flächenberechnung mit den Maßen des Stadionrasens geübt: Wie weit ist es vom Anstoßpunkt bis zur Eckfahne? Und wie viele Quadratmeter Rollrasen braucht man für das Fußballfeld?

Im Deutschunterricht am ersten Stadionschultag haben die Neuntklässler Interviewtechniken kennengelernt. Am zweiten Tag konnten sie das Gelernte an Werders U 23-Mittelfeldspieler Kevin Krisch erproben.

Nachwuchsspieler im Interview

Eine halbe Stunde lang löcherten sie den Nachwuchsspieler mit ihren vorbereiteten Interviewfragen: „Was machst du, wenn du nicht mehr Fußball spielen kannst?“ – „Willst du eine eigene Familie gründen?“ – „Wer ist bei Werder Bremen dein größtes Vorbild?“ oder „Was war bisher in deiner Fußballerkarriere der schönste Augenblick?“

Selbst Geschichtsunterricht fand im Ostkurvensaal statt: Katrin Schindler vom Fanprojekt erklärte den Jugendlichen die Bedeutung rechtsextremistischer Symbole – für viele der Jugendlichen eine erhellende Unterrichtseinheit. Denn zahlreiche Zeichen hatten sie schon gesehen, kannten aber ihre Bedeutung nicht.

Die Stadionschule wurde jetzt zum zweiten Mal organisiert. Sie ist Teil der „JuMixx“-Jugendarbeit im Fanprojekt Bremen und wird von der Robert Bosch Stiftung finanziert und von der Bundesliga Stiftung gefördert. „JuMixx“ steht für: Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Deshalb wendet sich die Stadionschule vor allem an Bremer Schulen, in die viele Mädchen und Jungen gehen, deren Familien aus dem Ausland stammen. Denn diese Jugendlichen haben es oft schwerer, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Gesa Mann plant vier Stadionschulen pro Jahr für neunte Klassen. Ihr liegen schon Anfragen für 2012 vor.

Kontakt zum Fanprojekt und Stadionschule: Gesa Mann, Telefon: 0421-498024 (Di. 10-12 Uhr, Do. 13-16 Uhr), E-Mail: gmann.fanprojekt-bremen@hotmail.de, www.FanProjektBremen.de

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