Oberneulander Grundschüler auf Tücken im Straßenverkehr vorbereitet Im „toten Winkel“ lauern Gefahren

Rollerparcours, Reifen flicken oder Fahrradsimulation: Um die Kinder der Grundschule Oberneuland für ihren Schulweg zu trainieren, organisierte die Aktion „Schulexpress“ kürzlich mit Lehrern und Polizei einen Verkehrsaktionstag. Dabei lernten die Kinder auch, was der tote Winkel ist und welche Bedeutung verschiedene Verkehrsschilder haben.
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Im „toten Winkel“ lauern Gefahren
Von Lisa Schröder

Rollerparcours, Reifen flicken oder Fahrradsimulation: Um die Kinder der Grundschule Oberneuland für ihren Schulweg zu trainieren, organisierte die Aktion „Schulexpress“ kürzlich mit Lehrern und Polizei einen Verkehrsaktionstag. Dabei lernten die Kinder auch, was der tote Winkel ist und welche Bedeutung verschiedene Verkehrsschilder haben.

Ben und Lorenz aus der Klasse 4b sind begeistert: Das erste Mal sitzen sie im Führerhaus eines großen Brummis. Beim Verkehrsaktionstag der Grundschule Oberneuland zeigt ihnen Lkw-Fahrer Kevin Krause, wo es überall sogenannte tote Winkel gibt, in die er von seinem Platz aus keine Einsicht hat.

Die beiden Jungs versuchen daraufhin selbst, in den Spiegeln des Brummis ihre Mitschüler zu entdecken. „Das ist spannend. Man kann die Jungs im toten Winkel gar nicht sehen und bekommt nicht mit, was hinten passiert“, sagt der achtjährige Ben. Lorenz (9) findet es ganz schön bequem im Führerhaus: „Das ist richtig gemütlich, vor allem der Fahrersessel. Fast wie ein Flugzeugcockpit.“

Die Initiative „Schulexpress“, die sich für einen sicheren Schulweg von Grundschülern in ganz Bremen engagiert, organisierte das Verkehrstraining mit Polizei und Lehrern. „Wisst ihr denn, was so ein Lkw mit Ladung wiegt?“, fragte Kevin Krause. „50 bis 60 Tonnen?“, riet einer der Schüler. „Da bist du schon dicht dran: 40 Tonnen. Allein ein Rad wiegt 250 Kilo“, sagte der Fahrer. Schon seit vier Jahren kommt er mit seinem Lkw zum Verkehrstraining an Schulen. Er findet es toll. „Im vergangenen Jahr waren wir in Huchting. Dort bin ich gerade unterwegs gewesen und habe einen Jungen wiedererkannt. Obwohl die Ampel grün war, blieb er erst stehen und schaute. Er hat das Training nicht vergessen“, so Krause.

„Eigentlich wollten wir diese Schulung nur alle zwei Jahre machen, aber sie ist so wichtig für die Schüler, dass es sie auch dieses Jahr gibt“, erzählte Rektorin Dagmar Sense. „Der Lkw ist für die Schüler beeindruckend. Sie nehmen das Training so ganz anders wahr.“ Über die Schulung sollen schließlich auch die Eltern erreicht werden, so die Rektorin: „Die Erwachsenen sind eher das Problem und rennen zum Beispiel noch mal schnell über die Straße.“

Im Moment kämen 77 Prozent ihrer Schüler mit dem Fahrrad, zu Fuß oder dem Bus. „Das wollen wir noch steigern“, so Sense. Deshalb soll im Anschluss an den Aktionstag mit einer Strichliste neu gezählt und die 77 Prozent möglichst noch übertroffen werden.

Verena Nölle hat den „Schulexpress“ 2004 in Borgfeld mit anderen Eltern initiiert. „Als meine Tochter zur Schule kam, gab es ein Verkehrschaos. Alle brachten ihre Kinder mit dem Auto“, erzählte Nölle. Das war der Anstoß für die Initiative. Sie richtete Haltestellen ein, an denen die Kinder sich treffen können, um selbstständig gemeinsam zur Schule zu spazieren – maximal in 15 Minuten. Die Eltern können ihre Kinder auch mit dem Auto zu den „Haltestellen“ bringen. Damit soll der Verkehr um die Schulen entlastet werden.

Mittlerweile machen bundesweit und in Österreich mehr als 100 Schulen mit. „Es geht darum, das Selbstbewusstsein und die Selbstständigkeit der Kinder zu stärken. Sie sollen in Ruhe selbst zur Schule gehen können und nicht dem teilweise stressig getakteten Alltag ihrer Eltern unterworfen sein“, so Nölle. Seit 2006 nimmt die Schule Oberneuland an der Initiative teil. In ihrem Umkreis liegen zehn Haltestellen für die Schüler. Am Aktionstag wurden alle vier Klassenstufen einbezogen. Die Schüler der ersten beiden Klassen meisterten einen Parcours mit Rollern und bekamen dafür am Ende einen Führerschein. „Ihr Gleichgewichtssinn soll trainiert und Vorfahrtregeln ausgetestet werden“, erklärte Manfred Heißenbüttel von der Polizeistation Borgfeld, der mit seinem Kollegen Herbert Oeßelmann den Parcours betreute, die Übung. Einige Kinder hätten Probleme, Balance zu halten, so der Polizist. Das Verkehrstraining findet er sehr wichtig. Oft war er in Schulen unterwegs. „Das macht Spaß, man macht es gerne. Auch wenn es manchmal Durcheinander gibt“, sagte Heißenbüttel. Für ihn wird es wohl das letzte Mal gewesen sein. In drei Wochen geht er in Pension.

Die Klasse 4a testete Fahrräder. „Wir tragen auf dem Zettel ein, ob sie verkehrstauglich sind, zum Beispiel, ob die Scheinwerfer funktionieren“, erzählte der neunjährige Mikko. Beim Fahrradsimulator konnten die Drittklässler dafür virtuell eine Radtour auf der Leinwand unternehmen. „Sie durchlaufen Verkehrssituationen und sehen etwa, dass der Bremsweg auch durch ihre Reaktionszeit verlängert wird“, erklärte Verena Nölle. Auch in Österreich wird die Borgfelderin ihr erfolgreiches Verkehrsprojekt in Kürze persönlich begleiten.

Im Internet gibt es auf der Seite

www.schulexpress.de weitere Infos.

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