Zu Gast in Bremen

Im Wartezimmer der Hoffnung

Corinna Kohröde-Warnken hat in der Galerie im Park in Osterholz aus ihrem zweiten Buch gelesen. Patientengeschichten, die von Mut und Haltung erzählen.
01.12.2017, 18:04
Lesedauer: 3 Min
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Von EDWIN PLATT
Im Wartezimmer der Hoffnung

Autorin Kohröde-Warnken

Petra Stubbe

Wie vor einem Jahr war Corinna Kohröde-Warnken von der Kulturambulanz in die Galerie im Park eingeladen worden, dieses Mal, um aus ihrem zweiten Buch „Im Wartezimmer der Hoffnung“ zu lesen. In ihrem ersten Buch „Mein pinkfarbenes Leben“, das sie nach ihrer lebensbedrohlichen Krebserkrankung schrieb, war Kohröde-Warnken auf ihre eigene Krankheitsbewältigung eingegangen, in dem neuen Buch stellt sie acht Patienten vor, die sie teilweise in Wartezimmern kennenlernte, die unterschiedliche Diagnosen haben und dadurch aus der Bahn geworfen worden sind. Corinna Kohröde-Warnken, das war schon positiv an ihrem ersten Buch, schaut „Im Wartezimmer der Hoffnung“ auf das, was Menschen Mut macht, was sie dazu befähigt, ihr Leid zu tragen, damit zu leben und eine veränderte, eine ihre Krankheiten akzeptierende Haltung einzunehmen.

Ihren acht Beispielen hat sie zugesichert, die realen Namen nicht zu nennen, und hat ihnen biblische Namen gegeben. Jakob ist erst 35 und hat eine aggressive Form von MS. Judith plagt eine Autoimmunerkrankung, die sich durch eine Schmetterlingsflechte äußerlich deutlich zeigt. Eva hat Brustkrebs und ist bereits beidseitig amputiert. Hanna leidet unter Epilepsie, Elisabeth an einer chronischen Herzkrankheit, Miriam an schwarzem Hautkrebs und gleichzeitig an MS und Gebärmutterhalskrebs, Lazarus war durch eine Gehirnblutung bereits einmal klinisch tot und Johannis hatte eine Nierentransplantation.

All diesen Menschen, denen Kohröde-Warnken, die selbst an lebensbedrohlichem Krebs leidet, begegnete, gewinnt die Autorin ab, was sie als "Glaube, Liebe, Hoffnung“ (Korinther) bezeichnet. „Allerdings: Jeder hat seinen Glauben, und nicht alle sind christlich“, betont Kohröde-Warnken, die selbst im „Gesundheitsgeschäft“ engagiert tätig war. Sie bringt ihre medizinischen Fachkenntnisse ins Buch ein und das einfach und verständlich. Sie durchleuchtet alternative Medizin und lässt sie neben der konventionellen Medizin stehen. Am wichtigsten ist Corinna Kohröde-Warnken der Blick auf die Lebensfreude, auf den Optimismus, auf den positiven Willen, das Leben trotz erheblicher Widrigkeiten zu genießen, ihm Freude abzugewinnen, nicht als Leidensweg zu erfahren, sondern ein selbsterfülltes Leben trotz Krankheit entgegenzusetzen.

Kohröde-Warnken stand mitten im Leben, wollte spät ein weiteres Mal studieren, als sie die Krebs-diagnose erhielt, mit Aussicht eines nur noch kurzen Lebens. Selbst die Rentenversicherung akzeptierte klaglos die Frühberentung ohne Einschränkungen und ohne Vorbehalte. Kohröde-Warnken hatte für den medizinischen Bereich bereits Fachliteratur veröffentlicht. Nun wollte sie ihr Hobby Schreiben in den belletristischen Bereich ausweiten. „Einen Roman kann ich, glaube ich, nicht schreiben“, verhielt sich Kohröde-Warnken auch bei ihrem zweiten Buch wie der Schuster, der bei seinen Leisten bleibt. Sie blieb bei der Medizin, für die sie Fachfrau ist, doch darüberhinaus geht es in ihren Büchern um die Seele und das Seelenleben.

Nach Krankheits- und Bewältigungsgeschichten widmet sich Corinna Kohröde-Warnken einem Silberkettchen, das sie als Mädchen bekam und das mit den Symbolen Kreuz, Herz und Anker genau Glaube, Liebe, Hoffnung entspricht, die heute wieder ganz in ihrem Fokus liegen. Zum Abschluss des Buches „Im Wartezimmer der Hoffnung, Geschichten vom lebensbejahenden Umgang mit chronischen Krankheiten“ wie der gesamte Titel lautet, geht es um ein Gespräch mit Pater Anselm Grün. „Meinem Verlagskollegen“, wie Kohröde-Warnken sagt. Anselm Grün kannte sie schon, bevor Kohröde-Warnken im Vier-Türme-Verlag veröffentlichte, nun hatte sie die Gelegenheit, mit Grün über Hoffnung zu sprechen.

Nach der Lesung in der Galerie im Park blieb Zeit für Gedankenaustausch, und Leser ihres ersten Buches erwiesen sich als treue Gäste. Die Lesung war ihre fünfte im nahen Umfeld Rotenburgs, wo Corinna Kohröde-Warnken lebt. 15 weitere Lesungen stehen bundesweit an, und ihr drittes Buch, noch titellos soll 2018 erscheinen. Dabei wird es um die Begleitung eines Angehörigen beim Suizid eines chronisch Kranken gehen.

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