Altersarmut Immer mehr Bremer Rentner brauchen Grundsicherung

Immer mehr Bremer Rentner sind auf Grundsicherung angewiesen. Rund 8300 Menschen ab 65 Jahren mussten Ende 2013 ihre Einkommen aufstocken. Das kleinste Land ist im Bundesvergleich damit fast Spitze.
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Immer mehr Rentner in Bremen beziehen Grundsicherung. Ende 2013 bekamen gut 8300 Menschen ab 65 Jahren im kleinsten Bundesland finanzielle Unterstützung vom Staat zu ihren Einkommen hinzu. Ende vergangenen Jahres waren es noch rund 7800.

Aktuell sind das 59 von 1000 Einwohnern, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden berichtete. Damit landet Bremen hinter Hamburg (68 je 1000 Einwohner) und vor Berlin (58 je 1000 Einwohner) in der Spitzengruppe unter den Bundesländern. Die Zahl ist in der Altersgruppe ab 65 Jahre im Vergleich zum Vorjahr um gut 1300 Rentner gestiegen.

Häufig auf Grundsicherung angewiesen waren Frauen. Deutschlandweit waren 66 von 1000 Frauen auf die Aufstockung ihrer Altersversorgung angewiesen. Bei den Männern waren es 50 von 1000.

Grundsicherung beziehen können auch Jüngere wegen dauerhafter Erwerbsminderung. In Bremen waren es Ende 2013 fast 6000 Empfänger.

Nach dem Sozialgesetzbuch bekommen Menschen im Alter und bei Erwerbsminderung Grundsicherung, wenn sie ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten können. Die Höhe berechnet sich individuell. Die Grundsicherung wurde 2003 als Sozialleistung eingeführt.

50.000 Empfänger in Niedersachsen

In Niedersachsen beziehen knapp 50.000 Rentner Grundsicherung. Ende 2013 bekamen 30 von 1000 Einwohnern ab 65 Jahren zusätzlich zu ihrem Einkommen finanzielle Unterstützung, wie das Statistische Bundesamt berichtete. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr um gut 3000 Menschen in dieser Altersgruppe gestiegen.

Auch hier waren Frauen besonders häufig auf Grundsicherung angewiesen. 34 von 1000 Frauen erhielten die Zusatzzahlung. Bei den Männern waren es 26 von 1000. Fast 52.000 jüngere Menschen zwischen Göttingen und Cuxhaven konnten nicht mehr genug Geld verdienen, um ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten.

Im Westen brauchen mehr Menschen Grundsicherung als im Osten

Bundesweit stieg die Zahl der Empfänger von Grund­sicherung ab 65 Jah­ren im vergangenen Jahr um 7,4 %. Damit war eine halbe Million Menschen auf die staatlichen Leistungen angewiesen. In den westlichen Bundesländern waren 32 von 1000 Einwohnern betroffen, in den östlichen Ländern und Berlin 21 von 1000 Einwohnern.

Grüne und Linke besorgt

Die Opposition im Bundestag zeigte sich anhand der Zahlen besorgt. "Die Dynamik in der Armutsentwicklung ist mehr als Besorgnis erregend", erklärte der rentenpolitische Sprecher der Grünen, Markus Kurth. "Nach allen Prognosen wird die Altersarmut in den nächsten Jahren deutlich zunehmen, wenn jetzt nicht endlich gegengesteuert wird."

Linksfraktions-Sprecher Matthias Birkwald forderte: "Wenn wir den Trend, dass immer weniger Menschen von ihrer Rente leben können, stoppen oder sogar umkehren wollen, brauchen wir jetzt harte Maßnahmen gegen Altersarmut."

(dpa/jco)

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