Gärtner fordern härtere Strafen

Immer mehr Einbrüche in Bremer Gartenhäuser

Immer häufiger werden Kleingartenvereine Opfer von Einbrüchen. Die Anzahl der Straftaten habe sich im Winter verzehnfacht, klagt ein Gärtner aus Gröpelingen. Die Vereine fordern härtere Strafen für die Täter.
18.05.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Immer mehr Einbrüche in Bremer Gartenhäuser
Von Antje Stürmann
Immer mehr Einbrüche in Bremer Gartenhäuser

Fordern besseren Schutz vor Einbrechern (v.li.): Hanfried Meyer, Rolf Heide und Jürgen Huss in der Kleingartenanlage „Am Mittelwischweg“ in Gröpelingen.

Frank Thomas Koch

Immer häufiger werden Kleingartenvereine Opfer von Einbrüchen. Die Anzahl der Straftaten habe sich im Winter verzehnfacht, klagt ein Gärtner aus Gröpelingen. Die Vereine fordern härtere Strafen für die Täter.

Liegestühle stehen auf frischgrünem Rasen. Die Beete sind bestellt, Säcke voller Pflanzerde liegen unterm Carport bereit. Hellblauer Flieder duftet, die Kastanien stehen in voller Blüte. Die Kleingärten von Anlagen wie „Frohes Wochenende“ oder „Blüh auf“ wirken friedvoll. Doch immer öfter stören Einbrecher und dreiste Diebe das Idyll. Sie wüten, stehlen und zerstören – und treiben damit die Kleingartenvereine in den Ruin. Einige Vorsitzende fordern: Die Richter sollen die Täter schneller und härter bestrafen.

Drei Trends machen die Kleingärtner aus. Erstens kennen die Diebe keine Hemmungen – sie kommen wiederholt am helllichten Tag und sie bunkern ihr Diebesgut in einem Versteck auf dem Vereinsgelände. Auch vor schwerem Gerät machen sie nicht Halt.

Einbrüche "haben sich verzehnfacht"

Zweitens: Die Einbruchssaison beschränkt sich nicht mehr nur auf die Wintermonate. „Inzwischen“, beobachtet der Vorsitzende des Kleingartenvereins Am Mittelwischweg, Rolf Heide, „wird auch im Mai eingebrochen“, wenn die Pächter ihr Gartenhaus wieder in Beschlag genommen haben.

Drittens: Die Zahl der Einbrüche in Schuppen und Gartenhäuser ist enorm angestiegen. Im Winterhalbjahr habe sich die Anzahl Am Mittelwischweg verzehnfacht, klagt Rolf Heide. „Normal sind 10 bis 20, im vergangenen Halbjahr waren es bis zu 70.“ Hinzu kommt die Dunkelziffer.

Kettensäge, Heckenscheren und Rasenmäher geklaut

Vor drei Wochen nun hat es den Geräteschuppen des Vereins erwischt. Rolf Heide zeigt die gesplitterte Holztür, ein zerstörtes Vierbolzenschloss und das geborstene Extraschloss. „Mehr sichern geht nicht“, kommentiert Jürgen Huss, Vorsitzender des Kleingartenvereins „Blüh auf“. Auch dieser ist schon bestohlen worden. Die Diebe haben Aufsitzrasenmäher mitgenommen, eine Kettensäge, Motorheckenscheren, kleine Rasenmäher und Motorsensen. Der Schaden beläuft sich auf rund 8000 Euro.

Es war das Ende einer Serie aus drei Einbrüchen zwischen Freitag und Dienstag. „Beim ersten haben sich die Täter im Nachbargebäude Getränke bereitgestellt“, sagt Rolf Heide. „Wir haben die Getränke weggestellt, sodass die Einbrecher sie bei ihrem zweiten Einstieg nicht gefunden haben.“ In der dritten Nacht brachen sie die Geschäftsstelle des Vereins und den Geräteschuppen auf. In der derselben Nacht haben sich im Umfeld Unbekannte Zugang zu Kleingärten verschafft.

180 Mal wurde im vergangenen Jahr allein in die 310 Gärten des Vereins „Am Mittelwischweg“ in Gröpelingen eingebrochen, schätzt Rolf Heide. Manche Parzellenbesitzer waren im Winter drei, vier Mal hintereinander betroffen. Er selbst habe in zehn Jahren die Folgen von sieben Einbrüchen beseitigt. Immerhin. „Ich habe alle Fenster vergittert und weiß nicht: Schreckt das ab oder lockt das die Diebe an, weil sie denken, dort gibt es was zu holen.“

Kleingärtner pflegen städtisches Grün

Wie viele, deren Türen und Fenster aufgebrochen, deren Sachen durchwühlt oder gestohlen wurden, hat auch Rolf Heide überlegt, ob er seine Parzelle aufgibt. Inzwischen denkt er nicht mehr daran. Sein Garten ist ihm wichtig. Er weiß auch, wie wichtig die Arbeit des Vereins für die Stadt ist. Die Mitglieder pflegen 22.000 Quadratmeter städtischen Grund. Ehrenamtlich und mit Einnahmen aus 200 Euro Vereinsbeitrag pro Parzelle und Jahr. Allein das Benzin für die Rasenmäher kostet bis zu 2000 Euro. Ohne Geräte können die Gröpelinger ihre Arbeit nicht mehr machen: „Soviel Geld haben wir nicht in den Vereinskassen, dass wir sie ersetzen können“, sagt Jürgen Huss.

Für Einbruchschäden zahlt die Versicherung seit Anfang des Jahres nicht mehr. „Die 17.000 Mitglieder im Landesverband sind rausgeflogen“, sagt Rolf Heide. „Zu hohe Kosten.“ Jeder Parzellenbesitzer muss sich nun selbst versichern. „Viele können sich die rund 100 Euro im Jahr nicht leisten, weil sie von Hartz IV leben“, sagt er.

Die Stimmung kippt

Die Täter juckt das nicht. Ihre Maschen reichen von „recht unprofessionell“ bis gewieft. „Manche steigen in fünf nebeneinander stehende Hütten ein und nehmen Alkohol oder Konserven mit“, sagt Huss. „Andere wissen offenbar genau, in welcher Nacht ein Kleingärtner sein Werkzeug im Gartenhaus lässt.“ In einigen Fällen beschleicht die Gartenfreunde der Verdacht, „die Diebe richten sich in der Anlage ein“, so Rolf Heide. „Da werden ganze Küchen ausgeräumt“, es werden Bestecke und Salzstreuer gestohlen. „Der beim Aufbrechen angerichtete Schaden ist oft deutlich höher als der Wert dessen, was gestohlen worden ist“, sagt der Vorsitzende des Landesverbandes der Gartenfreunde August Judel. Das sei besonders ärgerlich.

Schmerzlicher noch ist für Rolf Heide, dass sich das Wesen des Kleingartens langsam verändert. „Wir haben Zäune weggerissen, wir sind ein Kleingartenpark für alle geworden.“ Inzwischen aber werde jeder Unbekannte misstrauisch beäugt. Die Stimmung kippt. „Das wollen wir nicht, wir wollen offen sein“, beteuert Heide.

"Wir haben das Gefühl, wir werden nicht ernst genommen"

Bestraft, so der Eindruck der Kleingartenbesitzer, wird selten ein Einbrecher und wenn, dann erst Jahre nach seiner Tat. „Wir haben das Gefühl, wir werden nicht ernst genommen, weil es nur um Garten- und nicht um Wohnhäuser geht“, sagt Rolf Heide, „als Bürger fühlen wir uns nicht richtig geschützt.“ Der Polizei wollen Rolf Heide, Hanfried Meyer vom Verein Morgenland und Jürgen Huss keinen Vorwurf machen, aber sie nehmen „Politik und Justiz“ in die Pflicht. „Die Täter müssen schnell merken, dass sie etwas falsch gemacht haben und dafür bestraft werden“, fordert Meyer.

August Judel weiß: Einige Gartenfreunde installieren Kameras auf ihren Parzellen, „damit die Polizei die Täter identifizieren kann und sie das Geld für die Schäden bekommen.“ Am Mittelwischweg wollen sie die Anlage auf lange Sicht sanieren. Zugewucherte Ecken sollen dunklen Gestalten keinen Rückzug bieten. Im Verein Am Mittelwischweg überlegt der Vorstand, ob er eine Alarmanlage installiert.

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