Fast 1200 Mitarbeiter sind nicht bei der Bildungsbehörde angestellt / Linke und Personalrat kritisieren Leiharbeit

Immer mehr extern Beschäftigte an Schulen

Bremen. Wer an einer Schule arbeitet, ist Lehrer und bei der Behörde angestellt. Das ist das klassische Modell.
18.01.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Immer mehr extern Beschäftigte an Schulen
Von Sara Sundermann

Wer an einer Schule arbeitet, ist Lehrer und bei der Behörde angestellt. Das ist das klassische Modell. Ein Modell, das längst nicht mehr für alle Beschäftigten an Bremens Schulen gilt. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Berufen: Übungsleiter von Sportvereinen machen Bewegungsangebote, Erzieherinnen und Sozialarbeiter übernehmen Schülerbetreuung am Nachmittag und Assistenzkräfte begleiten behinderte Kinder in den Unterricht.

Derzeit sind etwa 1180 Schulmitarbeiter bei externen Trägern angestellt, zum Beispiel bei sozialen Verbänden, aber auch beim Verein Stadtteilschule und bei 24 Schulvereinen. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Große Anfrage der Linksfraktion in der Bürgerschaft hervor. Insgesamt gibt es nach Schätzung des Personalrats Schulen mehr als 7000 Mitarbeiter an stadtbremischen Schulen. Die Linke kritisiert das: „Der Ausbau von Bremens Schulen wird von Leiharbeit getragen, insbesondere der Aufbau von Ganztagsschulen und verlässlichen Grundschulen“, sagt die Fraktionsvorsitzende Kristina Vogt. Sie wendet sich nicht generell dagegen, dass extern Beschäftigte an Schulen arbeiten, sondern moniert, dass diese Daueraufgaben übernähmen. Ihr zufolge werden mehr als 100 Minijobber an Ganztagsschulen geschickt, zum Beispiel für Hausaufgabenbetreuung. Vogt kritisiert auch, dass ehrenamtliche Übungsleiter von Sportvereinen im Sportunterricht eingesetzt würden. Und es gebe sehr viele Lehrkräfte, die regulären Unterricht leisten, aber nicht bei der Behörde angestellt seien.

„Leiharbeit ist zum festen Bestandteil an Schulen geworden“, so Vogt. Besonders kritisiert sie, dass auch Mitarbeiter, die gegenüber der Schulleitung weisungsgebunden seien, bei Schulvereinen beschäftigt sind. Diese Arbeitnehmerüberlassung übergehe zum Teil geltende Vorschriften, so Vogt. „Das ist eine Grauzone.“

Die Schulvereine wurden laut Arno Armgort vom Personalrat Schulen ursprünglich häufig zur Unterstützung der Schulen gegründet. Vereinsmitglieder sind häufig Eltern, einige Lehrer und ehemalige Schüler. Die Vereine sollten normalerweise dabei helfen, ein Schulfest zu organisieren oder eine besondere Theatervorführung vorzubereiten, so Armgort. Inzwischen seien sie oft zu Arbeitgebern geworden.

Der Personalrat kritisiert seit Längerem, dass immer mehr Mitarbeiter an Schulen prekär beschäftigt seien. „Häufig gibt es befristete Verträge und nicht ausreichend Sicherheit“, so Armgort. Außerdem gebe es für die extern Beschäftigten keine betriebliche Altersvorsorge. „Die Abwanderung ist sehr groß: Sobald Kollegen, die bei Schulvereinen arbeiten, ein besseres Angebot bekommen, sind sie weg – das führt zu einer hohen Fluktuation.“ Es geht weniger um Bezahlung – diese soll sich laut einer Vereinbarung mit der Behörde nach dem Tarif für den öffentlichen Dienst richten.

Die Bildungsbehörde betont, die Arbeitnehmerüberlassung an Schulvereine sei erlaubt: „Wir übergehen keine geltenden Vorschriften“, sagt Behördensprecherin Annette Kemp. „Dennoch wollen wir vor allem die Schulvereine auf Sicht von dieser Aufgabe entlasten und in den öffentlichen Dienst übernehmen.“ Sie beschreibt die Angebote von extern Beschäftigten an Ganztagsschulen als etwas Positives: „Wir wollen, dass Schulen im Stadtteil verankert bleiben.“ Ehrenamtliche oder knapp vergütete Hausaufgabenhilfen und Sportangebote der örtlichen Vereine in Schulen seien auch unter dem Gesichtspunkt guter Arbeit nach wie vor gewollt.

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