Gesundheitsämter raten zur Impfung Immer mehr Grippefälle in Bremen und Niedersachsen

Die Grippewelle hat Bremen und Niedersachsen im Griff: Die Gesundheitsämter raten auch jetzt noch zur Impfung. Was man ansonsten tun kann.
17.02.2019, 19:42
Lesedauer: 4 Min
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Immer mehr Grippefälle in Bremen und Niedersachsen
Von Sabine Doll

Es ist verrückt: Sonne satt, stahlblauer Himmel, Temperaturen im zweistelligen Bereich. Und das mitten im Winter. Trotz des gefühlten Frühlings: Gerade im Februar haben Grippe-Erkrankungen Hochkonjunktur, und dabei macht der Februar 2019 keine Ausnahme. Wie der Rest der Republik stecken Bremen und Niedersachsen mitten in der Grippewelle, vor allem seit der vergangenen Woche steigen die gemeldeten Influenzafälle. Ein Überblick – und wie man sich jetzt noch schützen kann:

Wie viele Grippefälle gibt es zurzeit in ­Bremen?

In der siebten Kalenderwoche (11. bis 17. Februar) sind dem Bremer Gesundheitsamt 50 Grippefälle gemeldet worden, wie die Sprecherin der Gesundheitsbehörde, Christina ­Selzer, auf Nachfrage des WESER-KURIER bestätigt. In der Woche davor waren es 36 und in der fünften Kalenderwoche mit 22 Fällen noch deutlich weniger. Anfang Dezember hat das Gesundheitsamt die ersten Grippefälle der diesjährigen Saison registriert, seitdem wurden insgesamt 125 Fälle erfasst. Zum Vergleich: „In diesem Zeitraum der Grippesaison 2017/2018 wurden 128 Erkrankungsfälle gemeldet. Bislang ist der Beginn der letzten und der aktuellen Saison bezüglich der gemeldeten Fälle damit fast identisch“, so die Behördensprecherin.

Und wie ist die Lage in Niedersachsen?

In Niedersachsen sind bereits sieben Menschen an den Folgen einer Grippeerkrankung gestorben. Auch im Nachbarbundesland nimmt die Influenzawelle Woche für Woche deutlich an Fahrt auf: In der sechsten Kalenderwoche wurden dem Gesundheitsamt 664 Grippefälle gemeldet, seit Anfang Oktober – dem offiziellen Beginn der Influenzasaison – hat die Behörde 1447 Erkrankungen registriert. „Allerdings müssen wir davon ausgehen, dass die tatsächliche Zahl der Erkrankungen höher liegt – so wie in jedem Jahr“, betont Holger Scharlach vom niedersächsischen Landesgesundheitsamt. „Nicht jeder Erkrankte geht zum Arzt, weshalb nicht jeder Grippefall im Labor nachgewiesen und gemeldet wird.“ Die Behörde veröffentlicht immer dienstags auf ihrer Homepage www.nlga.niedersachsen.de einen Wochenbericht zur aktuellen Lage.

Wann wird der Höhepunkt der Grippewelle erreicht?

„Eine Prognose ist schwierig, da die Zahl der Grippeerkrankungen von Saison zu Saison stark schwanken kann“, betont Scharlach. „Die aktuelle Saison hat später begonnen, allerdings befinden wir uns aktuell auf einem ähnlichen Niveau, was den Anstieg der gemeldeten Influenzafälle betrifft.“ Die Saison 2017/18 fiel besonders heftig aus: Bundesweit wurden der Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin rund 335 000 Influenzafälle gemeldet, rund 1700 Menschen starben – in 87 Prozent der Fälle waren die Betroffenen 60 Jahre oder älter. Das Bremer Gesundheitsamt registrierte in der außergewöhnlich schweren Saison 530 durch das Labor nachgewiesene Erkrankungen – in der Saison davor waren es 187, Todesfälle gab es nicht.

Macht es jetzt noch Sinn, sich impfen zu ­lassen?

„Da Verlauf und Dauer einer Grippewelle nicht vorhersagbar sind, kann es selbst zu Beginn oder im Verlauf der Grippewelle noch sinnvoll sein, die Impfung nachzuholen“, sagt die Bremer Behördensprecherin. Um einen rechtzeitigen Schutz gegen Influenza entwickeln zu können, dauere es nach der Impfung etwa zehn bis 14 Tage, bis der Immunschutz vollständig aufgebaut sei. Die empfohlenen Impfmonate für Influenza seien daher Oktober und November. „Da die Grippesaison bis März und April anhalten kann, ist das jetzt durchaus noch eine Option – auf jeden Fall für Menschen, die zur sogenannten Risikogruppe gehören“, betont der Sprecher des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes.

Gibt es überhaupt noch Impfstoff, nachdem Apotheken und Ärzte im Herbst schon Engpässe gemeldet hatten?

In Bremen gibt es laut Gesundheitsbehörde aktuell keinen Versorgungsengpass. Zusätzliche Mengen eines Impfstoffs stünden seit Anfang Februar zur Verfügung. Auch in Bremen und Niedersachsen hatte es vereinzelt Lieferprobleme gegeben. Als einen Grund dafür nannten Behörden, dass bundesweit die Nachfrage in dieser Saison besonders groß sei: Das könne an dem neuen Vierfach-Impfstoff liegen, der gegen vier Virenstämme schützt. Er wird seit April von der Ständigen Impfkommission empfohlen, der Dreifachimpfstoff aus der vergangenen Saison hatte diesen Schutz nicht. Das niedersächsische Gesundheitsministerium hatte aufgrund der Lieferengpässe rund 135 000 Impfstoff-Dosen aus den Niederlanden importiert.

Wem wird die Impfung empfohlen?

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt vor allem älteren und chronisch kranken Menschen, sich impfen zu lassen. Ihr Immunsystem sei bereits geschwächt, sodass sie anfälliger für einen schweren Verlauf und Komplikationen wie Lungenentzündungen seien. Das Berliner Institut weist darauf hin, dass die Grippe allein selten unmittelbar zum Tode führe, sondern vor allem in Verbindung mit anderen Erkrankungen. Auch Schwangeren empfiehlt das Institut eine Impfung ab dem zweiten Trimenon. Eine Empfehlung gibt es auch explizit für medizinisches Personal: um sich selbst zu schützen, aber auch um die Weiterverbreitung der Viren in Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern zu verhindern.

Wie kann man sich ansonsten schützen?

Grippeviren werden vor allem per Tröpfchen übertragen – beim Niesen oder Husten etwa. Deshalb sollte man Menschenmengen, zum Beispiel in Bus oder Bahn, in der Grippesaison möglichst meiden. Also: Abstand halten. „So könnten Großeltern den Besuch bei ihren Enkelkindern verschieben, wenn diese gerade eine akute Atemwegserkrankung haben“, nennt das Robert-Koch-Institut als Beispiel. Der zweite wichtige Tipp: sorgfältige Händehygiene. Noch öfter und gründlicher als sonst sollten die Hände gewaschen werden, um das Risiko einer Infektion zu vermindern.

Woran erkennt man eine Grippe?

Bei einem typischen Verlauf beginnt eine Influenza nach Auskunft des Robert-Koch-Instituts schlagartig mit Fieber, Muskel- oder Kopfschmerzen und einem schweren Krankheitsgefühl. Allerdings erkrankten nicht alle Infizierten so typisch: Etwa ein Drittel der Infizierten erkranke mit den genannten Symptomen, ein Drittel zeige eine mildere Symptomatik (wie bei Erkältungs­krank­hei­ten) und ein Drittel entwickele gar keine Symptome. Die Krankheitsdauer liege in der Regel bei fünf bis sieben Tagen, je nach Komplikationen und Risikofaktoren könne dies auch deutlich länger sein.

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Was kann man tun, wenn man erkrankt ist?

Eine typische Grippe-Behandlung gibt es laut der Gesundheitsämter nicht. Mit Schmerzmitteln könnten etwa Symptome gelindert werden. Vor allem seien Ruhe, Erholung und viel Flüssigkeit wichtig. Wer zur Risikogruppe gehöre, sollte einen Arzt kontaktieren.

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