Vier Bauvorhabe in einem Jahr verwirklicht Immer mehr Hoteliers setzen auf Bremen

Bremen. Ein neues Hotel und noch eines, so viele davon, dass Bremen sich langsam zur Bettenburg mausert. Am vergangenen Wochenende war es das Courtyard by Marriott am Bahnhof, kurz davor das Atlantic Grand Hotel am Bredenplatz, davor noch zwei weitere.
04.08.2010, 06:00
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Immer mehr Hoteliers setzen auf Bremen
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Ein neues Hotel und noch eines, so viele davon, dass Bremen sich langsam zur Bettenburg mausert. Am vergangenen Wochenende war es das Courtyard by Marriott am Bahnhof, kurz davor das Atlantic Grand Hotel am Bredenplatz, davor das Holiday Inn am Flughafen und schließlich das prizeotel an der Bürgerweide. Alles in nur einem Jahr. Gibt der Markt das her oder ist er heute schon übersättigt?

Das Courtyard hat sich ein schönes Plätzchen ausgesucht. Es ist zu einem guten Teil im ehemaligen Lloydbahnhof untergebracht, ein fast 100-jähriges Gebäude, in dem früher die Transatlantikreisenden abgefertigt wurden. Die Klinkerfassade mit ihren neobarocken Elementen steht unter Denkmalschutz, innen drin ist von der alten Pracht allerdings nichts mehr übrig geblieben.

An Charme hat das Hotel deswegen nicht verloren. Es ist ein modernes, geräumiges und sehr klar strukturiertes Haus, das im Foyer geschickt die alte Fassade des Lloydbahnhofs integriert und auch sonst, zum Beispiel mit den großformatigen Schwarz-Weiß-Bildern aus der glorreichen Lloyd-Zeit, Bezüge zur Geschichte herstellt. Ein Gewinn für Bremen, mindestens von der Optik her.

Wieder wird mit dem neuen Hotel im oberen Segment nach Gästen gefischt. Das Courtyard by Marriott hat vier Sterne, so wie etliche andere Häuser verteilt über die ganze Stadt. Ein Sternchen obendrauf haben das Hilton, das Maritim und das Atlantic Grand Hotel - Vier-Sterne-Plus, sagt man dazu. Mit einem ganzen Stern mehr können nur noch das Park Hotel und das Swissotel punkten. Am anderen Ende der Skala liegt zum Beispiel das prizeotel an der Theodor-Heuss-Allee, ein bis ins letzte Detail durchgestyltes Design-Hotel mit sehr viel Pfiff und zwei Sternen auf der Haube.

Nach Zahlen der Bremer Touristik-Zentrale (BTZ), die sich wiederum auf Daten des Statistisches Landesamtes beruft, liegt die Zahl der Hotelbetten mittlerweile bei 8000, verteilt auf 74 Betriebe. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es 66 Betriebe mit 7100 Betten. Bremen, so die BTZ, liegt bei einer Bettenauslastung von 43 Prozent deutlich über dem Durchschnitt in Deutschland (36 Prozent). Spitzenreiter seien Städte wie München (54 Prozent), Hamburg (53 Prozent) und Berlin (50 Prozent).

Die Branche also wächst in Bremen und sie kann es, vertraut man der BTZ-Bewertung, offenbar vertragen. 'Ich wünsche mir noch weitere Hotels', sagt BTZ-Chef Peter Siemering. Bei Tagungen und Kongressen sei der Standort, was die Unterbringungsmöglichkeiten der Gäste angehe, mittlerweile ausgereizt. 'Für noch größere Veranstaltungen als der Weltraum-Kongress oder die Psychologen-Tagung mit jeweils mehr als 4000 Teilnehmern können wir uns schon gar nicht mehr bewerben, dafür gibt es schlicht nicht genügend Hotels', so Siemering weiter. Er hält eine Steigerung von heute 8000 Betten auf 10000 Betten im Jahr 2015 für 'durchaus verkraftbar'. Allerdings weniger im Vier-Sterne-Bereich, 'davon haben wir genug', sondern mehr in den Nischen, zum Beispiel für Jugendliche, Behinderte, Familien oder Senioren.

Vergangenes Jahr wurden in der Stadt gut 1,3 Millionen Übernachtungen gezählt, im Jahr 2000 lag diese Zahl noch bei gut 1,1 Millionen. Ein Trend im Städtetourismus, der sich nach Siemerings Worten in diesem Jahr kräftig fortsetzt. Er rechnet mit einem weiteren Zuwachs von mindestens fünf Prozent.

Alles bestens, sollte man meinen, doch diejenigen, bei denen diese erfolgreiche Entwicklung am meisten Früchte tragen müsste, reagieren eher verhalten oder gar skeptisch. Weitere Hotels in Bremen, noch mehr davon? Nein, sagt Thomas Schlüter, 'es reicht jetzt wirklich.' Der Landesgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) kommt zu ganz anderen Zahlen und damit auch Bewertungen als die BTZ. Demnach gibt es in Bremen heute schon 9300 Hotelbetten, gut 1000 davon seien ganz aktuell innerhalb nur eines Jahres auf den Markt gekommen. Schlüter hat bei seinen Mitgliedern nachzählen lassen.

Der Verbands-Chef warnt davor, die Erfolge im Städtetourismus überzubewerten. 'Es gibt ein großes Glück in Bremen', sagt er, 'und das Glück heißt Ryanair'. Die große Masse von Flugtouristen, die mit dem Billiganbieter nach Bremen kommen. Gefährlich, meint Schlüter, sich darauf zu verlassen, dass es so weitergeht. Dass bei den Hotels eine Grenze erreicht ist, glaubt er bei den Investoren zu spüren. 'Nee, nee', sagen die zu mir, 'in Bremen besser nicht mehr'.

Pläne, die Bettenkapazitäten in Bremen noch weiter zu erhöhen, gibt es trotzdem. So ist am Eingang zur Überseestadt, direkt neben dem Weser Tower, ein neues Hotel vorgesehen. Der Projektentwickler Siedentopf hat angekündigt, noch in diesem Jahr einen Betreiber bekanntzugeben. Im Schwange ist an anderer Stelle in der Überseestadt dem Vernehmen auch ein Hostel für Rucksacktouristen - dass es Bedarf für so etwas gibt, sieht man an der ständig ausgebuchten Jugendherberge, oder, ganz woanders, an dem Erfolg des Hamburger Hostel-Projektes 'Superbude'.

Schlüter oder Siemering, wer hat recht? Wer schätzt die Lage des Hotelgewerbes richtig ein? Der Dehoga-Geschäftsführer, getrieben vielleicht auch von dem Gedanken, seine Mitglieder vor Konkurrenz zu schützen? Oder der BTZ-Chef, dem es gar nicht schnell genug gehen kann mit der touristischen Entwicklung in Bremen und der deshalb bei den Hotels wohl am liebsten Vorratshaltung betreiben würde?

Siemering erzählt von etlichen Anfragen von Investoren wegen neuer Hotels in der Stadt. In der City, am Flughafen, in der Überseestadt, am Autobahndreieck, überall. Wird nur ein Bruchteil davon wahr, wächst die Bettenburg in Bremen noch ein gutes Stück weiter.

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