Studie

Immer mehr Polizisten werden Opfer von Gewalt

Bremen. Polizisten werden immer häufiger angegriffen. Insbesondere bei Einsätzen wegen familiärer Streitigkeiten und bei Demonstrationen rücken sie schneller ins Visier von Gewalttätern. Das geht aus einer Studie hervor.
27.05.2010, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Arno Schupp

Bremen. Polizisten werden immer häufiger angegriffen. Insbesondere bei Einsätzen wegen familiärer Streitigkeiten, bei Demonstrationen und bei Einsätzen im Zusammenhang mit Alkohol rücken sie schneller ins Visier von Gewalttätern. Das geht aus einer jetzt in Auszügen vorliegenden Studie hervor, die das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen im Auftrag von zehn Bundesländern - darunter auch Bremen - erarbeitet hat. Heute wird Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) die Vorab-Ergebnisse mit seinen Länderkollegen in Hamburg beraten.

Was Polizisten während ihrer Einsätze passieren kann, hat sich gerade erst in Bremen gezeigt: Am Himmelfahrtstag gab es im Niederblockland eine Schlägerei nach der anderen. Beamte der Bereitschaftspolizei und der Schutzpolizei sowie Ordnungshüter aus der Landesreserve befanden sich praktisch im Dauereinsatz, um die teilweise stark alkoholisierten Streithähne zu trennen, 26 Randalierer wurden festgenommen. Bei dem Dauereinsatz wurden jedoch auch die Beamten zur Zielscheibe. Die Ausschreitungen gegenüber Sanitätern und Polizisten erreichten eine 'neue Qualität', wie ein Polizeisprecher urteilte.

Für die aktuelle Gewaltstudie hat rund ein Viertel der Polizeibeamten aller zehn beteiligten Länder Fragebögen ausgefüllt und Auskunft gegeben, welche Erfahrungen sie zwischen 2005 und 2009 mit Gewalt gemacht hatten. In Bremen waren es nach Angaben der Innenbehörde sogar 41 Prozent der Polizisten. Zur Sprache kamen dabei unter anderem Verletzungen, psychische und psychosomatische Beschwerden. Besonders stark zugenommen haben demnach Fälle mit Verletzungen, bei denen die Beamten einen bis sechs Tage dienstunfähig waren (Plus 93,5 Prozent). Bei schweren Verletzungen mit mindestens siebentägiger Dienstunfähigkeit gab es einen Anstieg um 60,1 Prozent. Gefährlich sind laut Studie besonders drei Einsatzarten: Demonstrationen, familiäre Streitigkeiten und Einsätze, 'in denen Alkohol im Spiel ist, wie sich jüngst im Blockland zeigte', kommentierte Mäurer.

Die Grundaussagen der Studie überraschen zwar nicht wirklich, denn mit einer Zunahme der Gewalt in diesen drei Feldern war zu rechnen. Gleichwohl ist die Untersuchung noch lange nicht ausformuliert. Dazu habe die 'knappe Zeit' zwischen dem Abschluss der Befragung und der Innenministerkonferenz nicht gereicht, heißt es von den Verfassern der Gewaltstudie. Bis zur nächsten Innenministerkonferenz im November sollen weitere Daten und Analysen auf dem Tisch liegen.

Doch auch mit dem jetzigen Vorab-Bericht lasse sich arbeiten, findet Ulrich Mäurer. Die Innenminister hätten damit erstes 'profundes Material, das die Entwicklung zeigt'. Und dieses Material müssten die Innenminister Punkt für Punkt durcharbeiten, um Strategien zu entwickeln, wie dem Anstieg der Gewalt begegnet werden kann. Er verfolge dabei allerdings einen etwas anderen Ansatz als einige seiner Länderkollegen, erklärte Senator Mäurer gestern. 'Wir wollen deeskalierend vorgehen und setzen auf Prävention.' Schärfere Gesetze gegen Gewalttäter, wie sie in anderen Bundesländern gefordert würden, 'lösen das Problem nicht. Schärfere Gesetze alleine verhindern keine Straftaten', betonte Mäurer.

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