Grundstücksmarktbericht für Bremen

Immobilienpreise in normalen Stadtlagen steigen stark an

Wer sich in Bremen in Stadtteilen wie Walle, Findorff oder Woltmershausen nach Immobilien umsieht, muss tiefer in die Tasche greifen: Für bestehende Objekte sind die Preise stark angestiegen.
11.04.2018, 18:30
Lesedauer: 3 Min
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Immobilienpreise in normalen Stadtlagen steigen stark an
Von Frank Hethey

Wer sich in normalen Stadtlagen nach Immobilien umsieht, muss neuerdings tiefer in die Tasche greifen: Für bestehende Objekte sind die Preise in Stadtteilen wie Walle, Findorff oder Woltmershausen stark angestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr legten die Preise 2017 bei Doppelhaushälften und Einfamilienhäusern um rund 13 Prozent zu. Das geht aus dem neuen Grundstücksmarktbericht 2018 hervor. Von einer „Ausweichbewegung“ spricht Ernst Dautert, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte. Sein Fazit: „Während in den bevorzugten Stadtteilen nicht alle Preise nach oben gingen, sind überall sonst durchgängig steigende Preise zu beobachten.“

Bemerkbar macht sich diese Entwicklung beim Weiterverkauf von Reihenhäusern, dem am stärksten vertretenen Marktsegment im Bereich der Einfamilienhäuser. Im Durchschnitt mussten die Käufer 218 000 Euro auf den Tisch legen, ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein überproportionaler Preisanstieg ist in Findorff zu verzeichnen. Lag der Kaufpreis je Quadratmeter Wohnfläche 2016 noch bei knapp unter 2100 Euro, so schnellte er 2017 auf über 2400 Euro empor. Eine ähnliche Tendenz lässt sich in den Stadtlagen Süd und Ost beobachten, wenn auch auf deutlich geringerem Niveau. Im Osten (Hemelingen, Vahr, Osterholz) erreichte der Kaufpreis je Quadratmeter ein neues Rekordhoch von knapp 1700 Euro, nahezu gleichauf lagen die Preise im Süden (Woltmershausen, Huchting, Neustadt, Obervieland). Auch im Westen (Walle, Gröpelingen) und Norden (Blumenthal, Vegesack, Burglesum) zogen die Preise für Reihenhäuser an, allerdings kosteten sie beim Weiterverkauf rund 400 Euro pro Quadratmeter weniger.

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Eine vergleichbare Entwicklung vollzieht sich bei Eigentumswohnungen. Besonders auffällig ist der Preisanstieg bei Eigentumswohnungen, die ursprünglich als Mietwohnungen im Geschosswohnungsbau errichtet worden sind. In diesem Teilsegment stiegen die durchschnittlichen Kaufpreise gegenüber dem Vorjahr um 16,3 Prozent, in normalen Stadtlagen sogar um 21 Prozent. „Hier ist zu beobachten, dass das Preisniveau für ehemalige umgewandelte Sozialwohnungen gegenüber ‚echten‘ Eigentumswohnungen überproportional anzieht“, sagt Dautert. Das gelte für bevorzugte wie auch normale Stadtlagen. „In beiden Kategorien werden 2017 neue Höchststände erreicht.“ Noch drastischer stiegen die Preise beim Verkauf von Eigentumswohnungen, die als solche auch ursprünglich gebaut wurden – in normalen Stadtlagen um 16,7 Prozent, in bevorzugten um 17,6 Prozent. „Dagegen sind die Preise bei neuen Eigentumswohnungen nur noch geringfügig gestiegen“, so Dautert.

Von „gewissen Verlagerungstendenzen“ spricht Bernd Richter, Landesgeschäftsführer der Eigentümergemeinschaft Haus und Grund. Diese seien immer dann zu beobachten, wenn bestimmte Stadtteile für Normalverdiener nicht mehr finanzierbar seien. Als Beispiele nennt Richter die Neustadt und Walle – beides Stadtteile, in denen Immobilien immer teurer würden. Als bevorzugte Lagen gelten bislang Stadtteile wie Schwachhausen, Oberneuland, Horn-Lehe oder Borgfeld. Doch die Frage sei, ob das so bleibe. „Die bevorzugten Lagen verlagern sich immer mehr zum Rande. Es entstehen Ausweichquartiere, man geht jetzt durchaus auch nach Walle.“ Womit keineswegs nur die Überseestadt gemeint ist. Nur der Stadtnorden könne von dieser Entwicklung bis jetzt nicht profitieren.

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Im Vergleich mit Städten von einer ähnlichen Größenordnung fällt das Preisniveau in Bremen laut Dautert nicht aus dem Rahmen. Bei Erstverkäufen seien in Bremen durchschnittlich 4000 Euro pro Quadratmeter zu zahlen. Günstiger sei der Immobilienerwerb nur in Leipzig mit 3740 Euro, während das Preisniveau in Hannover (4250) und Nürnberg (4400) höher ausfalle. Bei Weiterverkäufen müssen Interessenten 2000 Euro pro Quadratmeter rechnen. Der gleiche Preis gilt für Hannover, deutlich teurer ist Nürnberg (2300), deutlich günstiger Leipzig (1570).

Von einer „weiterhin hohen Dynamik“ auf dem Grundstücksmarkt spricht Baustaatsrat Jens Deutschendorf. Die günstigen Zinsen machten es attraktiv, in Immobilien zu investieren. „Das wirkt sich natürlich auch auf die Preise aus.“ Gleichwohl sieht Deutschendorf keine „extreme Schieflage“ im Markt. Der werde von Bremen durch das nötige Baurecht und Eigentumsförderungen angemessen begleitet und flankiert.

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