Nach Masern-Ausbruch in Berlin Impfberatung vor Kita-Besuch wird Pflicht

Eltern, die ihre Kinder für den Besuch von Kindergarten oder Kita anmelden, müssen künftig einen Nachweis über eine Impfberatung vorlegen. Ansonsten kann ein Kind nicht aufgenommen werden.
22.06.2015, 00:00
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Impfberatung vor Kita-Besuch wird Pflicht
Von Sabine Doll

Eltern, die ihre Kinder für den Besuch von Kindergarten oder Kita anmelden, müssen künftig einen Nachweis über eine Impfberatung vorlegen. Ansonsten kann ein Kind nicht aufgenommen werden.

Und: Kommt es in einer Einrichtung zu einem Masernausbruch, dürfen Gesundheitsämter ungeimpfte Kinder und Erwachsene vom Besuch einer Kita, Schule oder Hort ausschließen. Das sind Kernpunkte des Präventionsgesetzes, das der Bundestag am Donnerstag beschlossen hat. Es soll den Druck auf Eltern erhöhen, die es mit dem Impfschutz ihrer Kinder nicht so genau nehmen oder Impfungen aus ideologischen Gründen ablehnen.

„Das ist ein wichtiger Schritt, um Impflücken zu schließen“, sagt Stefan Trapp, Vorsitzender des Bremer Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. „Denn bei Impfungen geht es auch immer darum, andere zu schützen. Das ist vielen Eltern nicht klar, die ihre ungeimpften Kinder in Kita oder Schule schicken.“ Dass Eltern jetzt quasi gezwungen werden, sich in einer verpflichtenden Beratung mit dem Thema Impfung auseinanderzusetzen, hält er für „absolut sinnvoll“. „Damit dürften viele erreicht werden, die nicht so sehr auf den Impfschutz ihrer Kinder achten und nicht um die Gefahren einer Maserninfektion wissen.“ Er ist überzeugt, dass dies die Impfquote bei Masern, die in Bremen ohnehin über 90 Prozent liege, noch einmal steigern werde. Eine generelle Impfpflicht, die immer wieder einmal gefordert wird, lehnt der Kinderarzt dagegen ab. Das Gesetz soll voraussichtlich ab Januar in Kraft treten.

„Wir erleben einen Ausbruch, wie wir ihn bisher nicht kannten“

Aktueller Anlass für die Impf-Offensive ist ein Massenausbruch von Masern in Berlin: Seit Herbst vergangenen Jahres haben sich in der Bundeshauptstadt rund 1300 Menschen angesteckt, ein Kind ist an den Folgen gestorben. Zwar ebbe die Welle langsam ab, dennoch sei der Ausbruch längst nicht überstanden, betonte der Berliner Gesundheitssenator Mario Czaja Ende vergangener Woche im Rahmen einer Nationalen Impfkonferenz. Jede Woche würden sich in Berlin im Schnitt zehn Menschen mit Masern infizieren. „Wir erleben einen Ausbruch, wie wir ihn bisher nicht kannten“, so Czaja. Damit sich solche Ausbrüche nicht wiederholen, bekommen die Bundesländer mit dem Präventionsgesetz mehr Befugnisse. In den Behörden muss nun geklärt werden, wie der Nachweis über eine Impfberatung konkret aussehen soll. „Theoretisch wäre denkbar, dass Eltern bei der Kita-Anmeldung das Vorsorgeheft vorlegen. Darin ist eingetragen, ob und welche Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt wahrgenommen wurden“, sagt Bernd Schneider, Sprecher der Bremer Sozialbehörde. Bei diesen Untersuchungen werde über Impfungen beraten sowie der Impfstatus erhoben. „Eine andere Option wäre eine eigene Bescheinigung über die Impfberatung“, so Schneider.

Die Kontrolle der Nachweise liegt bei den Kitas. Carsten Schlepper vom Landesverband Evangelischer Tageseinrichtungen unterstützt die Offensive der Bundesregierung, auch wenn sie einen zusätzlichen Verwaltungsaufwand bedeutet: „Impfen ist ein wichtiges Thema. Eltern sollten umfassend darüber informiert werden, welche Impfungen es gibt und was es bedeutet, wenn ihr Kind nicht geimpft ist.“

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