Corona-Pandemie Warum Vorerkrankte noch auf Impftermine warten müssen

Die Krankenkassen in Bremen könnten Menschen mit Vorerkrankungen zeitnah zur Impf-Terminvergabe einladen. Der Startschuss muss warten, weil eine explizite Regelung des Bundes fehlt, so die Behörde.
05.02.2021, 05:00
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Warum Vorerkrankte noch auf Impftermine warten müssen
Von Sabine Doll

Zurzeit wird vor allem in Pflegeheimen, Kliniken und in der Altersgruppe der über 80-Jährigen gegen das Coronavirus geimpft. Mit den angekündigten Lieferungen des Impfstoffs von Astra-Zeneca, der in Deutschland für unter 65-Jährige empfohlen wird, steht nun ein weiteres Mittel zur Verfügung. Damit soll auch der Kreis derjenigen erweitert werden, die außerhalb der Altersgruppen zur Terminvergabe für die Impfung eingeladen werden: Menschen mit Vorerkrankungen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf bei Covid-19 haben.

Terminvergabe ist zeitnah möglich

„Wir könnten zeitnah mit der Terminvergabe beginnen“, sagt der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Lukas Fuhrmann. „Die Frage, wie diese Menschen ermittelt und benachrichtigt werden, ist aus unserer Sicht vom Prinzip klar, nämlich über die Krankenkassen. Das ist der schnellste, unkomplizierteste und sinnvollste Weg.“

Bei den Impfberechtigten, die über das Alter identifiziert und benachrichtigt werden, geschieht dies anhand der Geburtsdaten aus dem Melderegister. Bei Menschen mit Vorerkrankungen ist dies nicht möglich. „Weil wir darauf keinen Zugriff haben, auch aus datenschutzrechtlichen Gründen, und dabei soll es auch bleiben“, sagt der Behördensprecher. Sinnvoll sei deshalb der Weg über die Krankenkassen; vor allem auch, weil mit gezielten Benachrichtigungen verhindert werde, dass Tausende Menschen in die Arztpraxen strömten, um sich dort ein ärztliches Attest ausstellen zu lassen. „Das wäre der Gau, und zwar für alle Beteiligten“, so Fuhrmann.

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Mit der AOK Bremen/Bremerhaven als größte Krankenkasse des Bundeslandes ist dafür ein Kooperationspartner im Boot, der „in den Startlöchern sitzt“, wie deren Sprecher Jörn Hons betont. „Wir könnten in der kommenden Woche damit beginnen, unsere Versicherten mit Vorerkrankungen und Behinderungen zum Impfen einzuladen.“ Seit Jahresbeginn arbeite die Kasse eng mit der Behörde, dem Gesundheitsamt und der privaten Unternehmer-Initiative „Bremen impft“ bei der Logistik zusammen. Die Einladungen auf Deutsch, Englisch und Türkisch, in denen die Angeschriebenen einen individuellen Zugangscode für die Terminvergabe und Informationen zum Impfablauf bekämen, könnten auf Knopfdruck verschickt werden.

Einladungen zum Impfen gibt es je nach Schwere der Vorerkrankung

Je nach Schweregrad ihrer Krankheit sollen die Einladungen in einem gestaffelten Verfahren verschickt werden. „Wegen des knappen Impfstoffs, aber auch aus logistischen Gründen wäre es nicht möglich, alle auf einmal einzuladen“, erklärt Hons. Bei der AOK seien insgesamt 50.000 bis 60.000 Versicherte von Vorerkrankungen betroffen. Zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf bei Covid-19 gehörten Menschen mit Adipositas, der Lungenerkrankung COPD, chronischen Nieren- und Leberleiden oder schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zu dem vorrangig angeschriebenen Kreis zählten zudem Krebskranke, Menschen mit Immunschwäche, Demenz, Trisomie 21, geistiger Behinderung oder Patienten nach einer Organtransplantation.

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Die Gesundheitsbehörde würde am liebsten sofort den Startschuss für die Termineinladungen über die Krankenkassen an Menschen mit Vorerkrankungen geben, wie deren Sprecher betont. „Aber solange dies nur Versicherte einer Kasse betrifft, geht das keinesfalls.“ Andere Versicherer würden auf eine Regelung in der neuen Impfverordnung des Bundes warten, die in der nächsten Woche in Kraft treten soll. „Darin sind die Krankenkassen, beziehungsweise deren Ermächtigung für dieses Prozedere, nicht explizit genannt. Bremen setzt sich seit Längerem dafür ein, damit wir ein schlankes Verfahren für das weitere Impfgeschehen haben“, betont Fuhrmann.

Telefonkonferenz mit dem Bundesgesundheitsminister

Am kommenden Montag werde Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) das Thema erneut in einer Telefonkonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ansprechen und darauf drängen. „Das muss jetzt zügig auf den Weg gebracht werden, auch wenn andere Bundesländer noch nicht an diesem Punkt ihrer Organisation angelangt sind“, so Fuhrmann. Auch die AOK wartet auf eine schnelle Entscheidung, wie ihr Sprecher betont: „Das hätte der Bund schon im Sommer, spätestens im Herbst, regeln können“, so Hons.

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