Gedrucktes zum digitalen Wandel

Impulse aus der Wissenschaft für die Digitalisierung

Bei der Digitalisierung war die Bremer Verwaltung einst ganz weit vorn. Warum der erste Anlauf ab 2011 vielfach versandete, thematisiert jetzt das Buch „Die Bürgerkommune in der digitalen Transformation“.
08.01.2018, 18:49
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Impulse aus der Wissenschaft für die Digitalisierung
Von Timo Thalmann
Impulse aus der Wissenschaft für die Digitalisierung

Gedrucktes zur Digitalisierung: Herausgeber Jürgen Hartwig vom Zentrum für Public Management der Hochschule Bremen (links) und Staatsrat Hans-Henning Lühr präsentieren das Buch: "Die Bürgerkommune in der digitalen Transformation".

Christina Kuhaupt

Noch vor einigen Jahren gehörte Bremen zu den Vorreitern in Deutschland, wenn es darum ging, Daten der Verwaltung unentgeltlich und ohne lizenzrechtliche Einschränkungen für die freie Verwendung als sogenannte Open Data („Offene Daten“) zu veröffentlichen. Heute ist die Hansestadt dagegen deutlich hinter das Engagement anderer Bundesländer zurückgefallen.

„Einige angebotene Datensätze stammen immer noch aus dem Jahr 2011, als sie für einen Wettbewerb bereit gestellt wurden“, lautet dazu der Befund von Professor Herbert Kubiceck vom Institut für Informationsmanagement der Universität Bremen.

Der Informatiker beschreibt in seinem Beitrag zu dem jetzt am Zentrum für Public Management an der Bremer Hochschule vorgestellten und von Institutschef Jürgen Hartwig herausgegebenen Buch „Die Bürgerkommune in der digitalen Transformation“ ausführlich, wie die Bremer Verwaltung nach anfänglicher Euphorie ins Hintertreffen geriet.

Öffentliche Verwaltung künftig in einer aktiveren Rolle

„Wir dachten wie viele andere: Wenn die Daten erst frei zur Verfügung stehen, werden auf dieser Basis zahlreiche Apps und Anwendungen entstehen.“ Das habe sich als Trugschluss erwiesen. Kubicek sieht darum die öffentliche Verwaltung künftig in einer aktiveren Rolle. Sie müsse nicht nur Daten bereit stellen, sondern auch den Prozess ihrer weiteren Verwendung für den Bürger moderieren.

Und die Kommunen müssten sich auch dafür engagieren, die Bürger dazu zu befähigen, mit digitalen Instrumenten umzugehen. „Digitalisierung zu verordnen, wie etwa im Geschäftsleben bei der elektronischen Voranmeldung der Umsatzsteuer, das geht nicht beim einfachen Bürger“, ist Kubicek sicher.

Genau diese Aufgabe will die Verwaltung künftig angehen, betonte Hans-Henning Lühr anlässlich der Buchvorstellung. Der Staatsrat des im Land Bremen für die Digitalisierung zuständigen Finanzressort hat ein Vorwort beigesteuert, in dem er vor allem die Zusammenarbeit von Hochschulen und öffentlicher Verwaltung hervorhebt. „Das ist in einem überschaubaren Stadtstaat einfacher, als in einem Flächenland und ein Vorteil, den wir nutzen.“

Auch antragsloses Kindergeld zählt dazu

Den Versuch einer Verwaltung, aus eigener Kraft die Digitalisierung anzugehen, bezeichnete er als „Elektrifizierung vorhandener Bürokratie.“ Man brauche die Impulse aus der Wissenschaft, um die Digitalisierung auch als Neudefinition zahlreicher interner Prozesse zu verstehen. Lühr verwies auf rund 60 entsprechende Projekte, für die im Haushalt gut 30 Millionen Euro bereit stehen. Dazu gehörten die elektronische Akte und in Zusammenarbeit mit Handels- und Handwerkskammer die digitale Rechnung.

Auch das antragslose Kindergeld zähle dazu, bei dem alle zugehörigen Verwaltungsprozesse automatisch starten und ineinander greifen, sobald der Neubürger beim Standesamt angemeldet sei. Im kommenden Jahr übernehme Bremen überdies den Vorsitz im nationalen IT-Planungsrat. In dem Gremium koordinierten Bund und Länder das Thema Digitalisierung und definierten beispielsweise Standards für den reibungslosen Datenaustausch.

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