118. Stiftungsfest des Ostasiatischen Vereins In Asien liegt die Zukunft

Mit Lucy Hughes Turnbull hatte der Ostasiatische Verein Bremen als eine Hauptrednerin eine "Schafferin" eingeladen. Sie war unter anderem Sydneys erste Bürgermeisterin.
22.02.2019, 18:34
Lesedauer: 4 Min
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Lucy Hughes Turnbull AO, eine der beiden hochkarätigen Ehrengäste, die beim 118. Stiftungsfest des Ostasiatischen Vereins Bremen (OAV) am Freitagabend in ihrer Rede ein leidenschaftliches Plädoyer für freien Handel und freie Märkte hielt, kam angesichts der festlich illuminierten Oberen Rathaushalle gar nicht mehr aus dem Staunen heraus. „Ich kann den Blick gar nicht mehr von diesen schönen Schiffsmodellen wenden. Sie sind eine stetige Erinnerung daran, dass von hier aus vor mehr als 750 Jahren der maritime Handel der Hanse koordiniert wurde“, betonte Turnbull. Thomas Kriwat, seit anderthalb Jahren Vorsitzender des Ostasiatischen Vereins Bremen, der zudem für 2020 auch zum Schaffer gekürt wurde, zeigte sich zu recht stolz darauf, dass es ihm gelungen war, eine so bedeutende Rednerin für das Stiftungsfest zu gewinnen.

Wie der Ostasiatische Verein, der 1901 von Kaufleuten, die in „East of Suez“ tätig waren, ursprünglich als reiner Herren-Club gegründet wurde, es aber mittlerweile zu seiner Tradition gemacht hat, dass selbstverständlich auch Damen am Stiftungsfest teilnehmen dürfen. So ließe sich Lucy Hughes Turnbull mit Fug und Recht als „Schafferin“ bezeichnen, sie war die erste Bürgermeisterin Sydneys, Präses der Handelskammer der Millionenmetropole und last not least bis vor kurzem auch First Lady Australiens. Heute ist sie Chefkommissarin der Greater Sydney Commisson. Malcolm Turnbull, der 29. Premierminister Australiens, begleitete, von der Münchner Sicherheitskonferenz kommend, seine Gattin in die Hansestadt. Die Rednerin beschwor immer wieder die Tugenden der Hanse. Sie sei schon vor Jahrhunderten Garantin für Wohlstand, Wachstum und Frieden gewesen.

Starke Beziehungen zu Australien

Als legitimen Erben der Hanse bezeichnete sie im 21. Jahrhundert das transpazifische Freihandelsabkommen, das im vergangenen Jahr ratifiziert worden ist, obwohl US-Präsident Trump vorzeitig aus den Verhandlungen ausstieg. Nun schicken sich asiatische Staaten an, das Vakuum zu füllen, das die USA hinterlassen hat. In den wachsenden Märkten Asiens liege auch für Europa eine Chance, so Turnbull. In dem Abkommen haben sich Australien, Neuseeland, Japan, Kanada, Chilli, Malaysia, Mexiko, Peru, Singapur, Vietnam und Brunei zusammengeschlossen. Sie bekräftigte: „Australien war als Türöffner für die asiatischen Märkte die treibende Kraft, um Handelshemmnisse zu beseitigen“. So unterhält „down under“ bereits seit 2015 ein Freihandelsabkommen mit China.

Als visionären, innovativen Garanten für mulitlaterale Beziehungen hob Turnbull auch den Ostasiatischen Verein hervor. Darüber hinaus skizzierte sie die guten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Bremen, das einen starken Platz im Herzen der deutschen Wirtschaft einnehme, und Australien: So wird von Lürssen in Kooperation mit einer australischen Werft seit 2017 eine Flotte von 12 Schiffen für die dortige Küstenwache gebaut.

Aber auch Kaefer Isoliertechnik unterhalte inzwischen Dependancen in „down under“, genauso wie Atlas Elektronik unter dem Namen „Sonartech Atlas“, beispielsweise in Adelaide und Cairns. Für Freihandel und freie Märkte plädierten in ihren Reden auch der OAV-Vorsitzende Thomas Kriwat und der zweite Ehrengast Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA).

Kriwat betonte, nachdem er einen Exkurs zu den Anfängen des Bremer Asienhandels, im 18. Jahrhundert unternommen hatte: „Wir als OAV, als Vereinigung Bremer Kaufleute, begrüßen multilaterale Abkommen, die die Regeln des Handels verbindlich und verlässlich für alle Partner festlegen. Sie sind ein Garant für Wachstum, Stabilität, Wohlstand und auch für Frieden“.

Deutschland "zu brav" gegenüber USA

Kriwats Kritik an der isolationistischen Politik der USA, die die liberale Weltordung demontiere, teilte auch der zweite Festredner, Holger Bingmann. Auch er plädierte für ein starkes Europa als Gegenpol und bezeichnete die Europawahl als schicksalshaft. Dann ließ er eine Kurzanalyse der europäischen Staaten folgen. Er kritisierte, dass Deutschland zu brav und zu wenig selbstbewusst gegenüber den amerikanischen Ausfällen auftritt: "Wir hätten doch mit einer gerechten Besteuerung der digitalen US-Unternehmen eine wunderbare Spielwiese, um Zähne zu zeigen".

Anders als in den Jahren zuvor hatten sich dieses Jahr lediglich sechs Exzellenzen aus „East of Suez“ in das Goldene Buch im Rathaus eingetragen. Sie wurden von Bürgermeister Carsten Sieling herzlich begrüßt. Ursprünglich hatten sich mehr als zehn Exzellenzen angesagt. Die grassierende Grippewelle verhinderte allerdings ihr Erscheinen.

Die knapp 400 Teilnehmenden des 118. Stiftungsfestes ließen sich von der festlichen Atmosphäre in der Oberen Rathaushalle gefangen nehmen. Nachdem das Fest mit dem großen Tempelgong pünktlich um 18 Uhr eingeläutet worden war, das traditionelle Curry (siehe unten) serviert, der Pink Gin kredenzt und die Reden gehalten worden waren, da klang der Abend mit einem Gänsehaut-Moment aus. Nachdem die Spenden für das Hilfswerk Ostasien gesammelt worden waren reichten sich die Gäste überkreuz die Hände und stimmten, wie es seit 1801 Tradition ist, „Auld Lang Syne“ , „Auf die alten Zeiten“, Robert Burns‘ Hymne auf die „absent friends“ an, zu denen nun auch der verstorbene Bürgerschaftspräsident Christian Weber zählt. Das komme besonders gut bei den Gästen aus „East of Suez“ an, erzählte der Vorsitzende Thomas Kriwat am Rande der Veranstaltung. So hätte der letztjährige Ehrengast, Truong Gia Binh, der vietnamesische Bill Gates, eigens gefragt, ob denn auch gesungen werden würde.

Insgesamt wurden bei der Veranstaltung 45.594 Euro Spenden gesammelt. Hinzu kommen noch einige kleinere Beträge in anderen Währungen.

Die Rede von Lucy Hughes Turnbull lesen Sie hier.

Die Rede von Thomas Kriwat lesen Sie hier.

Die Rede von Holger Bingmann lesen Sie hier.

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