Weniger Sportunterricht als geplant

In Bremen fehlen Sportlehrer

Fast 30 Prozent aller Sportstunden an Schulen werden von Lehrern erteilt, die keine ausgebildeten Sportlehrer sind. Das geht aus Antworten des Senats auf eine Große Anfrage der CDU hervor.
20.08.2017, 17:47
Lesedauer: 3 Min
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In Bremen fehlen Sportlehrer
Von Sara Sundermann

Bewegung und gezieltes Training sind wichtig für Kinder. Doch an vielen Bremer Schulen wird weniger Sportunterricht erteilt als vorgesehen, zudem wird mehr als jede zweite Sportstunde (60 Prozent) nicht von einem ausgebildeten Sportlehrer unterrichtet. Mit Blick auf alle Bremer Schulen wird 29 Prozent des Sportunterrichts fachfremd erteilt. Der Grund: Es fehlt an Sportlehrern. Das geht aus den Antworten des Senats auf eine Große Anfrage der CDU hervor. CDU-Bildungspolitiker Thomas vom Bruch und der sportpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion, Marco Lübke, hatten sich nach der aktuellen Situation im Schulsport erkundigt.

Aus der Antwort der Landesregierung geht hervor: Die Zahl der Sportlehrer ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Seit 2012 schieden an Schulen im Bremer Stadtgebiet 232 Sportlehrer aus dem Dienst aus, doch nur 179 neue Sportlehrer wurden eingestellt. Es gibt nun also über 50 Fachkräfte weniger. Und die Situation werde sich durch weitere anstehende Pensionierungen weiter verschärfen, glaubt Thomas vom Bruch. Der Grund: „Die Sportlehrer sind überaltert, fast 30 Prozent sind über 50, nicht einmal drei Prozent unter 30.“

"Gutes Beispiel für die allgemeine Misere in der Bremer Bildung"

Vom Bruch übt deutliche Kritik: „Die Situation des Schulsports ist ein gutes Beispiel für die allgemeine Misere in der Bremer Bildung“, sagt er. „Der Sportunterricht wird wie ein Stiefkind behandelt.“ Zwar teile der Senat mit, das Problem sei erkannt, doch tatsächlich werde seit Jahren immer mehr Sportunterricht fachfremd erteilt. Dabei sei gerade der Sportunterricht an Grundschulen besonders wichtig für die motorische Entwicklung von Kindern, zum Beispiel für die Ausbildung des Gleichgewichtssinns, aber auch, um Teamgeist, Fairness und Ehrgeiz von Kindern zu fördern.

Bremen versucht nach Angaben des Senats, nicht nur Sportlehrer aus anderen Bundeslehrern abzuwerben, sondern auch Quereinsteiger für das Fach Sport am Landesinstitut für Schulen weiterzuqualifizieren. „Lehrkräfte mit Fach Sport werden bevorzugt jederzeit eingestellt“, heißt es in der Antwort des Senats. Zudem werde an einem Konzept gearbeitet, wie Studienabsolventen, die Sport nicht auf Lehramt, sondern auf Diplom studiert haben, auch ohne zweites Unterrichtsfach berufsbegleitend weiterqualifiziert werden könnten.

Sport auf Lehramt? In Bremen nicht mehr möglich

Klar ist aber: Bremen bildet selbst an der Universität keine Sportlehrer mehr aus, der CDU zufolge als einziges Bundesland in ganz Deutschland. Zuvor hatten bereits der Landessportbund die Wiedereinführung des Studiengangs Sport gefordert, auch der Sprecher eines eingerichteten Runden Tischs Schulsport, Ernst Steinhoff, hält dies für notwendig. Bis 2013 konnte man in Bremen Sport auf Lehramt studieren, dann wurde das Fach geschlossen.

Sollte Bremen den Studiengang Sport neu aufbauen? Das wäre kein günstiges Unterfangen: An der Uni geht man davon aus, dass dies rund zwei Millionen Euro pro Jahr kosten würde. Der Senat beziffert die Kosten auf rund eine Million Euro pro Jahr, hinzu komme noch das Geld, dass man in die Wiederherstellung und Sanierung von Sportstätten stecken müsste. Konkrete Pläne für einen Wiederaufbau des Fachs Sport an der Bremer Uni hat der Senat derzeit offenbar nicht: Ob man das anstreben wolle, sei „im Rahmen der Aufstellung des Wissenschaftsplans 2025“ zu klären, heißt es in einer Antwort auf die Fragen der CDU.

Vom Bruch sagt, es sei dringend notwendig, dass Bremen sich daran beteilige, wieder Sportlehrer auszubilden. „Aber man muss nicht alles selber machen“, glaubt er. „Bremen sollte prüfen, ob man für die Ausbildung von Sportlehrern mit anderen Städten kooperieren kann.“ An den benachbarten Universitäten in Oldenburg und Vechta zum Beispiel wird das Fach Sport angeboten. Für manche andere Studienfächer kooperieren die Unis in Bremen und Oldenburg bereits, Studierende belegen dann einen Teil ihrer Kurse in der einen Stadt und den Rest in der anderen.

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