Lange Trockenheit

In den Gewässern der Region wird das Wasser knapp

Die lange Trockenheit hat Auswirkungen: In den niedersächsischen Gewässern wird das Wasser knapp. Nur der Weser kann die Trockenheit nicht so schnell etwas anhaben.
02.08.2019, 22:50
Lesedauer: 3 Min
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Von unseren Regionalredaktionen
In den Gewässern der Region wird das Wasser knapp

Die Folgen der Trockenheit sind nicht zu übersehen: Auch der Wörpe fehlt der Regen. Mit dem Mähboot kann der GLV dort zurzeit nicht arbeiten.

Christian Kosak

Der wenige Regen in den vergangenen Tagen hat die Entwicklung nicht stoppen können: In den niedersächsischen Gewässern wird das Wasser knapp. Die Talsperren sind zwar noch ausreichend gefüllt, doch die Wasserstände der Flüsse und Bäche sinken. Nur der Weser kann die Trockenheit nicht so schnell etwas anhaben, weil ihr Wasserstand nicht so abhängig vom Regen ist.

„Ich würde mal behaupten, im Moment fehlt überall Wasser“, sagt Mark Petermann, Referent für Gewässerschutz beim Landesfischereiverband Bremen. „Aber wir in Bremen haben ja das Glück, dass die meisten Gewässer durch Grundwasser und Nebenverbindungen mit der Weser verbunden sind. Durch den Druck von der Nordsee gelangt so immer Nachschub in die kleinen Kanäle, wenn die Siele geöffnet sind. Diesen Vorteil haben andere Gegenden nicht.“ 6400 Mitglieder aus 17 Vereinen des Landesverbandes hätten einen Blick darauf, dass alles in Ordnung ist. „Ein Fischsterben haben wir momentan nicht – toi, toi, toi“, sagt Petermann.

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Gegenwärtig liegen die Wassertemperaturen der zehn Bremer Badeseen und der Badestelle an der Weser beim Café Sand bei 23 bis 24 Grad Celsius. Die Umweltbehörde warnt vor Blaualgen im Stadtwaldsee (Unisee), deren Wachstum durch Nährstoffeinträge begünstigt wird. Wer empfindliche Haut und empfindliche Augen habe, solle derzeit wegen des erhöhten pH-Wertes besser nicht in dem See baden.

Mag es noch so warm werden, „die Trinkwasserversorgung Bremens stammt zu 100 Prozent aus Grundwasserquellen und ist nicht kurzfristigen Witterungseinflüssen ausgesetzt“, sagt Christoph Brinkmann, Sprecher der Stadtwerke Bremen (SWB). „Erst eine deutliche Niederschlagsreduzierung in den Wintermonaten, und das über Jahre hinweg, würde sich bemerkbar machen.“

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Die trockene Wetterphase habe in weiten Teilen die Wasserstände in den Fließgewässern absinken lassen, sagt Carsten Lippe, Sprecher des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Das niedrige Wasserniveau von 2018 spiegle sich auch in diesem Jahr wider. An den drei Hauptgewässern im Landkreis Osterholz registriert der NLWKN aktuell so niedrige Wasserstände wie teils seit über 40 Jahren nicht mehr. Lippe nennt sie „Extremwerte“. An der Wörpe bei Grasberg, am Giehler Bach, am Hammeoberlauf und an der Wümme beispielsweise befinden sich die Wasserstände „seit April im permanenten Abwärtstrend“.

An der Wümme in Hellwege liege der Wasserstand mit 34 bis 40 Zentimetern nur knapp über dem niedrigsten Wasserstand, der dort vor zehn Jahren mit 30 Zentimetern gemessen worden war. Wenn Heike Behrens auf die Wörpe in Lilienthal guckt, werde ihr angst und bange. „Das ist nur noch ein Rinnsal“, so die Sprecherin des Naturschutzbundes (Nabu) Lilienthal/Grasberg. So viel Schlick habe sie da noch nie gesehen.

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„Die Birken, die den vorigen Sommer gerade noch überlebt haben, sterben jetzt ab“, hat Hermann Helmken beobachtet. Er arbeitet beim Deich- und Sielverband St. Jürgensfeld. Wegen der Dürre betreibt der Verband bereits seit Ende Juni – genau wie im vorigen Jahr – eine Wasserhaltung: Sie haben die Siele dichtgemacht. So bleibe das Wasser in der Fläche. Dennoch: Ob Giehler Bach, Wörpe oder Wümme – überall sind die Wasserstände seit Wochen im Abwärtstrend. „Eine Ausnahme gibt es aber unter den Gewässern im Landkreis“, sagt Carsten Lippe: „die Hamme.“ Sie ist „im Unter- und Mittellauf staugeregelt“. Heißt: Die Schleuse in Ritterhude verhindert, dass das Wasser mit der Tide die Lesum rauf und in die Hamme hinein drückt. Bei starker Trockenheit könne die Schleuse sogar zur Bewässerung genutzt werden, meint er: Dann werde Wasser mit der Flut durch die offenen Schleusentore ins Hinterland gelassen.

Angesichts der Trockenheit sowie der Konflikte zwischen Land- und Forstwirtschaft um das knapper werdende Wasser will Niedersachsen gegensteuern. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und die Staatskanzlei seien besorgt über die Lage und hätten die Ministerien schon vor Wochen aufgefordert, über getroffene Maßnahmen zu berichten, sagte eine Regierungssprecherin. Wenn es bei der schwierigen Lage bleibe, solle ein Kreis von Staatssekretären zusammengerufen werden, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

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