Gleisbauarbeiten Vor dem Steintor und Am Schwarzen Meer In den Sommerferien wird gebaggert

Östliche Vorstadt. In den Sommerferien wird gebuddelt: Die Bremer Straßenbahn (BSAG) wird die Straßenzüge Vor dem Steintor und Am Schwarzen Meer aufreißen. Rund zwei Monate lang können dort Häuser und Geschäfte nicht mehr angefahren werden. Doch was ist mit der Müllabfuhr? Was mit behinderten Anwohnern? Und wie bekommen Geschäfte ihre Waren? Mit derartigen Fragen setzt sich BSAG-Planer Ingo Schnieders auseinander. Die Redaktion hat ihn besucht.
31.03.2010, 16:40
Lesedauer: 5 Min
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Von Uwe Wichert

Östliche Vorstadt. In den Sommerferien wird gebuddelt: Die Bremer Straßenbahn (BSAG) wird die Straßenzüge Vor dem Steintor und Am Schwarzen Meer aufreißen. Rund zwei Monate lang können dort Häuser und Geschäfte nicht mehr angefahren werden. Doch was ist mit der Müllabfuhr? Was mit behinderten Anwohnern? Und wie bekommen Geschäfte ihre Waren? Mit derartigen Fragen setzt sich BSAG-Planer Ingo Schnieders auseinander. Die Redaktion hat ihn besucht.

Ingo Schnieders sitzt hinter einem Projektor, der Pfeildiagramme und Ablaufschemata auf die Wand seines Büros wirft. Der BSAG-Mitarbeiter ist als Projektleiter zuständig für die geplanten Baumaßnahmen im Viertel. Die farbigen Lichtbilder zeigen unterschiedliche Stufen, die durchlaufen werden, bevor Bagger und Bauarbeiter irgendwo in den Boden stoßen. Das Spektrum reicht von der Zustandskontrolle der Gleise über das Anschreiben der Anwohner bis zur Ausführung der notwendigen Gleiserneuerung.

Zwei kritische Bereiche nimmt sein Team, das sich 'Center Infrastruktur' nennt, in der Östlichen Vorstadt in Angriff. Weil die Gleise abgenutzt sind, müssen sie ersetzt werden für die neue Generation von Straßenbahnen. Ein Bauabschnitt ist in der Straße Vor dem Steintor zwischen Ziegenmarkt und St.-Jürgen-Straße, der zweite Abschnitt Am Schwarzen Meer zwischen Myrtenstraße und Nienburger Straße. Zusammen sind das etwa 1200 Meter. Mit dem Ferienbeginn am 24. Juni es soll losgehen. Die Baustellen Am Schwarzen Meer sollen am 4. August und Vor dem Steintor am 25. August abgeschlossen sein.

'Als feststand, dass wir in diesen Bereichen erneuern müssen, haben wir die Träger öffentlicher Belange angeschrieben', sagt Ingo Schnieders. 'Uns ist wichtig, die Vorhaben im Voraus mit allen Betroffenen abzustimmen.' Zu den Trägern öffentlicher Belange gehören in diesem Fall 30 Organisationen. Darunter das Amt für Straßen und Verkehr (ASV), die Landesarchäologie, das Ortsamt, der BUND sowie der ADFC. Weil Straßen gesperrt, Auto- und Radfahrer umgeleitet, historische Grabungen berücksichtigt sowie Anwohner und Naturschützer angehört werden müssen. Jede Veränderung sei auch immer ein Kompromiss der Interessen, sagt Schieders.

Planer müssen viele Fragen klären

In der folgenden Planungsstufe warten die Mitarbeiter vom 'Center Infrastruktur' auf die Stellungnahmen. Wer hat welche Bedenken? Muss auf vorhandene Leitungen oder Kabel geachtet werden? Gibt es spezielle Anforderungen in bestimmten Bereichen? 'Wer es wünscht, dem erklären wir das Vorhaben auch noch einmal persönlich', sagt der Projektleiter. So wie vor kurzem am Hulsberg, wo es zu heftigen Diskussionen kam. 'Das geht dann auch schon Mal zur Sache, doch wir freuen uns, dass wir die Dinge im Vorfeld mit Anwohnern besprechen und meist auch klären können.'

Der Projektor springt aufs nächste Bild. 'Täglich fahren über 300 Straßenbahnen pro Richtung über die Gleise Vor dem Steintor und befördern über 30000 Fahrgäste', ist auf der Wand zu lesen. Mit Beginn der Sommerferien ist damit Schluss. Der Straßenzug wird in zwei Teilstücken renoviert und ist für Fahrzeuge dann gesperrt. Nur Fußgängern bleibt ein anderthalb Meter breiter Weg, der parallel zur Baustelle verläuft. 'In regelmäßigen Abständen errichten wir Brücken, über die man die jeweilige Straßenseite wechseln kann', erklärt Ingo Schnieders.

Vom 24. Juni bis 21. Juli ist das erste Teilstück vom Ziegenmarkt bis zur Horner Straße dran. Vom 22. Juli bis 25. August das zweite von der Horner Straße bis zur St.-Jürgen-Straße. In diesem Zeitraum können Radfahrer die Sperrung über Friesen- und St-Jürgen-Straße umfahren. Autofahrer erreichen die Seitenstraßen über die Hauptverkehrsachsen Humboldt-, St.-Jürgen- und Lüneburger Straße sowie Osterdeich, Sielwall, Am Dobben. Und anstelle der Bahnen werden Ersatzbusse zwischen Innenstadt und Östlicher Vorstadt eingesetzt, die parallel zur Baustelle über Osterdeich und Hamburger Straße beziehungsweise Bismarckstraße pendeln.

'Ähnlich machen wir das Am Schwarzen Meer', sagt der BSAG-Planer. 'Auch diese Baustelle ist in zwei Teilstücke untergliedert, die wir unmittelbar nacheinander in Angriff nehmen werden.' Ingo Schnieders zeigt auf einer Karte die geplante Grenze der Teilstücke. Sie liegt zwischen den Ausfahrten der Straße Sorgenfrei. 'Für Anwohner bleibt zu jeder Zeit eine Zufahrt bestehen.' Das erste Teilstück wird vom 24. Juni bis 15. Juli von der Myrtenstraße bis zur Arberger Straße gesperrt. Das zweite dann vom 15. Juli bis 4. August hinter der Arberger Straße bis zur Nienburger Straße.

Damit die stark befahrene Kreuzung im Bereich Verdener Straße nicht für drei Wochen blockiert wird, plant die BSAG ein sogenanntes Aktionswochenende. Bedeutet: Von Freitagabend bis Montagmorgen werden Bauarbeiter rund um die Uhr neue Gleise verlegen. Pünktlich zum Arbeitsbeginn am Montagmorgen soll die Kreuzung dann fertig und voll befahrbar sein. Der Termin für das Aktionswochenende steht noch nicht fest.

Auto- und Radfahrer können die Bauarbeiten im Bereich Am Schwarzen Meer über die Hamburger Straße beziehungsweise den Osterdeich umfahren. Anstelle der Bahnen sind auch hier Ersatzbusse im Einsatz. Südlich der Sperrung pendeln sie über die Hamburger Straße, nördlich über die Bismarckstraße.

Die Bewältigung des täglichen Nahverkehrs ist eine Sache. Die Aufrechterhaltung eines möglichst normalen Lebens für die Anwohner und Händler eine andere. Beispielsweise der Abtransport von Haushalts- und Gewerbeabfällen - wie soll das während der Bauphasen ablaufen? 'Die Anlieger stellen ihren Müll vor die Haustür, wo wir ihn abholen und zu zentralen Sammelplätzen bringen', erklärt Ingo Schnieders. 'Nach der Leerung bringen wir die Tonnen dann wieder zurück.'

Einschränkungen für Anlieger

Und wie kommen Rettungs- und Feuerwehrwagen zu den Häusern? 'Tagsüber sind ja Bauarbeiter vor Ort, die können innerhalb weniger Minuten eine Zufahrt frei machen.' Nachts würde die Baustelle dagegen so hinterlassen, dass überall Rettungswege frei blieben. 'Natürlich zieht so ein Vorhaben immer auch Einschränkungen für die Anlieger nach sich, doch wir versuchen, viel machbar zu machen.' Als Beispiel nennt er eine andere Baustelle. Dort haben sie einer Anwohnerin einen speziellen Behindertenparkplatz eingerichtet, da der ursprüngliche während der Straßenerneuerung nicht nutzbar war.

Ähnlich verhalte es sich mit Warentransporten von angrenzenden Geschäften. 'Es gibt da keine Pauschallösungen', sagt der Baustellenplaner. Je nach Lage und Bedürfnis müssten individuelle Regelungen gefunden werden. So hat er gehört, dass viele Zulieferer während der Bauphase auf kleinere Transportfahrzeuge umsteigen wollen, um die Läden über Seitenstraßen erreichen zu können.

'Die Einschränkungen sollen für Händler und Anwohner so gering wie möglich gehalten werden.' Ingo Schnieders schaltet den Projektor aus. Er muss los. In diesen Tagen ist er ein sehr gefragter Mann. Es geht ins Viertel. Dort wird er einer Gruppe das geplante Bauvorhaben erklären.

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