Leser-Rezepte aus "Keks & Co" In der Adventsbäckerei

In der Küche im ersten Stock der Grundschule Am Weidedamm duftet es nach Karamell, Zimt und Schokolade. Charlotte, das Nudelholz in der Hand, und Klassenkameradin Martha stehen über ein Stück hellgelben Teig gebeugt, die Köpfe dicht beieinander.
13.12.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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In der Adventsbäckerei
Von Catrin Frerichs

In der Küche im ersten Stock der Grundschule Am Weidedamm duftet es nach Karamell, Zimt und Schokolade. Charlotte, das Nudelholz in der Hand, und Klassenkameradin Martha stehen über ein Stück hellgelben Teig gebeugt, die Köpfe dicht beieinander.

„Charlotte, das reicht“, sagt Martha bestimmt. Charlotte prüft das Ergebnis und nickt. Der Teig hat die perfekte Dicke.

Es ist ruhig in der Küche, es gibt kein Geschrei oder Umhergerenne – und das, obwohl dort gerade vier Gruppen Grundschulkinder Plätzchen backen. Alles im Lot, auch für die vier Mütter und den einen Vater, die als helfende Hände zur Seite stehen. Anstatt Mathe oder Sachkunde steht an diesem Vormittag Backen auf dem Stundenplan, und das macht den Kindern offensichtlich viel Spaß.

Die Rezepte hat Klassenlehrerin Friederike Stelter vorher aus dem Buch „Keks & Co – Backen zum Advent“, das der WESER-KURIER herausgegeben hat, ausgesucht. In 70 Seiten mit 99 Rezepten von Leserinnen und Lesern unserer Zeitung hat sie geblättert, dann zunächst die 20 Rezepte, die für Kinder geeignet schienen, in die engere Wahl genommen und sich schließlich für sechs entschieden. Die Rezepte durften nicht zu schwer sein, und sie mussten an einem Schulvormittag zu schaffen sein.

Der Plan geht auf. Charlotte und Martha sind im Team „Karamellplätzchen“. Andere Kinder versuchen sich an Mandelgebäck und Haselnusskugeln, an Marzipan-Schokoladen-Plätzchen und Haferflocken-Spekulatius. Der Ofen in der kleinen Küche glüht. Zum Glück gibt es einen zweiten unten im Lehrerzimmer. Auf der Arbeitsfläche und den Fensterbänken kühlen die ersten Backbleche aus. An allen Stationen in der Küche – und auch an zwei weiteren Tischen im Klassenzimmer – arbeiten die Kinder konzentriert.

Backen ist auch kommunikativ. Überall wird leise geplaudert: Was die Eltern so arbeiten, und wer in diesem Herbst schon Kekse gemacht hat zu Hause. Mieke hat gerade mit ihrer Familie ein Blech Tannenbäume gebacken. „Das machen wir immer vor Weihnachten“, erzählt die Neunjährige. Ihre Lieblingskekse seien Vanillekipferl, die gibt es heute leider nicht.

Als Friederike Stelter sie fragte, ob sie Lust habe, beim Adventsbacken zu helfen, sagte Serap Cinkaya sofort „Ja“. „Ich backe eigentlich immer und gern“, sagt die Mutter eines Jungen aus der 3b. „Mit den Kindern macht es heute viel Spaß, sie sind so fleißig.“ So wie ihr Sohn: Er sticht in seiner Gruppe gerade „Leuchtende Weihnachtssterne“ aus. Dafür werden in die Mitte der Teigsterne runde Löcher gestanzt, dort hinein kommen mit dem Hammer zerstoßene Fruchtbonbons. Im Ofen schmelzen die Krümel, das sieht dann aus wie Glas. Probieren ist nicht erlaubt, die Kekse müssen erst abkühlen, und die Bonbonmasse muss wieder starr werden.

Irgendwie hat das Keksebacken ja doch etwas mit Schule zu tun. Zutaten wollen abgewogen werden, da muss man schätzen, wie viele Plätzchen auf ein Blech passen und genau die Uhr lesen, damit nichts anbrennt. Friederike Stelter hat den Backtag in den Deutschunterricht eingebunden. Die Kinder haben vor ein paar Tagen ihre Rezepte mit der Hand abgeschrieben, dann Haupt- und Tuwörter unterstrichen. Zutaten, Mehl, Backblech; kneten, vorheizen, cremig rühren.

Dann haben sie jeweils einen Gruppenchef gewählt und gemeinsam überlegt, wer was mitbringt zum Adventsbacken. Schürzen, Backpapier, Nudelhölzer, alles da. Clemens (9) hat Förmchen mitgebracht, darunter Elche, Sterne und Tannenbäume. Die achtjährige Anniek hat wohl an die Schütze gedacht, sie dann aber doch nicht umgebunden. Die Zutaten hat die Klassenlehrerin besorgt.

Gegen 11 Uhr sind die ersten Kinder schon fertig. Die Eltern fegen den Küchenboden und waschen das Geschirr auf, ein paar Mädchen und Jungen helfen beim Abtrocknen. Martha, Charlotte und Mieke verzieren ihre Karamellplätzchen noch mit geschmolzener Zartbitter-Kuvertüre. Dazu tunken sie Esslöffel verkehrt herum in die Schokoladensoße und lassen sie über die Kekse kreisen, so dass sich ein Netz aus feinen Schokoladenfäden bildet.

Im Klassenzimmer zwei Räume weiter bemalen einige Grundschüler indes Frühstückstüten aus Pergamentpapier mit Tannenbäumen und Schlitten. Jedes Kind darf zwei Tüten mit Keksen mit nach Hause nehmen. Ob sie ihre Kekse verschenken wird? „Nein“, sagt Victoria und schüttelt den Kopf. „Die esse ich selber.“

Keks + Co: 99 Rezepte für die Adventsbäckerei von Lesern und Profis, dazu Sonderthemen. 76 Seiten, 4,95 Euro. Erhältlich in unseren Zeitungshäusern, www.weser-kurier.de/ shop , im Buch- und Zeitschriftenhandel und Telefon 04 21 / 36 71 66 16 .

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