Personelle Engpässe? In der Kinderklinik steigt der Stresspegel

Bremen-Nord. Ein halbes Jahr nach dem Abzug der Extremfrühchen-Versorgung vom Klinikum Nord mehren sich die Beschwerden von Eltern und niedergelassenen Ärzten über die Entwicklung der Kinderklinik. Allgemeiner Eindruck: Die personellen Engpässe nehmen zu, der Stress auf den Stationen steigt.
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In der Kinderklinik steigt der Stresspegel
Von Jürgen Theiner

Bremen-Nord. Ein halbes Jahr nach dem Abzug der Extremfrühchen-Versorgung vom Klinikum Nord mehren sich die Beschwerden von Eltern und niedergelassenen Ärzten über die Entwicklung der Kinderklinik. Allgemeiner Eindruck: Die personellen Engpässe nehmen zu, der Stress auf den Stationen steigt.

Die Verlagerung eines Teils der Neo-Natologie ans Klinikum Mitte war Teil des Zukunftskonzeptes der kommunalen Krankenhaus-Holding Gesundheit Nord. Es verfolgt das Ziel, Kompetenzen an einzelnen Klinikstandorten zu bündeln und auf diese Weise nicht nur Kosten zu senken, sondern gleichzeitig die Behandlungsqualität zu steigern. Die Entscheidung, die Versorgung von Extrem-Frühchen bis 1250 Gramm Geburtsgewicht vom Klinikum Nord abzuziehen, wurde letztlich gegen erheblichen Widerstand aus Politik und niedergelassener Ärzteschaft durchgesetzt.

Geno: Normale Schwankungen

In der Statistik der Behandlungsfälle konnte der Wegfall der rund 30 'Super-Frühchen' pro Jahr eigentlich kaum ins Gewicht fallen. Nach inoffiziellen internen Angaben wurden am Krankenhausstandort Bremen-Nord 2009 rund 2700 Kinder und Jugendliche ärztlich versorgt. Wirtschaftlich macht sich der Rückbau der Neo-Natologie allerdings sehr wohl bemerkbar, denn die intensivmedizinische Betreuung der Extremfrühchen stand für über zehn Prozent des Umsatzes. Obendrein ist nun zu hören, dass die Kinderklinik im laufenden Jahr einen Patientenrückgang um mindestens fünf Prozent verzeichnet.

Läuft da was aus dem Ruder? Nein, sagt der Chef der Gesundheit Nord, Diethelm Hansen. Richtig sei, dass die Nordbremer Kinder- und Jugendklinik im laufenden Jahr hochgerechnet auf 2480 Behandlungsfälle kommen werde. Doch dieser Wert liege eindeutig innerhalb einer statistischen Schwankungsbreite, die bei pädiatrischen Einrichtungen üblich sei. 'Mal hat man ein Jahr mit vielen Atemwegserkrankungen, mal nicht', erläutert Hansen. Unabhängig davon ergebe sich ein tendenzieller Rückgang der Fallzahlen durch sinkende Geburtenraten und den Anstieg tagesklinischer und ambulanter Angebote. Von einem allmählichen Ausbluten der Kinder- und Jugendklinik könne indes keine Rede sein.

"Die Wartezeiten haben sich verändert"

Einige niedergelassene Kinderärzte im Einzugsbereich des Klinikums verfolgen die Entwicklung dennoch mit Sorge. Zu ihnen gehört die Medizinerin Vera Harms, die in Blumenthal eine Gemeinschaftspraxis betreibt. 'Wir haben den Eindruck, dass das Personal auf den Stationen knapper geworden ist. Die Wartezeiten haben sich verändert, und manche Oberärzte müssen Stationsarbeit machen, weil es zu wenige Assistenten gibt', so Harms. Der Ressourcenmangel habe inzwischen schon zur Verlegung einzelner junger Patienten geführt, die nichts mit der Neo-Natologie zu tun haben. 'Herr Hansen will das alles nicht wissen', ärgert sich die Fachärztin.

Eine andere Nordbremer Kinderärztin, die ungenannt bleiben möchte, hat bei vielen Eltern wachsende Unruhe ausgemacht. 'Wir hören immer wieder, dass auf den Stationen viel Stress herrscht, und in diesem Zusammenhang wird häufig fehlendes Personal genannt', gibt die Medizinerin den Tenor der Patientengespräche wieder. Das Problem schwappe schon bis in die Praxen der niedergelassenen Ärzte: 'Wir müssen nach Entlassungen stationärer Patienten immer länger auf ärztliche Berichte warten, die für die Weiterbehandlung unerlässlich sind.'

Geno-Chef Hansen kann eine solche Entwicklung nicht bestätigen. Personal sei bisher lediglich im pflegerischen Bereich der Kinderklinik reduziert worden, und zwar in unmittelbarem Zusammenhang mit der Verlagerung der Extremfrühchen-Versorgung. Weil dieser Bereich in Bremen-Nord nicht mehr abgedeckt wird, habe man die entsprechenden Schwesternstellen anderweitig disponiert.

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