Delia Nordhaus stellt ihre Werke bis zum 5. April in Osterholz aus / Starke Symbolik in den Bildern

In der Kunst lesen

Befreit die Kunst, das klingt wie ein grundloser Aufschrei, denn wann war die Kunst so frei wie heute? Delia Nordhaus sieht im Verlassen, im Prozesshaften den Schritt zu Neuem und zeigt Ergebnisse ihrer Arbeit in einer Ausstellung in Osterholz. "OT’s", "Huuties" und "Biospähren" laden dazu ein, in Delia Neuhaus’ Bildern zu lesen.
18.03.2013, 05:00
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Von Edwin Platt

Befreit die Kunst, das klingt wie ein grundloser Aufschrei, denn wann war die Kunst so frei wie heute? Delia Nordhaus sieht im Verlassen, im Prozesshaften den Schritt zu Neuem und zeigt Ergebnisse ihrer Arbeit in einer Ausstellung in Osterholz. "OT’s", "Huuties" und "Biospähren" laden dazu ein, in Delia Neuhaus’ Bildern zu lesen.

Osterholz. Delia Nordhaus sucht die Freiheit in der Kunst. Was sie darunter versteht, zeigt sie noch bis zum Freitag 5. April im Galerieraum von Boesner Künstlerbedarf. Die Bremer Künstlerin präsentiert in der Ausstellung "no escape: free art" (nach ihren Worten übersetzt: "Kein Ausweg: befreit die Kunst") ihre Arbeiten "Biosphären", "OT’s" und "Huuties".

In ihrer Schaffenswelt Biosphäre widmet sich die professionelle Künstlerin der Abbildung von Insekten oder mal einer Nacktschnecke um ein Vielfaches vergrößert, realitätsnah dargestellt, aber in unwirklicher, künstlicher Umgebung. Hintergründig wirken Symbole in den Biosphären wie Unendlichkeitszeichen oder schemenhafte Gesichter.

Vorliebe für die Farbe Orange

Die Farbe Orange beherrscht die Flächen wie auch in den "OT’S" – einer Serie von 40 kleinformatigen Ölbildern, deren immer wiederkehrende Linien aus dick aufgetragenem Orange und Gelb reliefartig auf den fast gleichfarbigen Flächen wirken. Die Linien wechseln stets ihre Positionen zueinander. Assoziationen sind erwünscht. "Schriftzeichen!", "Häuser?", "Pianomusik ?" wurden in der Vernissage gedeutet.

Die "Huuties" von Delia Nordhaus zieren gerahmt und hinter Plexiglas die Stirnseite der Ausstellung. Kein Gelb, kein Orange hat sich ihnen bemächtigt. Die kleinen Kopfplastiken aus weißer Modelliermasse lassen die Schultern hängen und blicken fröhlich, neugierig oder besonnen in den Tag. Was ihnen gemeinsam ist: der Hut, der in der Natur die Nussfrucht Eichel bedeckt.

Bislang lebt jeder "Huutie" allein. Nur einem ist ein landschaftlicher Hintergrund in Form einer Fotografie vergönnt. Da steckt womöglich noch Entwicklungspotenzial. Gefallen dem Betrachter die "Huuties" heute wegen ihres Ausdrucks und wegen ihrer Einzigartigkeit, zu der jeweils ein individueller Sockel – sei es chromglänzender Würfel oder schrägflächiger Glaskreis – beiträgt, könnten sie mit einem Hintergrund kommunizieren oder zu Gruppen werden, die Situationen thematisieren.

"Kunst soll aufmerksam machen", findet Delia Nordhaus. Die dargestellten Insekten gehören zum Beispiel in ihr Leben. Winzig kleine Flugobjekte, die schon mal den Alltag stören, hat sie mit dem Makro-Objektiv festgehalten, um sie realitätsnah darstellen zu können. "Man kann den kleinen Wesen nicht entfliehen. Weil ich sie sichtbar mache und weil sie da sind", stellt die Künstlerin fest.

Kunst ist zu Delia Nordhaus’ Lebensmittelpunkt geworden. Alles was der Kunst dient, ist für sie machbar. Dazu gehören begleitendes Coaching, freies Zeichnen und Auftragsmalerei, die Organisation von Ausstellungen oder Künstlertreffen und Projektarbeiten, ebenso wie ihre Arbeit beim Kunstmarkt am Schlachthof. Was keine Verbindung zu Kunst hat, lenkt ab. "Man muss lieben, was man macht. Kunst muss gefallen, berühren und aufmerksam machen", erklärt Delia Nordhaus.

Ihre Sehnsucht nach Freiheit in der Kunst führt nicht in eine verkrampfte Suche nach Neuem, sondern besteht vielmehr im Verlassen von Altem – in einer Offenheit für Veränderung, im Begreifen von künstlerischer Arbeit als Fortentwicklung. Delia Nordhaus’ übergroße Insekten, die vor dem Hintergrund wie aus der Natur entnommen wirken, stehen für Freiheit in der Darstellung, wie sie die Wallerin empfindet. Die Größenverhältnisse sind in der Darstellung zu Größe verschoben, während die gesellschaftliche Bedeutung in Richtung Schädling und nutzlos tendiert.

Damit kehrt Symbolik in Neuhaus Bildern zurück, wie sie vor Jahrhunderten aus szenischen Darstellungen sprach. "Wir haben weniger Fliegen und damit weniger Vögel", führt Delia Nordhaus zu ihrer dargestellten Wertigkeit von Insekten aus. Ihr Argument, Insekten wie etwa Fliegen groß darzustellen und ihre Bedeutung mit Ewigkeitssymbolen in den Bezug zu Zeit zu setzen, macht für viele Betrachter Sinn und die Bilder lesbar und über ein geschmackliches "gefällt mir" hinaus wertvoll. Symbolhaft auch, die fotorealistische Fliege, wie der Welt entnommen, vor unrealem Hintergrund. Delia Nordhaus Bildern Aufmerksamkeit zu schenken, empfanden viele Vernissagengäste nicht als verschenkte Zeit.

Die Ausstellung "no escape: free art!” ist bis Freitag 5. April, bei Boesner Künstlerbedarf, Hans-Bredow-Straße 59, zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9.30 bis 18.30 Uhr, Sonnabend 10 bis 16.30 Uhr. Mehr Informationen auch unter www.delianordhaus.com.

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