Müll-Problem in Bremen In der Neustadt türmen sich Gelbe Säcke

Anwohner in der Bremer Neustadt sind verärgert: An mehrere Stellen stapeln die die Müllsäcke. Dahinter steckt offenbar die Umstellung der Abholtage durch den neuen Abfallkalender.
08.07.2018, 15:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Samira El Hattab

Kuddelmuddel am Straßenrand: Graue, braune, blaue und gelbe Tonnen sowie gelbe Säcke stehen bunt durcheinander. Die Umstellung auf ein neues Entsorgungsunternehmen und neueAbfuhrtage sorgt das Durcheinander. Wie an jedem zweiten Montag stellten vergangene Woche beispielsweise die Bewohner der Delmestraße ihren Plastik- und Papierabfall an die Straße. Sie vertrauten auf den gewohnten Abfallkalender, ein System, das man kennt und an das man sich gewöhnt hat. Spätestens am Nachmittag wurde den Neustädtern jedoch bewusst, dass irgendwas nicht stimmt. Der Abfall wurde nämlich nicht abgeholt und liegt seitdem auf den Bordsteinen nicht nur in den Gebieten links der Weser.

Einige der Betroffenen aus der Delmestraße wussten im Prinzip von den Änderungen, hatten es aber vergessen. Andere ahnten nicht, dass der Abfallkalender neu strukturiert und erheblich verändert worden ist. Seit Montag vergangener Woche gilt der neue Plan, der für mehr Effektivität in der Müllentsorgung und für eine bessere Auslastung der neuen Müllfahrzeuge sorgen soll. Momentan hinterlässt er aber vor allem eines: viel Müll auf den Straßen.

Berge von gelben Säcken und Papiermüll sieht Lorenz Peter Tews an diesem Morgen, als er zur Arbeit durch die Neustadt fährt. „Man denkt jetzt vielleicht, wie dumm sind die Leute? Warum stellen sie ihren Müll zur falschen Zeit raus? Aber der kleine Mann hat sich eben an ein System gewöhnt, mit dem er vertraut ist“, sagt Tews. Er stehe dem neuen Plan kritisch gegenüber, aus seiner Sicht sei das Schema grundlos geändert worden.

Dem widerspricht Antje von Horn als Sprecherin der Stadtreinigung Bremen. Sie hebt die Vorteile der Umstrukturierung hervor. Es gehe vor allem darum, der Vermüllung, die man in einigen Stadtteilen beobachten könne, vorzubeugen. „In Gröpelingen zum Beispiel gibt es viele kleine Gewerbebetriebe, die ihren Müll bereits an Freitagabend statt Montagmorgen herausgestellt haben. Dort haben wir jetzt den Abholtag auf Dienstag verschoben, damit der Abfall nicht mehr über das gesamte Wochenende auf den Straßen liegt.“ Sie betont außerdem den großen Aufwand, den die Stadtreinigung Bremen betrieben hat, um die Bremer über die Veränderung zu informieren: seien es großen Plakatflächen, die gemietet wurden, die Flyer, die man verteilt habe, oder Tonnenanhänger, die seit Juni an die betroffenen Tonnen gehängt worden seien.

90 Prozent betroffen

„Natürlich können wir nicht jeden erreichen. Aber wir haben unser Bestes getan, so viele Leute wie möglich zu informieren. Immerhin handelt es sich um 90 Prozent Abfuhrtag-Änderungen“, sagt Antje von Horn. Ein Bewohner der Neustadt, der namentlich nicht genannt werden möchte, sieht das anders. Seiner Meinung nach wurde zu wenig informiert. Außerdem seien Versprechen nicht eingehalten wurden. Die kleinen Tonnenhänger habe er wohl gesehen, doch diese kündigten die Veränderungen bloß an und versprachen, bald komme ein neuer Abfallkalender ins Haus. Jener sei bei ihm jedoch nie angekommen.

„Wir haben mit dem neuen Abfallkalender einmal alles komplett umgekrempelt, noch einmal ganz von vorne angefangen“, sagt Antje von Horn. Und genau das verwirrte die Anwohner offensichtlich. Auch wenn sie den neuen Plan erhielten, verstanden sie das neue System wohl nicht gleich. Eigentlich hätte vergangene Woche in der Neustadt der Wertstoffabfall abgeholt werden müssen. Der neuePlan sah wieder Restabfall wie bei der Abfuhr davor vor, beklagt sich der Bewohner der Delmestraße. Viele hätten dann aufgrund von Informationsmangel ihren überschüssigen Plastik- und Papierabfall an die Straße gestellt.

„Ja, das stimmt: Es gab eine Überschneidung der Pläne“, räumt gibt Antje von Horn ein.

Statt dem logischen Wechsel zwischen Restmüll und Wertstoffabfall habe es im Übergang Juni/Juli eine Wiederholung der Restmüll-Abfuhr gegeben. Die vollen gelben Säcke, die eigentlich an der Reihe gewesen wären, liegen nun zu einem großen Teil auf den Straßen. „Falls jemand einen Überschuss an Wertstoffabfall, kann er diesen zu den Recyclingstationen bringen, wie zum Beispiel der Station im Hohentor. Bremen ist ausgezeichnet mit Stationen ausgestattet“, sagt Antje von Horn. Außer der Reihe könne der viele Plastik- und Papiermüll, der nun auf den Straßen verteilt liege, nicht abgeholt werden, der Aufwand wäre zu groß. Antje von Horn appelliert an die Besitzer, ihren Abfall selber bis zur nächsten Abfuhr aus dem Straßenbild entfernen.

Informationen zu den Zusatztouren gibt es unter www.die-bremer-stadtreinigung.de .

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++ Dieser Artikel wurde am 9.7.2018, um 8.28 Uhr ++

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