Britta und Albert Coldewey haben ihre gläserne Lebkuchen-Manufaktur am Fabrikenufer eröffnet In der Weihnachtsbäckerei

Überseestadt. Es war einmal ein Nürnberger Lebküchner, der hatte eine kranke Tochter. Um seine Elisabeth wieder zu Kräften zu bringen, war ihm nur das Beste gut genug, und so ersann er ein Backwerk aus den wertvollsten Zutaten, die er finden konnte.
22.10.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Anke Velten

Es war einmal ein Nürnberger Lebküchner, der hatte eine kranke Tochter. Um seine Elisabeth wieder zu Kräften zu bringen, war ihm nur das Beste gut genug, und so ersann er ein Backwerk aus den wertvollsten Zutaten, die er finden konnte. Und es war einmal eine Eismacherfamilie, die ein Rezept suchte für die Monate, in denen es selbst den Bremern zu frostig für Eisgekühltes war. Die erste dieser beiden Geschichten erzählt man sich in Nürnberg über die Erfindung der „Elisenlebkuchen“. Und die zweite handelt davon, wie Albert und Britta Coldewey zu Lebküchnern wurden, also zu Bäckern, die Lebkuchen backen. Wer nicht mehr bis zum Weihnachtsmarkt abwarten möchte, kann schon jetzt ihre original Bremer Lebkuchen direkt aus dem Backofen haben. In diesen Tagen öffneten die Coldeweys ihre gläserne Manufaktur am Fabrikenufer.

Aus dem Kaffee Hag-Gebäude duftet es nach Weihnachten. Die Räume, in denen nun von früh bis spät gebacken wird, waren früher einmal die Druckerei des Bremer Kaffeeunternehmens. Das hätten zumindest ehemalige Betriebsangehörige berichtet, die sich kurz zuvor vom Duft hatten anlocken lassen, erzählt Britta Coldewey. Durch die großen Glasfenster kann die Kundschaft nun den Lebkuchenbäckern bei der Arbeit zusehen. Die Rezeptur ist für alle Interessierten in Großbuchstaben nachzulesen: Mandeln und Nüsse, Marzipan und Honig, Orangeat und Zitronat machen einen Elisenlebkuchen aus. Gewürze wie Macis, Zimt, Kardamom, Anis und Nelke erzeugen das Aroma, das hierzulande immer mit Weihnachten verbunden wird. Der klassische Elisenlebkuchen darf höchstens zehn Prozent Mehl beinhalten. Die Coldeweys verzichten in ihrer Rezeptur völlig darauf. „Das macht die Lebkuchen saftiger“, erklärt Britta Coldwey. Monatelang hätte die ganze Verwandtschaft Proberezepturen getestet, bis alle rundum mit dem Ergebnis zufrieden waren, berichtet Albert Coldewey.

Die Idee, sich mit der Weihnachtsbäckerei die Winterzeit zu vertreiben, habe die Familie schon seit mindestens 20 Jahren mit sich herumgetragen. Bis zum Freimarktende haben die Coldeweys gut damit zu tun, die Kundschaft auf Märkten, Festen und Feiern mit ihrem „Eis wie Sahne“ zu versorgen. Albert Coldewey entstammt der Bremer Schaustellerdynastie, die Anfang der 1920er-Jahre mit Großvater Albert Manke, dessen Bruder Heinrich und dem ersten handgezogenen Eiswagen begann. Vor drei Jahren buken die Coldeweys erstmals ihre Lebkuchen in ihrem Stand auf dem Bremer Weihnachtsmarkt. Und die schmeckten nicht nur der Kundschaft, sondern auch den Prüfern der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), die den Bremern kürzlich zwei „goldene Preise“ für Spitzenqualität verlieh. In der Überseestadt soll nun der saisonale Appetit zwischen Oktober und Januar gestillt werden. Im gemütlichen Verkaufsraum können sich die Kunden außerdem frischweg eindecken mit verschiedenen Elisen-Varianten, verpackt in Klarsichttüten, feinen Dosen oder als süße Fracht in Weihnachtsgrußkarten.

Der Vollständigkeit halber muss noch erwähnt werden, dass die Legende um die ersten Elisenlebkuchen ein glückliches Ende nahm. Die Nürnberger Touristeninformation berichtet, dass sich die junge Elisabeth durch das reichhaltige väterliche Heilmittel wieder vollständig erholte. Eine Nebenwirkung sollten die Käufer der Bremer Elisenlebkuchen indes beachten, wie eine ältere Dame beim Hinausgehen bemerkte: „Die sind so gut, da kann man gar nicht aufhören.“

Die Lebkuchen-Manufaktur Bremen am Fabriken-

ufer 111 ist montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Nähere Informationen finden sich im Internet über die folgende Adresse:

www.lebkuchen-bremen.de.

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