Entwicklung des Wohnblocks

In die Grohner Düne kommt Bewegung

Aufbruchstimmung – mit diesem Wort beschreibt Arne Sünnemann das, was gerade in und um die Grohner Düne passiert.
22.03.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sylvia Wörmke
In die Grohner Düne kommt Bewegung

Sozialarbeiter Orhan Erdem entwickelt im Auftrag von GCP Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche und bietet Beratungen an.

Christian Kosak

Aufbruchstimmung – mit diesem Wort beschreibt Arne Sünnemann das, was gerade in und um die Grohner Düne passiert.

Der Abteilungsleiter für Regional- und Stadtentwicklung beim Bausenator meint damit die Maßnahmen, die von der Eigentümerin der Grohner Düne, Grand City Property (GCP), der Stadt und vielen Trägern auf den Weg gebracht werden. Bereits seit Anfang des Jahres arbeitet ein Sozialarbeiter in der Düne, am 1. Juni kommt die neue Quartiersmanagerin und ein neuer Gebietsbeauftragter wird als sogenannter Kümmerer für die Umsetzung aller Maßnahmen zuständig sein, die im Rahmen des Entwicklungskonzeptes des Senats beschlossen worden sind. Baumaßnahmen rund um die Düne sollen bald beginnen.

In der Hochhaussiedlung Grohner Düne leben an die 1500 Menschen. Von ihnen haben 87 Prozent einen Migrationshintergrund. Wird über die Grohner Düne gesprochen, geht es zumeist um kriminelle ­Vorfälle, um Mord, Drogenhandel, Auseinandersetzungen verschiedener Clans und Angriffe gegen die Polizei. Die Grohner Düne gilt als sozialer Brennpunkt. Gutachter attestierten für die Zukunft „Generationen von Hartz-IV-Dynastien“ und noch mehr Kriminalität, falls für das Quartier nichts unternommen werden sollte.

Reihe von Vorhaben schon umgesetzt

Nach und nach wurde darum eine ganze Reihe von Vorhaben schon umgesetzt oder angeschoben, um dazu beizutragen, dass grundlegende Strukturen verändert werden, die die Situation und Lebenswirklichkeit der Menschen im Stadtteil verändern und verbessern. Das verleitet Arne Sünnemann zu der Aussage: „Ich habe das Gefühl, wir sind mit allen Beteiligten auf einem guten Weg.“ Ausdrücklich bezieht er das Immobilienunternehmen GCP ein. Die Zeiten, in denen man das Unternehmeu als Heuschrecke einstufte, sind offenkundig vorbei. Von Sünnemann wie auch dem Bremen-Nord-Beauftragten Martin Prange sind ganz andere Töne zu hören. Es wird viel gelobt. Beide sagen, dass die Firma alle abgesprochenen Vorhaben erfüllt habe. Prange ist sogar überzeugt, „dass die Firma sich dauerhaft in Grohn engagieren wird“. GCP habe sehr hohe Beträge in die Hand genommen.

Das betrifft Maßnahmen zur Aufwertung der Wohnanlage wie ein Müllkonzept, den Austausch von Fahrstühlen, Renovierungen und Serviceleistungen für die Mieter. In Zusammenarbeit mit der Polizei wurde ein Sicherheitskonzept entwickelt, sodass es jetzt auch einen Wachdienst und eine Videoüberwachung im Wohnquartier gibt. Darüber hinaus hat GCP im Januar einen Sozialarbeiter eingestellt, der Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche in der Düne entwickeln und umsetzen soll und für die soziale Beratung der erwachsenen Mieter zuständig ist.

Auch Vorhaben aus dem Kooperationsvertrag wurden schon umgesetzt, den Stadt und GCP geschlossen haben. Das Erdgeschoss soll langfristig zu einer Service- und Begegnungsebene mit entsprechender gestalterischer Aufwertung werden. Das geht aber nur schrittweise, denn die Firma will den jetzigen Mietern in der Ladenzeile nicht kündigen. Eine ehemalige Zahnarztpraxis, die zuletzt als Geschäft genutzt wurde, ist aber schon frei. Wie berichtet, zog hier das SOS-Kinderdorf mit seinem pädagogischen Mittagstisch ein. GCP überlässt dem Träger die Räume mietfrei.

Imbiss wird renoviert

Zurzeit renoviert GCP einen früheren Imbiss in der Ladenzeile. Hier eröffnet im Mai das SOS-Kinderdorf einen Secondhand-Laden für Kinderkleidung, Spielzeug und Zubehör. „Wir wünschen uns hier einen Ort der Begegnung“, erläutert Sonja Oelfke, Sprecherin SOS-Kinderdorf, den Hintergrund des Angebots. Es richtet sich vor allem an Frauen, die hier nicht nur günstig einkaufen können, sondern auch mit anderen ins Gespräch kommen sollen. Das Element Arbeit, ein Pfeiler aus dem Integrierten Entwicklungskonzept des Senats, kommt in diesem Fall ebenfalls zum Tragen. Das Arbeit und Lernzentrum Bremen-Nord (ALZ) kooperiert mit dem SOS-Kinderdorf, „um Menschen in Arbeit zu bringen“, so die Kinderdorf-Sprecherin. Das ALZ betreibt den Laden mit seinen Mitarbeitern und wird von ehrenamtlichen Kräften aus den Reihen des SOS-Kinderdorfes unterstützt. Miete muss auch für diesen Laden nicht bezahlt werden.

Second Hand Geschäft Grohner Düne Friedrich Klappert Strasse

Second Hand Geschäft Grohner Düne Friedrich Klappert Strasse

Foto: Christian Kosak

„Sobald ein neues Quartiersmanagement vonseiten der Stadt eingesetzt wird, kann dieses die von GCP ebenfalls kaltmietfrei zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten beziehen“, heißt es auch in einer Mitteilung des Unternehmens beim nächsten Thema. Nach längerer Vakanz wird ab 1. Juni wieder eine Quartiersmanagerin für das Quartier Grohner Düne zuständig sein.

Das kündigen Martin Prange und Arne Sünnemann an. Dann haben auch die vielen Anbieter von Angeboten im Bewohnertrefff Dünenwind und die Träger, Vereine und Einrichtungen rund um die Grohner Düne wieder eine Ansprechpartnerin. Im Bewohnertreff betreut unter anderem die gemeinnützige GmbH Effect Roma-Frauen und hilft Kindern bei den Hausaufgaben. Zusammen mit dem Team vom SOS-Kinderdorf soll nun auch ein Ferienangebot für die Kinder entwickelt werden. „Wir sind gut vernetzt“, sagt Effect-Mitarbeiterin Myrthe Reinsberg, die unter anderem Mitglied im Arbeitskreis Grohn ist.

Zu allen Anbietern, die zum Teil schon seit Jahren in Grohn aktiv sind, gesellt sich nun der „Verein Kindertraum Bremen“. Er ist ganz neu, eigens für die Grohner Düne gegründet. Die Mitglieder werden sich erstmals ab April ehernamtlich um benachteiligte Kinder kümmern und möchten sich fest in Grohn einrichten.

Bald sichtbare Veränderungen

Sichtbare Veränderungen wird es bald geben. Die Baudeputation hat im Januar Städtebauförderungsmittel in Höhe von 3,4 Millionen Euro bewilligt. „Das heißt, dass wir anfangen können“, sagt Abteilungsleiter Sünnemann. Die Bausteine: Neugestaltung der Freifläche gegenüber der Grohner Düne zu einem attraktiven Aufenthaltsort für die Bewohner der Grohner Düne und Anwohner aus Grohn, Umgestaltung der Fußgängerüberwege und neue Übergänge über die Friedrich-Klippert-Straße; Umgestaltung des Vegesacker Bahnhofsplatzes mit dem Kreuzungsbereich Friedrich-Klippert-, Hermann-Fortmann-Straße. Aufträge zur Umsetzung der Maßnahmen seien bereits an das Amt für Straßen und Verkehr vergeben worden.

Um die Umsetzung aller Maßnahmen soll sich laut Sünnemannn ein Gebietsbeauftragter gewissermaßen wie ein Projektmanager kümmern. Die Stelle ist ausgeschrieben worden. „Es tut sich etwas“, versichert Sünnemann. In das Thema sei Dynamik gekommen. „Das haben die Grohner Düne und Bremen-Nord auch verdient.“

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