Helga Hildebrand aus Schwachhausen engagiert sich als Unicef-Mitarbeiterin / Deutsche Delegation informiert sich über Wasserprojekt

In ehrenamtlicher Mission nach Kambodscha

Altersteilzeit, Vorruhestand – wer sein Arbeitssoll erfüllt hat, steht oft vor der Frage: Was nun? Mehr Zeit für die Enkel aufbringen oder vielleicht ein Ehrenamt ausüben? Diese Frage stellte sich auch Helga Hildebrand aus Schwachhausen. Seit zehn Jahren engagiert sie sich bei der Bremer Gruppe von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. In wenigen Tagen reist sie mit einer deutschen Unicef-Delegation nach Kambodscha in Asien, um Entwicklungsprojekte zu besuchen.
17.01.2013, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Christian Hasemann

Altersteilzeit, Vorruhestand – wer sein Arbeitssoll erfüllt hat, steht oft vor der Frage: Was nun? Mehr Zeit für die Enkel aufbringen oder vielleicht ein Ehrenamt ausüben? Diese Frage stellte sich auch Helga Hildebrand aus Schwachhausen. Seit zehn Jahren engagiert sie sich bei der Bremer Gruppe von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. In wenigen Tagen reist sie mit einer deutschen Unicef-Delegation nach Kambodscha in Asien, um Entwicklungsprojekte zu besuchen.

Schwachhausen. Für Helga Hildebrand aus Schwachhausen ist es die erste Reise, die sie jetzt für Unicef in ein anderes Land führt. Mit neun anderen ehrenamtlichen Mitarbeitern wird sie Kambodscha zehn Tage lang bereisen. "Wir werden mit den bekannten weißen Jeeps von Unicef in dem Land umherreisen und verschiedene Einrichtungen besuchen, darunter Krankenhäuser, Schulen und Aids/HIV-Versorgungszentren", sagt die 71-Jährige.

Alle zwei Jahre setzt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen ein neues Schwerpunktthema für seine Arbeit. Die aktuelle, 2012 gestartete Kampagne heißt "Wasser wirkt". Ziel des Programms unter anderem in Kambodscha ist es, Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen zu schaffen und gesundheitliche Aufklärung zu betreiben. Weltweit haben 780 Millionen Menschen bis heute keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Mehr als einem Drittel der Weltbevölkerung fehlt es an ausreichenden sanitären Anlagen.

Damit sich ehrenamtliche Helfer vor Ort ein Bild von den Hilfsprojekten machen und als "Multiplikator" wirken können, organisiert Unicef alle zwei Jahre eine Informationsreise. Diesmal heißt das Ziel Kambodscha, und die Schwachhauserin ist eine von zehn Freiwilligen aus Deutschland, die den Zuschlag erhalten haben.

"Zwei Drittel der Bevölkerung in Kambodscha haben kein Zugang zu sauberem Trinkwasser", sagt Helga Hildebrand. Zusätzlich ist das Wasser in der Provinz Kampong Cham im Süden Kambodschas stark mit Asbest belastet. Eine unsichtbare Gefahr, die schleichend vergiftet und Krebs auslösen kann. Fehlende Sanitäranlagen, zum Beispiel in Schulen, und Unwissen führten oft zu Krankheiten. "Hygiene ist einfach unwahrscheinlich wichtig, nur ein Drittel der Bevölkerung hat Zugang zu sanitären Einrichtungen." Jeden Tag stürben Kinder an Durchfallerkrankungen.

Besuchen werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter auch ein Projekt des Bremer Vereins Borda (Bremer Arbeitsgemeinschaft für Überseeforschung und Entwicklung), der sich für Sanitäranlagen und Wasserversorgung in Kambodscha engagiert. "Ich freue mich sehr, dass ich dieses Pro-Projekt besuchen und mit den Leuten Interviews führen und später auch darüber be-richten kann", sagt Helga Hildebrand. Denn es soll nicht nur bei der Reise blei-bleiben. Nach der Rückkehr nach Deutschland will die Unicef-Mitarbeiterin in Bremer Schulen den Kindern von Kambodscha berichten.

Besuch in Bremer Schulklassen

Mit der Arbeit mit Kindern hat sie schon einige Erfahrungen. So besuchte sie Schul-klassen, um mit ihnen über Kinderrechte zu sprechen. "Diese Arbeit mit Kindern macht mir unheimlich viel Spaß. Kinder sind so wissbegierig und nehmen so viel auf", sagt die Großmutter eines sechsjährigen Enkelkindes. "Immerhin haben bis auf zwei Länder – Somalia und den USA – alle der Kinderrechtskonvention zugestimmt."

Sehr gespannt sei sie auf die Reise nach Kambodscha. Auch wenn sie zu bedenken gibt: "Ich werde bestimmt oft erschüttert sein über die Armut und die Lebensbedingungen." Von Bremen über Frankfurt und Bangkok wird die Reise in die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh gehen. "Ich habe alle notwendigen Vorbereitungen getroffen, das heißt die üblichen Impfungen gegen Hepatitis, Typhus und so weiter." Auch die passende Kleidung habe sie ausgewählt und "viel" Mückenspray eingepackt. Zwar ist dort jetzt im Januar keine Regenzeit, aber es werden doch bis zu 30 Grad Celsius herrschen.

Ein wenig gezögert hatte sie schon, bevor sie sich zu der Reise entschloss, aber dann viel die Entscheidung doch sehr schnell. "Ich habe gesagt: Ich bin fit und gesund, ich brauche keine Medikamente, wenn ich das jetzt nicht mache, mache ich das nie", sagt Helga Hildebrand. Nach Rücksprache mit ihren Töchtern, die sie in ihren Plänen unterstützten, habe sie sich entschlossen, die zum Teil selbst finanzierte Reise zu machen.

Ihre Mitreisenden im Alter von 26 Jahren bis ins Rentenalter hat sie auch schon mehrmals gesehen. "Wir haben uns unlängst in Köln getroffen, um die letzten Einzelheiten zu besprechen", sagt die Ruheständlerin, die früher in der Personalabteilung von Radio Bremen arbeitete. Als einzige Teilnehmerin der Reise nach Kamodscha stammt sie aus Nord-Norddeutschland. "Es sind alles sehr nette Menschen, wir verstehen uns gut und arbeiten ja für dasselbe Ziel."

In Bremen arbeiten etwa 30 Menschen ehrenamtlich für Unicef. Über Kartenverkäufen und Spenden sammeln die ehrenamtlichen Helfer Gelder für Projekte. Daneben seien sie auch in Schulen aktiv, um im Rahmen von Schulprojekten zum Beispiel über Kinderrechte aufzuklären.

Warum sie sich gerade für Unicef engagiert? "Ich fand, dass Unicef für mich das Richtige ist, da sie sich für Kinder einsetzen und glaubwürdig sind", sagt Helga Hildebrand. Außerdem sei ihr wichtig gewesen, dass die Gelder ankommen. "Es gibt so viel Leid auf der Welt, und ich interessiere mich für Kinder und mache das sehr gerne, weil ich weiß, dass ich etwas bewirken kann", ist sie überzeugt. Sie habe nicht einfach zu Hause sitzen können und von einem Kaffeeklatsch zum nächsten gehen können. "Ich brauche Action!", sagt Helga Hildebrand.

Interessierte Schulklassen, die sich später über die Reise nach Kambodscha oder über die Kinderrechte informieren lassen wollen, können sich an Unicef Bremen, Bahnhofstraße 12, Telefon 326263, E-Mail: info@bremen.unicef.de

wenden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+