Kanalarbeiten behindern ab Montag Auto- und Radfahrer In Horn droht Verkehrschaos

Ein marodes Kanalsystem unter der Riensberger Straße macht laut Hansewasser Baumaßnahmen an der Einmündung zur Leher Heerstraße erforderlich. Für fünf Monate soll die Linksabbiegespur in die Berckstraße gesperrt werden.
19.10.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter

Ein marodes Kanalsystem unter der Riensberger Straße macht laut Hansewasser Baumaßnahmen an der Einmündung zur Leher Heerstraße erforderlich. Für fünf Monate soll die Linksabbiegespur in die Berckstraße gesperrt werden. Der Beirat befürchtet chaotische Verkehrsverhältnisse in den Stoßzeiten.

Auf der Leher Heerstraße wird es ab morgen voll – das jedenfalls befürchten die Mitglieder des Horn-Leher Beirats. Fünf Monate lang soll stadteinwärts die Linksabbiegespur in die Berckstraße gesperrt werden. Der Grund ist die laut Hansewasser zwingend erforderliche Sanierung eines 80 Jahre alten Abwasserkanals im Einmündungsbereich der Riensberger Straße. Linksabbieger und Verkehrsteilnehmer, die geradeaus in die Horner Heerstraße weiterfahren wollen, müssen sich voraussichtlich bis Februar 2015 eine Fahrspur teilen.

Bereits jetzt reiche die vorhandene Linksabbiegespur längst nicht mehr aus und verursache Rückstaus auf der Leher Heerstraße, sobald hier mehr als vier Autos warten, moniert Verkehrsausschuss-Sprecher Stefan Quaß (CDU). „Wenn diese Situation für fünf Monate durch die geplante Regelung jetzt noch verschärft wird, bricht der Verkehrsfluss vollends zusammen“, prophezeit er. Sein Vorschlag: Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) gestattet den linksabbiegenden Autofahrern, die Straßenbahnstraße vorübergehend mit zu nutzen.

„Wir gehen davon aus, dass so eine Verkehrsführung nicht genehmigungsfähig ist“, erklärt BSAG-Pressesprecher Jens-Christian Meyer auf Nachfrage. „Und wirklich Sinn macht sie aus unserer Sicht auch nicht, denn so würde der Straßenbahnverkehr der Linie 4 stark behindert werden.“ Ein Blick auf den starken Fahrgastwechsel an der Haltestelle zeige, wie viele Lestra-Kunden sich bei ihren Einkaufstouren auf die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der Straßenbahn verlassen. „Diese Attraktivität sollte im gemeinsamen Interesse gerade zu Zeiten der Baustelle beibehalten werden“, so Meyer.

Ein weiterer Kritikpunkt an der Baustellenplanung ist laut Stefan Quaß der Zeitpunkt ihrer Entstehung: in den Morgenstunden um 9 Uhr. „Es ist davon auszugehen, dass es rund um den Kreuzungsbereich zwischen 9 und etwa 13 Uhr zu einem Verkehrschaos kommen wird, weil die Signalsteuerung in dieser Zeit komplett abgeschaltet werden muss“, kritisiert er. Ein solches Unterfangen sei seiner Meinung nach in die Nachtstunden zu legen. Laut Hansewasser ist der zeitliche Spielraum jedoch durch die Firma Siemens bestimmt, die für die Ampelumschaltung verantwortlich ist. Von dieser Seite sei als frühester Termin 8 Uhr genannt worden, hieß es auf Nachfrage.

Auch Grünen-Sprecher Dieter Mazur äußert auf Nachfrage Kritik am Zeitplan der Baumaßnahme: „Wenn die Dringlichkeit nicht extrem hoch ist, wäre zu überlegen, die Maßnahme in das kommende Frühjahr zu verschieben, und nicht in die Vorweihnachtszeit.“ Dann wäre nämlich zu befürchten, dass sich bei einem strengen Winter die Reparaturmaßnahmen länger als fünf Monate hinziehen würden. Diesem Ansinnen steht laut Hansewasser-Sprecher Oliver Ladeur allerdings ausgerechnet der Naturschutz im Weg. „Wir müssen für die Kanalarbeiten den Grundwasserspiegel absenken“, erklärt er auf Nachfrage. Eine solche Maßnahme werde mit Rücksicht auf die Vegetation in den Sommermonaten nicht genehmigt. In einem Informations-Schreiben an die Anwohner des Baustellenbereichs teilte Hansewasser vergangene Woche außerdem mit, dass ein Abbiegen aus der Riensberger Straße kommend ab morgen nicht mehr möglich ist – links wie rechts.

Ergänzend dazu erklärt Ladeur dem Stadtteil-Kurier, dass Radfahrer, die auf der Leher Heerstraße stadteinwärts unterwegs sind, die Riensberger Straße für zwei Wochen nicht überqueren können. „Hier muss leider ein Umweg über die Ampeln der Leher Heerstraße, der Berckstraße und der Horner Heerstraße gemacht werden.“ Bevor die Riensberger Straße wieder für Räder passierbar sei, müsse eine Querung eingerichtet werden.

Beirat will Baustart hinauszögern

Generelle Kritik am Informationsfluss der Behörde gibt es von Seiten der Grünen. „Wir finden es ausgesprochen unglücklich, dass ohne Befassung des Beirats oder des Verkehrsausschusses schon für Montag ein Baubeginn angekündigt worden ist“, betont Dieter Mazur. „Dies wäre nur hinnehmbar, wenn absolut Gefahr im Verzuge wäre.“

In einer nicht-öffentlichen Sitzung hat der Beirat am Donnerstag dem Vernehmen nach einstimmig einen Antrag verabschiedet, in dem er die Verlegung der Baumaßnahme aus Rücksicht auf das Weihnachtsgeschäft auf Anfang 2015 fordert. Des Weiteren soll eine entsprechende Beschilderung Autofahrer frühzeitig auf die Baustelle hinweisen und eine separate Linksabbiegespur durch Mitnutzung der Straßenbahntrasse gewährleistet werden. Die Einrichtung der Baustelle sei in die Abend- oder frühen Morgenstunden zu verlegen, außerdem müsse nach einer Woche Sichtungsphase die Ampelschaltung bei Bedarf angepasst werden.

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