Kai Steffen schildert Geschichte des Rettungswesens In Seenot ist auf sie Verlass

Seit fast 150 Jahren können sich Schiffbrüchige an allen deutschen Küsten auf die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) verlassen. Kai Steffen hat bei Wissen um elf im Haus der Wissenschaft die Geschichte „Vom Motorrettungsboot zum modernen Seenotrettungskreuzer“ geschildert. Gemeinsam mit Klaus Hübotter will er den Kreuzer „Bremen“ in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen.
04.09.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ina Schulze

Seit fast 150 Jahren können sich Schiffbrüchige an allen deutschen Küsten auf die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) verlassen. Kai Steffen hat bei Wissen um elf im Haus der Wissenschaft die Geschichte „Vom Motorrettungsboot zum modernen Seenotrettungskreuzer“ geschildert. Gemeinsam mit Klaus Hübotter will er den Kreuzer „Bremen“ in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen.

Seit dem Mittelalter galt an den deutschen Küsten noch das Strandrecht. Jeder konnte sich von einem gestrandeten Boot etwas nehmen. „So gesehen war Schiffbruch eine willkommene Gabe“, sagt Kai Steffen im Haus der Wissenschaft. Das habe sich um 1860 geändert, nachdem die Brigg Alliance vor Borkum auf ein Riff aufgelaufen und die Bark Johanne auf Spiekeroog gestrandet waren.

Das Verhalten der Insel- und Küstenbewohner, die untätig blieben, und das Fehlen von Rettungsmitteln sorgte überregional für große Empörung. Und setzte eine Entwicklung in Gang. Kai Steffen schilderte bei Wissen um elf die Entwicklung „Vom Motorrettungsboot zum modernen Seenotrettungskreuzer“. Der studierte Produktionstechniker aus dem Viertel hat im Fachbereich Elektrotechnik promoviert und ist als Projektleiter Automatisierungstechnik in der Offshore-Industrie tätig. Er hat den Focke-Windkanal vor dem Verfall bewahrt und ist dafür mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz ausgezeichnet worden. Gemeinsam mit Klaus Hübotter leitet er zurzeit die Sanierung des ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden ersten Seenotrettungskreuzers der DGzRS, des Versuchskreuzers „Bremen“.

Navigationsleiter Adolph Bermpohl aus Vegesack hatte nach den beiden schweren Seeunglücken öffentlich gefordert, dass man in Deutschland nach englischem Vorbild ein Seenotrettungswesen einführen sollte. Georg Breusing hatte schließlich 1861 den ersten Verein zur Rettung Schiffbrüchiger in Emden gegründet.

Arwed Emminghaus aus Bremen war der Ansicht, dass man die ganzen kleinen Vereine, die zur Rettung Schiffbrüchiger entstanden sind, zusammenbringen muss. Aus diesem Grund kam es 1865 zur Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in Kiel.

Das Hauptrettungsmittel war damals noch das Ruderrettungsboot, was man auch Segeln konnte. Es gab auch Raketenapparate. Damit wurden Seile über das Wrack geschossen. „Dann konnte man die Leute mit einer sogenannten Hosenboje an Land bringen“, sagt Kai Steffen, „Das war ein Rettungsring mit einer Hose daran genäht. Da konnte man reinsteigen und an Land gebracht werden.“

1911 hatte man erste Motorrettungsboote stationiert. Man hatte in die offenen Ruderrettungsbote einen Motor eingebaut, wodurch sie schneller wurden. „Dadurch konnte man Kräfte sparen, um den Schiffbrüchigen zu helfen“, sagt Kai Steffen.

Die Schiffe wurden nach und nach optimiert. Viele wurden damals noch mit einem Mast ausgestattet, damit man sie zur Not segeln konnte. Für eine weitere Sicht hatte man auch einen Mastkorb gebaut. „Motorrettungsboote waren aber nach wie vor flach gebaut“, sagt Kai Steffen. Ein Mastkorb war relativ ungeschützt. Aus diesem Grund hatte man nach und nach feste Turmaufbauten entwickelt. Die Schiffe wurden schnittiger und schneller und die Aussichtstürme besser. Die Entwicklung der Motorrettungsboote war Ende des Zweiten Weltkrieges nach Darstellung von Kai Steffen weitgehend abgeschlossen. Während die häufig umgebaute „Bremen“ mit 17 Metern Länge und elf Knoten Geschwindigkeit 1953 das leistungsfähigste Schiff der Flotte war, erreichen moderne Kreuzer Geschwindigkeiten von 30 Knoten und sind bis zu 46 Meter lang. 2013 konnte das gemeinnützige Kulturforum Speicher XI die „Bremen“ kaufen und in den Heimathafen zurückbringen.

Zum 150-jährigen Bestehen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger planen Kai Steffen und seine Kollegen nun, die „Bremen“ in den Zustand der 50er-Jahre zurückzuversetzen. Ein neues Tochterboot soll anlässlich des Jubiläums ebenfalls gebaut werden – so ist ihr Plan. Für die Finanzierung des Vorhabens werden derzeit noch Unterstützer gebraucht.

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