Hafenumbau in Hemelingen

Industrie im Hafen soll weichen

Der Bremer Senat soll Erbpachtverträge mit Unternehmen im Hemelinger Hafen nicht verlängern: Der Hemelinger Beirat möchte dort für die Zukunft eine Mischbebauung mit Wohnen.
19.08.2019, 06:00
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Industrie im Hafen soll weichen
Von Christian Hasemann
Industrie im Hafen soll weichen

Hemelingen möchte sich zur Weser stärker öffnen. Dafür sollen am Allerhafen nach und nach die Industriebetriebe weichen.

Karsten Klama

Noch sind große Teile von Hemelingen von Gewerbe und Industrie geprägt. Mit allen dazu gehörenden Unannehmlichkeiten für die Anwohner: Lärm, Gestank, LKW-Verkehr. Im Hemelinger Hafen soll zukünftig die rein industrielle Nutzung einer sanfteren Form aus Wohnen, Büros und Gewerbe weichen. Mit großer Mehrheit hat der Beirat auf seiner jüngsten Sitzung dazu einen Antrag verabschiedet, der den Senat dazu auffordert, die nötigen Grundlagen dafür zu schaffen.

Konkret nennt der Beirat das Becken des Allerhafens, das der Senat für den Hafenbetrieb aufgeben soll. Dafür sollen ein neuer Bebauungsplan aufgestellt und die bestehenden Erbpachtverträge nicht verlängert werden.

Eine Reihe der Grundstücke im Hafengebiet sind in Erbpacht an Industrie- und Gewerbebetriebe vergeben, das bedeutet, dass die Grundstücke langfristig verpachtet sind, aber im Besitz der Stadt sind. Einige der langlaufenden Verträge – üblicherweise ein paar Jahrzehnte – enden im kommenden Jahrzehnt. Für die betreffenden Grundstücke fordert der Beirat weiter eine Veränderungssperre bis der notwendige Bebauungsplan erstellt ist. Der Beirat geht aber noch weiter: Auch die potenziell frei werdenden Flächen am Hastedter SWB-Kraftwerk nach Ende der Stromerzeugung mit Kohle sollen im neuen Bebauungsplan enthalten sein. Generell schwebt dem Beirat eine Mischnutzung aus „nicht schädlichem Gewerbe“ und Wohnen vor.

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Einwände kamen ausschließlich von der Fraktion der FDP. Deren Vertreter Uwe Janko sagte: „Ich finde das an der Stelle etwas unglücklich. Die Frage, die ich mir stelle, ist: Was passiert mit den Betrieben, die dort Eigentum haben?“ Er könne dem Antrag nicht zustimmen, weil zu undeutlich sei, was der Beirat dort wolle. „Ich finde es nicht in Ordnung, dass man die Betriebe dort verunsichert.“ Er befürchte, dass dadurch im Zweifelsfall weniger investiert werde. Mit dieser Position stand er allerdings alleine da.

Ralf Bohr (Güne) verdeutlichte: „Es ist ein langsamer Wechsel vom reinen Gewerbe zu einem Mischgebiet, wir wollen so die Weser für Bevölkerung öffnen.“ Wenn man strukturelle Veränderungen wolle, dann dürften jetzt nicht die Verträge „wieder für 100 Jahre“ verlängert werden. Seine Parteikollegin Angelika Brand ergänzte: „Wir brauchen Wohnraum, dort wäre eine wunderbare Möglichkeit und da könnte etwas zusammenwachsen.“

Wenig Zugang zum Wasser

Tatsächlich ist der Zugang zum Wasser in Hemelingen nur an einigen wenigen Stellen möglich. Zur Zeit wird die Weser, abgesehen vom Hastedter Teil Hemelingens, durch Straßen und Eisenbahnlinien und eben auch Gewerbegebiete von den Wohngebieten abgeschnitten.

Allerdings zeichnet sich ein langsamer Wandel ab: Am Allerkai hat das Unternehmen Peper und Söhne im vergangenen Jahr einen modernen Gewerbepark eröffnet. In seiner schriftlichen Begründung verweist der Beirat auf das Motto „Stadt am Fluss“. Dies müsse auch für Hemelingen gelten. Der Beirat sieht den Allerhafen in seiner Argumentation außerdem in Verbindung mit dem geplanten Wohnquartier auf dem benachbarten Coca-Cola und Könecke-Gelände. Eine Gesamtentwicklung der drei Bereiche würde dem Stadtteil ein neues Gesicht geben und der Bevölkerung die Möglichkeit, die Weser besser wahrzunehmen. Der Beirat stimmte bei einer Nein-Stimme und einer Enthaltung für den Antrag.

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Eng verbunden mit dem Gewerbe in Hemelingen ist die Geruchsbelastung für die Bewohner. Seit ein Gutachten ergeben hat, dass eine Wohnbebauung an der Diedrich-Wilkens-Straße nicht möglich ist, liegt das gesamte Gebiet brach. Im Mai gab es zuletzt eine Planungskonferenz, allerdings ohne greifbares Ergebnis. Der Beirat unternimmt nun mit einem neuerlichen gemeinsamen Beschluss aller Fraktionen einen erneuten Anlauf, um die Planungen für das Gelände voranzubringen.

In seinem Beschluss fordert der Beirat den Senat auf, dass Gewerbeaufsichtsamt dazu zu bewegen, mit dem Beirat und den betreffenden Betrieben Maßnahmen umzusetzen, damit der Bau anderer Wohnungen – zum Beispiel auf den Könecke- und Coca-Cola-Arealen – nicht gefährdet ist. Maßstab dabei soll der neueste Stand der Technik sein. Während einer Übergangszeit, in der neue Planungen für das Gelände gemacht werden sollen, sähe de Beirat gerne eine Zwischennutzung.

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