Geschichtskreis Sebaldsbrück dokumentiert die Entwicklung der Wilhelm-Busch-Siedlung und des „Schlossi“

Informativ und kenntnisreich

Sebaldsbrück. Bremer Geschichte ist ihre Leidenschaft. Und so haben Detlef von Horn und Helmut Rohde aus Sebaldsbrück mit ihren rund ein Dutzend Mitstreitern vom Geschichtskreis Sebaldsbrück schon diverse Broschüren zur Historie ihres Stadtteils geschrieben.
02.06.2016, 00:00
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Von Sigrid Schuer

Bremer Geschichte ist ihre Leidenschaft. Und so haben Detlef von Horn und Helmut Rohde aus Sebaldsbrück mit ihren rund ein Dutzend Mitstreitern vom Geschichtskreis Sebaldsbrück schon diverse Broschüren zur Historie ihres Stadtteils geschrieben.

„Zielführende Gedanken der Aktiven der ersten Stunde war das persönliche Erleben und das beinahe Vergessene gemeinsam zu erinnern. Wir wollten Vergangenes bewahren, Verschollenes wiederentdecken, dokumentieren und präsentieren“, erzählt Detlef von Horn. Er war bis zu seiner Pensionierung als Standesbeamter im Hemelinger Rathaus tätig und in dieser Funktion auch für Sebaldsbrück zuständig.

Alles begann, als er die Historie des Hemelinger Rathauses aufschrieb und später entdeckte, dass die Geschichte Sebaldsbrücks noch nicht aufgearbeitet ist. Sein Kollege Helmut Rohde, der bis zu seiner Pensionierung in der Elektroindustrie tätig war, hat als Hobby-Historiker eine riesige Sammlung von Bremensien zusammengetragen. Seine besondere Liebe gehört der Borgward-Historie.

Der Geschichtskreis trifft sich einmal im Monat, jeweils am zweiten Montag ab 18.30 Uhr im Gemeindehaus der evangelischen Versöhnungsgemeinde „Die Brücke“. Von Anfang an mit dabei ist der Gemeindepfarrer Tilmann Gansz-Ehrhorn.

Immer wieder arbeitete der Geschichtskreis die Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus auf. Es entstanden aber auch Broschüren wie„100 Jahre Lok-Reparaturen am Wasserturm“, „Der Tag an dem der Tommy kam – Bangen in Bunkern“ oder „Chorgesang – Gesangvereine in Sebaldsbrück und in Hemelingen“. Der ganze Stolz des Geschichtskreises ist ihr Paradestück „Hansi Last, der Junge aus Sebaldsbrück“. Die Mitglieder bedauern, dass es für die Publikation der Broschüre vom Senat keine finanzielle Hilfe gab.

Die neueste Broschüre stellen die beiden nun am Sonnabend, 4. Juni, beim Fest des Schlossparkbades vor: In „Und die Moral von der Geschicht“ dokumentiert Detlef von Horn die Entstehung der Wilhelm-Busch-Siedlung. In die akribische, exzellent recherchierte Schrift sind viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit geflossen, die er unter anderem im Staatsarchiv verbracht hat. Ferner wird auf dem Sommerfest die Broschüre „Ich gehe schwimmen ins Schlossi“ vorgestellt, in der die Historie des Schlosspark-Bades erzählt wird.

Doch zurück zur Wilhelm-Busch-Siedlung: Hinter der Vahrer Galopprennbahn war ein Parzellengebiet entstanden – zur Daseinsvorsorge, längst vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges. Die Spuren des ersten großen Krieges waren nicht getilgt, die Weltwirtschaftskrise brachte Not. Menschen suchten die eigene Scholle, zum Ackerbau, zur Selbstversorgung. „In Sebaldsbrück wurden Wiesen- und Ackerflächen ,Hinter dem Rennplatz’ zum Parzellengebiet. Interessierte zahlten 50 Pfennig für einen Quadratmeter“, schreibt von Horn. Er schildert die große Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg und den sogenannten Kaisen-Häuser-Erlass vom 4. August 1945, mit dem der damalige Bürgermeister Parzellen- zu Wohnhäuschen umwidmete. Ein Großprojekt sollte auch eine Lösung für die vielen Flüchtlinge bringen, die nach Bremen kamen. „Bauer Garbade bot sein Acker- und Weideland in der Vahr zum Kauf an“, erzählt der Historiker.

„Die Planungsarchitekten Max Säume und Günther Hafemann entwarfen das Baukonzept, und am 20. Dezember 1954 wurde der Grundstein gelegt. 1956 zogen die ersten Mieter in die Gartenstadt.“ Darüber hinaus habe die Gewoba 1957 mit der Realisierung des seinerzeit größten Wohnbauprojektes in Deutschland begonnen, mit dem Hochhaus-Bau in der „Neuen Vahr“.

Eine Parallele zu den Kaisen-Häusern entstand hinter dem Rennplatz. Die Menschen waren aus ihren ausgebombten Wohnungen auf die Parzellen geflohen, hatten dort auch neue Gartenhäuser unweit des Achterdieksees gebaut. Gegen den Widerstand des Hemelinger Beirates und des Bausenators taten sich Selbsthilfe-Bauherren zusammen, um Häuschen, die sich durch architektonische Vielfalt auszeichneten, so von Horn, als Schwarzbauten auf dem Areal hinter dem Rennplatz zu errichten. Bekam das Amt Wind davon, waren für die nachträgliche, rechtliche Korrektur 400 D-Mark als Strafgebühr fällig.

„Die Wege waren wenig verkehrsgerecht, Trümmerschutt füllte die Schlaglöcher. Wasser- und Abwasser-, Ver- und Endsorgung lag auch in privaten Händen. Lediglich Strom wurde 1948/49 geliefert, durch Freileitungen an Masten“, schreibt Detlef von Horn.

Laubenkolonie legalisiert

Und weiter: „Im Jahr 1958 lag der Bebauungsplan vor, somit war die rechtliche Grundlage für die legale Wohnbebauung geschaffen. Aus der Gartenlaubenkolonie war inzwischen die Gartenheimsiedlung ,Hinter dem Rennplatz’ geworden.“ Schließlich legte die Stadt Leitungen für Gas, Licht, Wasser- und Abwasser. Im Juli 1965 begannen die Straßen- und Fußwegarbeiten. Der Geschichtskreis arbeitet indes schon an der nächsten Broschüre über „Die Grüne Oase Bremer Rennbahn“, in der sich die Mitglieder für den Erhalt der Rennbahn, die über eine uralte Historie verfügt, aussprechen. Zeitzeugen, die Informationen und Fotos zur Verfügung stellen können, werden indes noch gesucht. Gleiches gilt für die Wilhelm Busch-Siedlung. Gesucht werden Bewohner, die über die eigene Parzelle und zum Hausbau eine Geschichte erzählen oder ein Bild beifügen können. Wer sich angesprochen fühlt, kann Kontakt aufnehmen per E-Mail an Geschichtskreis.Sebaldsbrueck@gmx.de.

„Und die Moral von der Geschicht“ ist genauso wie die Historie des Schlossparkbades gegen eine Schutzgebühr von jeweils zwei Euro im Gemeindehaus „Die Brücke“, Sebaldsbrücker Heerstraße 52, und im Ortsamt Hemelingen, Godehardstraße 19, erhältlich.

Und ebenfalls beim Fest anlässlich des 60. Geburtstages des Schlosspark-Bades am Sonnabend, 4. Juni, sowie am 13. August, wenn das 20-jährige Bestehen der Wilhelm-Busch-Siedlung mit einem Straßenfest gefeiert werden wird.

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