Mit Video: Das sagen Bremer zur Maskierung

Die Informationen zur Maskenpflicht sollen alle Bremer erreichen

Ab Montag gilt die Maskenpflicht in Geschäften sowie in Bussen und Bahnen. Aber wie informiert die Politik darüber, so dass es auch alle verstehen? Nicht alle Bremer beherrschen die deutsche Sprache.
26.04.2020, 21:58
Lesedauer: 3 Min
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Die Informationen zur Maskenpflicht sollen alle Bremer erreichen
Von Marc Hagedorn

Wenn von diesem Montag an die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen gilt, wird die BSAG ihre Fahrgäste extra darauf hinweisen. „Wir werden entsprechende Piktogramme als Aufkleber an den Türen haben, Durchsagen in den Fahrzeugen machen und an den Haltestellen über unsere Digitalanzeigen darüber informieren“, sagt Jens-Christian Meyer. „Jeder wird sehr schnell darüber ­Bescheid wissen“, ist sich der BSAG-Sprecher ­sicher.

So optimistisch wie Meyer sind nicht alle. Libuse Cerna zum Beispiel sorgt sich, dass die Informationen über den richtigen Umgang mit dem Mund- und Nasenschutz vor allem diejenigen nicht erreichen, die kein oder nicht besonders gut Deutsch sprechen und verstehen. „Meine ganz persönliche Wahrnehmung ist: Je geringer die Sprachkenntnis, desto größer die Verunsicherung“, sagt die Vorsitzende des Bremer Rates für Integration.

Libuse Cerna selbst ist gebürtige Tschechin und informiert sich – nicht nur über die Corona-Krise – sowohl in deutschen als auch in fremdsprachigen Medien. Für die türkischen Mitbürger, das weiß sie, spielt der türkischsprachige Radiosender Metropol FM aus Berlin, der auch in Bremen zu empfangen ist, eine große Rolle. „Dort wird regelmäßig über das Maskenthema berichtet“, sagt sie.

Verordnungen in mehreren Sprachen

Auf Mehrsprachigkeit setzt auch der Senat. Im Internet gibt es unter der Adresse bremen.de/corona die aktuellen Verordnungen in mehreren Sprachen. Der Bußgeldkatalog für Verstöße gegen die Corona-Anordnungen zum Beispiel ist in seiner aktuellen Version vom 3. April neben Englisch und Türkisch in zehn weitere Sprachen übersetzt: Arabisch, Bulgarisch, Französisch, Kurdisch, Persisch/Farsi, Polnisch, Rumänisch, Russisch und Serbisch. „Das ist eine Fleißarbeit, an der viele Leute mitwirken“, sagt Senatssprecher Christian Dohle.

Die sogenannte Rechtsverordnung, die alle zuvor erlassenen Verfügungen bündelt, gibt es mit Stand vom 17. April auf Englisch und Türkisch. Auf 20 Seiten finden die Leser die wichtigsten Informationen zu Geschäftsschließungen, Hygienemaßnahmen oder zum Abstand halten zusammengefasst. Die Übersetzung wird ergänzt, sobald die Verordnung zur Maskenpflicht greift. Dass die Aktualisierungen ein paar Tage dauern können, liegt laut Verwaltung daran, dass sie rechtskonform sein müssen. Bei der Übersetzung soll nicht der kleinste Fehler passieren, heißt es.

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Libuse Cerna kennt das Angebot auf ­bremen.de/corona und erkennt die Bemühungen des Senats. „Aber die Startseite ist auf Deutsch“, sagt sie, „und die Übersetzungen sind nicht so einfach zu finden. Das ist verbesserungswürdig.“ Tatsächlich muss der Nutzer ziemlich weit herunterscrollen auf der Seite, bis er auf eine Weltkarte stößt. Dort gibt es dann die entsprechenden Übersetzungen – auch in bewusst einfacher Sprache, aber ohne Bebilderung.

Wie groß der Informationsbedarf in der Bevölkerung ist, erlebt Jutta Bannert jeden Tag, wenn die Menschen bei ihr einen Mund-Nasen-Schutz kaufen wollen. Die Apothekerin aus Bremen-Nord hat festgestellt, dass es sehr viel Unsicherheit im Umgang mit den Masken gibt, ganz unabhängig von der Muttersprache. „Wir erklären den Leuten das Thema mit Händen und Füßen zurzeit“, sagt sie.

Noch viele offene Fragen

Masken hat Jutta Bannert zwar so viele zur Verfügung, dass sie zusätzlich zu den Bürgern auch Pflegeheime und Arztpraxen damit versorgen kann, aber tatsächlich ist es mit der reinen Information über die Maskenpflicht nicht getan. Es gibt mehr zu bedenken: Welche Masken sind geeignet? Wo sind sie zu kaufen? Was ist mit selbst genähten Masken? Worauf ist bei der Handhabung und Pflege zu achten? Bannert hat sich entschlossen, die Piktogramme, die der WESER-KURIER auf einer Sonderseite zur richtigen Nutzung von Masken vor gut einer Woche veröffentlicht hat, in ihrer Apotheke aufzuhängen. „Das ist sehr anschaulich“, sagt sie.

Die Pflicht, über die richtige Handhabung zu informieren, sieht BSAG-Sprecher Jens- Christian Meyer bei den Herstellern der Masken. „Auf den dazugehörigen Beipackzetteln müssen alle Fragen zum Umgang beantwortet werden, so dass es jeder versteht“, sagt er, „das erwarte ich, wenn ich dafür bezahlt habe.“ Die BSAG macht ihre Durchsagen in den Fahrzeugen und die Anzeigen an den Haltestellen nur auf Deutsch, den Rest sollen die Piktogramme erledigen, „sie versteht jeder“, sagt Meyer, „sprachenunabhängig“.

Neben der Informationsverbreitung auf den gängigen Wegen läuft vieles auch auf Mund-zu-Mund-Basis. Beim Bremer Rat für Integration zum Beispiel ist es so, dass alle relevanten Informationen über einen E-Mail-Verteiler verbreitet werden. „Das ist wie ein Schneeballsystem“, sagt Libuse Cerna. Sie hat Multiplikatoren wie etwa Wohlfahrtsverbände, Kulturtreibende, Flüchtlingshilfen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretungen in ihrem ­Adressverzeichnis. Ihr Wunsch an die Politik und die Verwaltung: „Wir würden es sehr begrüßen, wenn Informationen auf so vielen Kanälen wie möglich mehrsprachig verbreitet werden.“

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