Bremer Bürgerschaftspräsident startet Aktion Initiative soll Marktplatz-Events begrenzen

Bremen. Zu viele und zu schlechte Veranstaltungen auf dem Bremer Marktplatz - das beklagt Bürgerschaftspräsident Christian Weber. Er will nun mit anderen Anrainern des Marktplatzes eine neue Initiative starten.
19.06.2012, 09:54
Lesedauer: 3 Min
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Initiative soll Marktplatz-Events begrenzen
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. „Das ist wie Ebbe und Flut“, sagt der Bürgerschaftspräsident. Die Diskussion kommt, und dann geht sie wieder, jedes Mal ohne Folgen, beklagt Christian Weber. Er meint die Debatte über Veranstaltungen auf dem Marktplatz, Bremens gute Stube. Zu viel und zu schlecht, was dort im Jahr an Feiern, Konzerten und weiteren Aktionen über die Bühne gehe. Weber gibt nicht auf, er will an diesem Dienstag mit den anderen Anrainern des Marktplatzes eine neue Initiative starten.

Am vergangenen Freitag war es ein Musikfestival – kleine Bühne, große Boxen, sodass der Marktplatz vor Lärm förmlich vibrierte. Wirklich zuhören wollte nur eine Handvoll, die vielen anderen drumherum, in den Cafés, Geschäften und Büros, taten es unfreiwillig und sicher ohne großen Spaß. Ein Beispiel, wie die gute Stube von Bremen in Beschlag genommen wird. Auf eine Art und Weise, die dem Bürgerschaftspräsidenten zutiefst missfällt. Christian Weber (SPD) hat deswegen alle Anrainer des Marktplatzes für diesen Dienstag zueinem Gespräch eingeladen. Das Ziel: weniger Veranstaltungen und mehr Qualität.

Die Konzerte am Freitag waren Teil des Festivals „Métissage“, das sich Toleranz und kulturelle Integration auf die Fahnen geschrieben hat. Ein hehrer Ansatz, und dass es so ungeheuer laut wird, war nicht zuvermuten. Das Stadtamt sah deswegen offensichtlich keinen Grund, die Genehmigung zuverweigern oder Vorschläge für einen anderen Veranstaltungsort zumachen. So wenig wie zum Beispiel beim Weinfest, bei der Eröffnung der Matjessaison, beim Info-Tag zum Thema Wasser – oder der großen Jubiläumsveranstaltung zum 60-jährigen Bestehen der Johanniter-Unfallhilfe, als man nur im gut überlegten Slalom über den komplett belegten Marktplatz kam.

33 Veranstaltungen in diesem Jahr

Nach aktuellem Stand werden es bis Ende des laufenden Jahres 33 Veranstaltungen auf dem Marktplatz gewesen sein. Die Palette reicht von der 24-Stunden-Lesung der Konrad-Adenauer Stiftung bis zur Jugendtheateraufführung des Kinos 46, vom traditionellen Klabenverkauf der Bäcker-Innung bis zur Tanzperformance des Landesinstituts für Schule, vom Fotoshooting der Friseur-Innung bis zur Infoveranstaltung der Mukoviszidose-Selbsthilfegruppe. Alles dabei, und ob es bei dieser Zahl bleibt, ist noch ungewiss: „Es könnten auch noch kurzfristige Anmeldungen kommen“, sagt Rainer Gausepohl, Sprecher der Innenbehörde.

Nicht mitgerechnet sind bei dieser Aufstellung der kleine Freimarkt und der Weihnachtsmarkt. In dem einen Fall ist der Marktplatz gut zwei Wochen mit Buden und Karussells belegt, in dem anderen Fall sind es vier Wochen. Schließlich noch die Demonstrationen und Kundgebungen. Im vergangenen Jahr waren es nach Angaben der Innenbehörde knapp 100, die auf dem Marktplatz stattfanden, darunter 44-mal die sogenannte Montagsdemo.

Die Demonstrationen berühren ein Grundrecht und bleiben bei der Diskussion, was auf dem Marktplatz erlaubt sein soll, außen vor. Streit entzündet sich an den anderen Veranstaltungen. „Roland, Rathaus, Schütting – das sind unsere Leuchttürme“, sagt der Bürgerschaftspräsident, „es darf nicht sein, dass die ständig zugestellt werden.“ Jüngst erst beim Weinfest, das hat Christian Weber aufgeregt. „Ein Platz ist ein Platz“, sagt er, „und der muss frei sein.“ Wenn er doch mal belegt werden sollte, müssten dafür die allerstrengsten Maßstäbe angelegt werden. „Mehr Qualität als Quantität“, bringt es Weber auf den Punkt.

Handelskammer fordert Begrenzung

„Zehn oder 20 herausragende Veranstaltungen, dann muss Schluss sein“, sagt Günther Lübbe, Geschäftsführer der Handelskammer. „Zurzeit ist es ja so, dass jeder, der einen Antrag stellt, auch eine Genehmigung bekommt.“ Gerade für die Touristen sei es eine Zumutung, wenn sie unter anderem wegen des Marktplatzes nach Bremen kommen, um ihn dann belegt vorzufinden. Bremens Touristik-Chef Peter Siemering bestätigt das: „Unsere Gäste sind manchmal vollkommen irritiert.“ Siemering wünscht sich mehr Konsequenz bei der Genehmigung von Veranstaltungen: „Wie sehen sie aus, und wie laut sind sie – das muss stärker geprüft werden.“

Bei dem Treffen heute, zudem Christian Weber eingeladen hat, sind die Banken dabei, die am Marktplatz ihren Sitz haben, das Rathaus ist vertreten, der Großmarkt, die Restaurant- und Cafébetreiber, die evangelische Kirche und diverse Firmen und Kanzleien. „Wir wollen eine gemeinsame Erklärung abgeben“, kündigt Weber an. Sie soll auf den Marktplatz abzielen, genauso aber auch auf das Drumherum. Ein Ärgernis sind für den Präsidenten zum Beispiel die Auftritte der vielen Straßenmusikanten: „Die können machen, was sie wollen.“ Oder die Stände auf dem Liebfrauenkirchhof: „Billiges Zeug.“

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