Gemeinschaftsgarten-Projekt "Ab geht die Lucie II" in der Neustadt

Initiative startet in die grüne Saison

Neustadt. Die grüne Saison kann in der Neustadt starten: Die Initiative, die im vergangenen Jahr den Lucie-Flechtmann-Platz mit Pflanzaktionen verschönerte, darf für zwei weitere Jahre gärtnern. Das Gemeinschaftsgartenprojekt startet am 4. Mai.
24.04.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von ANNICA MÜLLENBERG
Initiative startet in die grüne Saison

Die Anwohner bereiten sich auf die neue Gartensaison auf dem Lucie-Flechtmann-Platz vor. Es wurde schon kräftig – hier in einer alten Badewanne – gepflanzt.

Walter_Gerbracht

Die grüne Saison kann in der Neustadt starten: Die Initiative, die im vergangenen Jahr den Lucie-Flechtmann-Platz mit Pflanzaktionen verschönerte, darf für zwei weitere Jahre gärtnern. Neben den Blumenkübeln werden in diesem Jahr vor allem Beete angelegt, auf denen Kartoffeln, Gurken und Tomaten reifen sollen.

Die Spaten sind geputzt, die Gießkannen warten auf Wasser, und die Pflanzhölzchen wollen beschrieben werden. Seitdem klar ist, dass die „Lucie“ auch in den kommenden zwei Jahren abgehen kann, wollen die Initiatoren richtig loslegen. „Wir werden jetzt professionell gärtnern“, erklärt Eva Kirschenmann. Die Mitorganisatorin des Umgestaltungsprojektes „Ab geht die Lucie“ freut sich darauf, in den nächsten 24 Monaten nicht vorrangig den Behördendschungel durchkämpfen zu müssen, sondern Nutzpflanzen zu ziehen. Nach vielen Anträgen und Verlängerungen hat die Stadt nun eine zweijährige Genehmigung erteilt.

Was im vergangenen Juni zaghaft mit Töpfen voller Blumen angefangen hat, soll nun produktiver und nachhaltiger werden. Die wichtigste Frage in dieser Saison: Wie ertragreich wird die Kartoffelernte? „Wir wollen strukturiert anbauen und die Fläche gezielt mit wenigen Ressourcen nutzen“, sagt Kirschenmann.

Ein großes Kastengerüst wartet schon jetzt auf Muttererde. Es lässt erahnen, dass dicke Knollen erwartet werden – natürlich in Bio-Qualität. Vor einem Jahr war noch nicht damit zu rechnen, dass sich der graue Betonplatz einmal zu einem so fruchtbaren Areal wandeln würde.

Ein Blick zurück: Einst brummte das Leben auf dem Grünenkamp. Ob Zirkus oder Sonntagausflug, an diesem mit Bäumen gesäumten Ort trafen sich Alt und Jung. 2002 vergrößerte sich die Beck‘s-Brauerei und verschlang ihn. Einen Ersatz sollte der Lucie-Flechtmann-Platz bieten. Graue Pflastersteine, wenig Bänke und noch weniger Grün – von Lebendigkeit konnte keine Rede sein, eher von einer „absoluten Brache“, erinnert sich Kirschenmann. 2003 eingeweiht, fanden bis 2006 nur eine Handvoll Events auf der Betonfläche statt. Das wunderte die junge Frau: „Ich habe immer gedacht, da könnte man doch etwas machen.“ Zusammen mit Juditha Friede und weiteren Mitstreitern gründete sie vergangenes Jahr einen Verein und setzte den Traum von einem lebhaften Ort um. Zum zehnten Jahrestag des Lucie-Flechtmann-Platzes begannen sie, die graue Fläche in eine grüne Lunge zu verwandeln. Davon zeugen jetzt noch Pfefferminze, Rosen und Lilien. Die Pflanzen recken ihre Köpfe aus Kübeln und alten Wannen und trotzen stolz dem versiegelten Pflasterboden. Ziel ist es, wieder einen Ort zu schaffen, an dem „unterschiedliche Menschen zusammenkommen. Sie sollen Lust haben, sich einzumischen und miteinander in Kontakt treten“, wünscht sich Kirschenmann. Erreicht haben die Initiatoren diesen Vorsatz bereits im Vorjahr. Kinder und Senioren kamen zu Pflanzaktionen, Sommerfesten und sogar zu einem Sauna-Event im Dezember. Auf der Brachfläche keimte langsam Leben, das vielfältig mitgestaltet wurde.

Kirschenmann: „Ein Renner ist die Bücherkiste, die stand eines Tages einfach da. Nun kann jeder Bücher austauschen.“ Die Initiative „Foodsharing“ hat dort auch ein Fleckchen für ihren Lebensmitteltauschschrank gefunden. So viel Engagement verdient Lob: Die Sparkasse Bremen zeichnete die „Lucie“ als Vorzeigeprojekt aus.

Die Mädchen und Jungen der angrenzenden Kindertagesstätte freuen sich seit ein paar Wochen über den von der Stiftung Spiel-Landschaft-Stadt gesponserten Sandkasten. Gespräche mit weiteren Kinder-Einrichtungen laufen über geplante Beetpatenschaften.

Ideen für die „Lucie“ sind stets willkommen: „Wir sind eine offene Gruppe, und jeder kann mitmachen“, ermuntert die Gründerin. Beteiligt sind auch die Studenten der Hochschule. Sie tüfteln im Rahmen eines Seminars über die Facetten der Nachhaltigkeit an Erfindungen, die dem Garten nützlich sein könnten. „Die Wasserversorgung ist noch problematisch“, weiß die 27-Jährige und hofft, dass die angehenden Ingenieure eine Lösung dafür finden.

Langfristig würde die Gruppe den Platz gerne komplett umgestalten. Das heißt: Pflaster raus und Erde drauf. Doch so einfach ist das nicht. Freiflächen sind potenzielles Bauland. Einige Investoren beobachten das Gebiet schon. Falls es zu einem Verkauf durch die Stadt kommt, steht die „Lucie“ vor dem Aus. Die Genehmigung könne jederzeit zurückgezogen werden.

Doch die Aktivisten schauen nach vorn: Am Sonntag, 4. Mai, heißt es ab 15 Uhr „Ab geht die Lucie II“. Zum Einläuten der Gartensaison steht eine große Sause an. Die gezogenen Setzlinge können eingepflanzt werden. und ab 15 Uhr ist das Bewegungs- und Ernährungsmobil Bemil vor Ort. Es gibt Siebdruckworkshops, frischen Kaffee, Kuchen und viele Gärtnerratschläge. Jeden Sonntag soll gemeinsam gegraben, gesät und geerntet werden. Auch Führungen über das Gelände und Flohmärkte sind geplant.

Mit Kirschenmanns grünem Daumen ist es noch nicht so gut bestellt. Das Schöne sei aber, dass man hilfreiche Tipps bekomme. „Viel braucht man nicht, die ,Lucie‘ lebt vom Engagement der Menschen.“

Weitere Infos im Internet unter www.lucie-bremen.de

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