Schulplatzvergabe für Flüchtlinge

Initiativen kritisieren Schulversorgung

Im vorigen Schuljahr sind an Bremer Schulen 845 Flüchtlingskinder untergebracht worden. Doch die Unterbringung der Älteren an berufsbildenden Schulen gestaltet sich zunehmend schwierig.
17.08.2015, 19:00
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Von Arno Schupp
Initiativen kritisieren Schulversorgung
dpa

In vorigen Schuljahr sind an Bremer Schulen 845 Flüchtlingskinder untergebracht worden. Während für Kinder unter 16 Jahren recht schnell ein Platz an einer der allgemeinbildenden Schulen gefunden wird, ist die Unterbringung der Älteren an den berufsbildenden Schulen ein Problem. „Wir haben die Plätze in den vergangenen zwei Jahren versechsfacht“, sagt Helmut Kehlenbeck, Referent für interkulturelle Angelegenheiten bei der Bildungsbehörde. „Aber es reicht immer noch nicht.“

Jugendliche Flüchtlinge kurz vor der Volljährigkeit würden zudem häufig auf allgemeinen Berufsschulen landen, wären aber auf einer anderen Schulform besser aufgehoben. „Es besteht die Gefahr, dass Potenzial verschenkt wird“, mahnte Millies. „Wir hoffen, dass die Sommerpause genutzt wurde, um die Planung voran zu treiben.“

Einfluss auf einen Schulbesuch hat in Bremen auch die Art der Unterbringung. „Kinder, die mit ihren Eltern die Zentrale Aufnahmestelle verlassen und ins Übergangsheim ziehen, bringen wir an Schulen unter“, sagt Helmut Kehlenbeck. Für Kinder, die in den Flüchtlingszelten untergekommen sind, „organisieren wir jetzt ein Hauslehrer-Modell.“ Entsprechende Pläne würden gerade erarbeitet.

Schulische Betreuung über das 18. Lebensjahr hinaus

Die steigende Zahl der Flüchtlinge stellt nicht nur die Bremer Bildungsbehörde vor Probleme. Auch in Niedersachsen kritisieren Flüchtlingsräte das Kultusministerium. Im vergangenen Schuljahr sei es in manchen Schulen beispielsweise zu Verzögerungen bei der Bildung von Sprachklassen gekommen. „Das ist aber ein strukturelles Problem, das sich schnell beheben lassen müsste“, sagt der Geschäftsführer des niedersächsischen Flüchtlingsrats, Kai Weber.

Marc Millies

Marc Millies

Foto: Walter Gerbracht

In den Sprachklassen sollen die Kinder und Jugendlichen auf den Besuch einer Regelklasse vorbereitet werden. Nach Angaben des Kultusministeriums sind bis Juli dieses Jahres rund 2800 Flüchtlinge zwischen sechs und 15 Jahren gezählt worden. Hinzu kämen die Jugendlichen über 15 Jahre sowie Kinder, die nicht über eine Aufnahmeeinrichtung eingereist sind.

Problematisch sei auch der Umgang mit Jugendlichen zwischen 18 und 21 Jahren. „Sie landen in der Zuständigkeit der Arbeitsagentur“, sagt Weber. Und die sei nicht für die Sprachförderung zuständig. „Wir brauchen eine schulische Betreuung über das 18. Lebensjahr hinaus.“

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